https://www.faz.net/-gxh-s14m

Chalkidiki : Griechischer Honig

  • -Aktualisiert am

Chalkidiki: Hier ruht der Reisende Bild: FAZ.NET - Simone Kaiser

Auf der griechischen Halbinsel Chalkidiki leben Mönche und lächelnde Dealerinnen. Letztere arbeiten im Sani Resort und machen den Gast ganz legal von ätherischen Ölen und Essenzen abhängig.

          3 Min.

          Reisesouvenirs sind eine feine Sache. Gut gewählt, schaffen sie es auch zuhause immer mal wieder, einen zurück in die Ferienlaune damals am Strand zu katapultieren. Ein Geschmack, ein Geruch genügt, und man hört wieder die Palmen rauschen, spürt den warmen Sand zwischen den Zehen. Düfte sind wie Drogen, und die lächelnden Frauen in den beiden Spas des Sani Resorts sind die gerissensten Dealerinnen der Geschichte von Chalkidiki.

          Das Propoline-Shampoo mit einem so intensiven Geruch nach wildem Honig, daß man versucht ist, es neben die Honiggläser in der Küche zu stellen, ist ihr bester Stoff. Ob die Mönche auf dem anderen „Finger“ der griechischen Halbinsel davon wissen? Wahrscheinlich haben sie zu wenig Haare, um sich etwas aus Shampoo zu machen, und genießen den griechischen Honig lieber auf deftigem Holzofenbrot. Sie leben in der Mönchsrepublik Áthos, umgeben von Krüppelkiefern und türkisblauem Meer am Fuße des mehr als 2000 Meter hohen Berges Áthos ein traditionelles Leben - fernab vom Tourismus, der sich auf den beiden anderen Fingern Chalkidikis seit den siebziger Jahren etabliert hat.

          Die Lage ist für ein Ferienziel denkbar günstig: Thessaloniki mit seinen Märkten, überwucht-verwunschenen Hinterhofrestaurants, der Uferpromenade, berühmten Museen und einem Flughafen, auf dem auch Billigflieger landen, liegt etwa eine dreiviertel Taxistunde entfernt. Griechenlands zweitlängster Kanal verbindet hier den Toronäischen mit dem Thermäischen Golf und macht den ersten Finger, Kassándra, damit sogar zu einer richtigen Insel. Wo einst Sumpf und Mücken regierten, haben sich in den vergangenen Jahren etliche Resorts etabliert.

          Chalkidiki: Hier ruht der Reisende Bilderstrecke

          Exempel griechischer Gastfreundschaft

          Das Sani Beach Hotel am Kap Sani eröffnete 1971 und war damals touristische Avantgarde. Heute muß man das Gebäude unter der optischen Kategorie Bettenbunker rubrizieren. Doch dafür entschädigt die Lage an einer majestätischen Bucht mit Blick auf einen alten Wehrturm aus dem 14. oder 15. Jahrhundert und - bei klarem Wetter - auf den Olymp auf der anderen Seite des Meeres. Über die Jahre entstanden entlang des sieben Kilometer langen weißen Sandstrandes der Sani Beach Club (für Familien), das Porto Sani Village (Spa-Hotel) und Juni 2003 die Sani Asteria Suites (Boutique Hotel). Wie ein schützender Ring umgibt ein 400 Hektar großes Naturschutzgebiet das ganze Resort, das immer noch in Familienbesitz ist.

          Diesen natürlichen grünen Zaun passieren nur Gäste des Hauses oder am Abend ein paar „Auswärtige“ zum Besuch eines der Restaurants an der künstlichen Marina. Ihnen sei allen voran das „Tomata“ empfohlen. Chrysanthos Karamolegos, der Wirt, der sich rundbäuchig so auch als Exempel in einem Nachschlagewerk der griechischen Gastfreundschaft finden könnte, empfängt seine Gäste in einer einfachen Taverna mit kissenbedeckten Holzbänken. Der ehemalige Besitzer einer Tomatenplantage reicht zu allen Gängen, selbst zum Dessert, Tomaten in unterschiedlichster Form und Farbe. Meist so gekonnt versteckt, daß selbst Nachtschattengewächse-Hasser sie trotz Mühe nicht erschmecken können.

          Das Meer erfindet stündlich neue Blautöne

          Die 50 „Seestern“-Suiten, so die Übersetzung des griechischen „Asterias“, bieten erstklassigen Fünf-Landessterne-Luxus, wie man ihn nicht braucht, und der gerade deshalb so schön ist. Zwischen den Segelbooten und dem Privatstrand gelegen, gefällt vor allem die auf den Terrassen herrschende „lounge-artige“ Einrichtung. Weiße Sitzkissen, modernes Korbgeflecht, dunkles Holz, darüber helle Leinensegel gegen die Sonne. Nahezu 24stündige Baby-Beaufsichtigung ist sowohl am Strand als auch im Hotelzimmer buchbar, und wohl deshalb finden sich beim Frühstück am Pool (den echten Honig zum kühlen Joghurt nicht vergessen!) entspannt grinsende Kleinkinder und Eltern friedlich nebeneinander.

