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Davos : Kurort für die Nöte dieser Welt

  • -Aktualisiert am

Davos sieht martialischer aus, als es ist Bild: REUTERS

Davos, von diesem Mittwoch an Gastgeber des Weltwirtschaftsforums, will seinen Ruf als Kongressstadt festigen. Der Kurort für Lungenkrebs setzt auf die Schönen und Starken.

          An die Tradition als bevorzugtes Ziel von Lungenkranken will in Davos nun wirklich niemand mehr erinnert werden. Statt der Fluchtburg für die Lahmen und Kranken dieser Welt soll das Schöne und Wohltuende herausgekehrt werden. Entfielen noch 1948 rund 80 Prozent der Übernachtungen auf die Kliniken, sind es knapp 50 Jahre später gut 15 Prozent. Wellness, Sport und Prominenz sind Stichworte, die beim Nennen des Graubündner Skiorts in den Sinn kommen sollen.

          Da trifft es sich gut, dass einst ein Schwabe aus Ravensburg Davos zum Ziel eines Managertreffens gewählt hatte, aus dem sich das jährlich stattfindende Weltwirtschaftsforum (WEF) entwickelte, sozusagen die Jahreshauptversammlung jener Leute, die rund um den Globus etwas zu sagen haben. Jener Klaus Schwab entpuppte sich als ähnlicher Glücksfall für Davos wie Alexander Spengler, der im 19. Jahrhundert aus dem Bergdorf einen Kurort machte und dessen Name ein berühmtes Eishockey-Turnier jeweils im Januar ziert.

          Ein ironischer Wink der Geschichte

          Wer heute etwas vom Ursprung des Treffpunktes vieler Prominenter (und auch von betuchten Ruheständlern) aus aller Welt erahnen will, muss sich auf die Schatzalp begeben. Dort findet er ein Berghotel, das in seinem wunderbaren Jugendstil-Dekor bis heute die Besucher verzaubert. Es verbindet sich mit der Erinnerung an den gebürtigen Holländer Willem Jan Holsboer. Dieser reiste 1867 nach Davos. Der Grund: Seine junge Frau war an Tuberkulose erkrankt und erhoffte sich in der Davoser Luft Linderung. Holsboer blieb auch nach dem Tod seiner Frau im Landwassertal. Vielleicht in ihrem Gedenken trieb er zusammen mit Spengler die Entwicklung des Ortes voran. Es ging Schlag auf Schlag: Neubau der „Curanstalt W. J. Holsboer“ 1872, Bahnlinie durch das Prättigau 1890, Sanatorium Schatzalp 1900, mit dem Tal verbunden durch die älteste Bergbahn Graubündens, die bis heute ihren Dienst tut.

          Letzte Arbeiten

          Es ist wie ein ironischer Wink der Geschichte. Direkt neben der Traditionsstätte soll die Zukunft von Davos entstehen - in Gestalt eines Hotelturms, der das Tal beherrscht und die Schatzalp optisch in den Boden drückt. Die Einwohner und die Behörden haben zugestimmt, jetzt müssen die beiden Initiatoren des Projekts, ein IT-Unternehmer sowie ein Hotelier und Immobilienhändler, genügend Investoren für die Renovierung der Schatzalp und für den Bau des neuen Hotels finden.

          Auf mehr als 200 Millionen Franken ist die Investitionssumme veranschlagt, wann tatsächlich gebaut wird, steht allerdings noch in den Sternen. Die Schatzalp ist das spektakulärste, aber beileibe nicht das einzige Hotelprojekt in der auf 1560 Meter Höhe angesiedelten und damit am höchsten gelegenen Stadt Europas. Drei weitere Hotels der Vier- und Fünf-Sterne-Kategorie befinden sich schon in der Planung. Insgesamt sollen an den fünf Orten 430 Millionen Franken oder umgerechnet knapp 270 Millionen Euro verbaut werden. Und Armin Egger, Direktor von Davos Tourismus, erwähnt die - allerdings noch vagen - Pläne eines weiteren Privatinvestors aus Deutschland für ein fünftes Luxushotel.

          „Die Leute hier können nicht mal richtig jodeln“

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