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„Deutschland feiert“ : Erbeben, erheben, leben

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Die Königin der Landshuter Herzen Bild: Jan Roeder FAZ

Bauernente, Knödel, Weizenbier: Die „Landshuter Hochzeit“ wird nur alle vier Jahre gefeiert, und je moderner die Zeit, desto ausgiebiger und „mittelalterlicher“ das Fest. Noch bis zum 17. Juli gibt es jeden Sonntag einen großen Ritterumzug.

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          Bauernente, Knödel, Weizenbier. Es ist elf Uhr, und im Garten des Restaurants "Zur goldenen Sonne" schmeckt der Morgen schon so, wie der Tag noch werden soll. Nicht Nouvelle cuisine, sondern Portionen a l'ancienne. Wie das Essen, so das Fest.

          Wir sind bereits Zeugen davon, wie großer Sog entsteht und jeden mit sich in das Zentrum einer Zeitverschiebung zieht. Wie nach den Regeln der Strömungslehre beginnt die Landshuter Hochzeit, lange bevor das Brautpaar durch die Stadt zieht, eingerahmt von Spielmännern, Fahnenschwenkern, Bogenschützen und anderem Volk.

          Die Elementarteilchen des großen Fests

          Einzeln, zu zweit oder in kleinen Gruppen treffen sie ein, die Elementarteilchen des großen Fests, und lassen sich irgendwo im Koordinatensystem zwischen dem Zehrplatz an der Isar und den beiden städtischen Hauptachsen "Altstadt" und "Neustadt" nieder. Gerade ruft einer seinen Zug von sechs oder acht Trommlern zur Ordnung, und wie zur Probe ziehen sie dann trommelnd am Rathaus vorbei.

          Ritter im Vierjahres-Takt
          Ritter im Vierjahres-Takt : Bild: Jan Roeder FAZ

          Da sitzt man schon auf mitgebrachten Klappstühlen, auf umgedrehten Bierkästen oder auf einem alten Ledersofa, das der Kebab-Laden nach draußen gestellt hat. Die Sonne scheint, und die frühen Hochzeitler rufen ein langgezogenes "Halloooo" - das akustische Erkennungszeichen, das in den nächsten drei Wochen jeden willkommen heißt, der beim größten mittelalterlichen Fest Europas mitfeiern möchte.

          Eine Königin unter Deutschlands Festen

          Die Landshuter Hochzeit, die alle vier Jahre drei Wochen lang von zweitausend Menschen nachgestellt und nachgespielt und von weit mehr als einer halben Million miterlebt wird, ist unter Deutschlands historischen Festen eine Königin. Nachgestellt und gefeiert wird die Hochzeit von Herzog Georg von Landshut mit der polnischen Königstochter Hedwig im November des Jahres 1475. Der Ehevertrag war ein Jahr zuvor ausgehandelt worden - Hedwig brachte ihrem Vater 32000 Gulden ein, das wären heute umgerechnet sechseinhalb Millionen Euro. Es war eine strategisch wichtige Verbindung in Zeiten der beginnenden "Türkengefahr". Konstantinopel war 1453 dem Ansturm der Türken erlegen, da traf es sich gut, das "christliche Abendland" auf diese Weise enger miteinander verbinden zu können.

          So referiert es der Festprospekt nicht ohne leichte Anspielung auf die Gegenwart. Der Kaiser und der deutsche Hochadel gaben sich die Ehre. Die achtzehn Jahre alte Braut reiste aus Krakau über Berlin und Wittenberg an und traf am 14. November in Landshut ein, begeistert begrüßt von den Landshuter Bürgern. Freilich soll sie während der Hochzeit viel geweint haben, weil der Bräutigam so häßlich war; vielleicht waren aber auch nur die Nerven von der langen Reise und dem großen Empfang angespannt. Den Bürgern dagegen lachte das Herz, weil der Herzog sie eine ganze Woche lang freihielt - während der geizige Kaiser sich nur mit Mühe ein Hochzeitsgeschenk abringen konnte.

          Stoiber ist Schirmherr der Hochzeit

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