          Am schönsten sind die Zimmer in den zweistöckigen Bungalows direkt am Strand: Vom eigenen kleinen Garten aus kann man die scheinbar unendlichen Blau-, Grün- und Türkistöne zählen, die das Meer hier stündlich neu zu erfinden scheint. Wer auch im Urlaub nicht Ruhe geben mag, kann sich den üblichen verdächtigen Wassersportarten zuwenden oder spazieren gehen. Doch die rauhe Natur der Umgebung reizt nicht jeden. Wer hierher fährt, kommt vor allem wegen des Hotels und des Meeres.

          Mediterrane Zutaten

          Daher gönnen sich die meisten Menschen früher oder später eine Massage unter freiem Himmel mit Blick auf die Wellenkämme. Die Sani-Spas verwöhnen mit Apivita-Produkten, einer traditionsreichen griechischen Aromatherapie-Linie, die nur aus mediterranen Zutaten besteht, hauptsächlich auf der Basis von Olivenöl und Honig. Highlights: Eine Gesichtscreme für Herren mit Rotwein-Extrakten und das bereits erwähnte Shampoo „Honey and Cereals“ aus der Propoline Haarpflegeserie. Es gibt ein besseres Souvenir ab als jedes andere Mitbringsel aus einem der Touristenshops - zumal ein Großteil der Apivita-Serie in Deutschland bislang nicht erhältlich ist. Die Behandlungen sind trotz der hochwertigen Pflege erschwinglich - eine dreiteilige Behandlung mit Hydrotherapie-Reinigungs-Bad, Massage und Gesichtsbehandlung kostet 50 Euro.

          Also, einfach im Schatten liegen bleiben, die weichen Hände auf dem Rücken kreisen lassen und den Blick über dieses bezaubernde Fleckchen Erde streifen lassen, über das Erhardt Kästner schrieb: „Was in diesem Land gelebt und geglaubt, gedacht, gedichtet und geformt worden ist, das hat sich auf Täler und Höhen niedergelassen wie himmlischer Tau.“ Sicherlich duftete auch der nach griechischem Honig.

          Der Weg nach Chalkidiki:

          Das Sani Resort ist vom 20. April 2006 an wieder für die Sommersaison geöffnet. Das „Sani Gourmet Festival“ mit internationalen Spitzenköchen findet erstmals vom 5. bis 7. Mai statt. Weitere Informationen unter www.Saniresort.gr

          Unterkunft: In den beiden 4-Sterne-Häusern des Sani-Resorts, dem Sani Beach Club oder Hotel, kostet die Nacht ab 64 Euro. Die Übernachtung im Spa-Hotel Porto Sani Village ist ab 108 Euro zu buchen. Eine Juniorsuite des 5-Sterne-Hauses Asterias kann man ab 182 Euro beziehen. Alle Preise gelten für eine Nacht im Doppelzimmer inklusive Frühstücksbuffet.

          Anreise: Flüge von Frankfurt nach Thessaloniki bieten zum Beispiel die Fluggesellschaften Air-Berlin, HapagFly, Swiss, Olympic Airways und Lufthansa an.

          Das Sani-Resort ist buchbar über: Airtours, TUI, Designreisen, The Mediterranean Experience, Prestige Resorts, Thomas Cook oder direkt unter Telefon 030/2374099500.

          Reiseführer Chalkidiki: „Chalkidiki & Thessaloniki“, erschienen im Dumont-Verlag, 12 Euro. „Chalkidiki“, erschienen bei Marco Polo, 7,95 Euro.

          Weitere Themen

          Touristenboom auf Kosten der Natur? Video-Seite öffnen

          Grönland : Touristenboom auf Kosten der Natur?

          Mit seiner wilden Natur und der unberührten Landschaft lockt Grönland immer mehr Touristen an. In den Regionen im Osten freuen sich zwar viele über die Entwicklung, doch sie fürchten auch Negativfolgen.

          Acht Rubens im Niemandsland

          Spanien : Acht Rubens im Niemandsland

          Die Hochebene der kastilischen Provinz Soria ist ein Paradebeispiel für das „leere Spanien“. Doch sie hält einige Überraschungen bereit.

          Topmeldungen

          Verteidiger des Präsidenten : Hemdsärmlig für Trump

          Bei den Anhörungen wegen der Ukraine-Affäre tritt der republikanische Abgeordnete Jim Jordan ins Rampenlicht. Der ehemalige Profi-Ringer soll die Verteidigungsstrategie von Donald Trump transportieren – wohl auch stilistisch.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.