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Carrera-Bahn im Urlaub : Reifenglühn

Carrera-Rennbahn als Hotel-Attraktion Bild: Gerhard Berger

Männer können bei schlechtem Wetter in Urlaubshotels unausstehlich werden. Gut, wenn da familienfreundliche Alternativen geboten werden, etwa eine riesige Carrera-Rennbahn ganz ohne Boxenluder.

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          Der Bergsommer meint es auch mit Tirol in diesen Wochen nicht eben gut. Selbst das Mieminger Sonnenplateau, dreißig Kilometer westlich von Innsbruck gelegen, macht seinem Namen nicht mehr alle Ehre. Schöne Tage, die nicht von einem Gewitterschutt unterbrochen werden, sind selten. Doch wenn sich die wärmenden Strahlen tatsächlich einmal länger durch die Wolken hindurchgebrochen haben, die zuletzt regelmäßig am Gipfel der Hohen Munde hängenblieben, erwacht der 20.000 Quadratmeter große Garten des "Alpenresorts Schwarz" binnen Minuten: Zwischen den Kräutersträuchern, Apfel- und Birnenbäumen, Rosenhecken und Ringelblumenbeeten singen Vögel, brummen Hummeln und spazieren Gäste auf der Suche nach einer schattigen Liege umher.

          Doch neuerdings zieht es nicht mehr alle Urlauber, die in diesem Viersternehaus größtenteils aus Deutschland und der Schweiz kommen, hinaus ins Freie. Hauptsächlich die männliche Kundschaft hat in dem 1694 erbauten und seitdem immer wieder renovierten und erweiterten Herrenhaus eine Attraktion für sich entdeckt, die sie das "Gefühl für Zeit und Raum verlieren" läßt, wie es ein 43 Jahre alter Familienvater aus Köln ausdrückt. Im Erdgeschoß des 260-Betten-Betriebs, der sich selbst als eines der besten Wellnesshotels in Österreich betrachtet, erstreckt sich eine mehr als hundert Quadratmeter große Carrera-Rennbahn.

          Nur Boxenluder gibt es keine

          Schon kurz nach dem Frühstück verabreden sich Rennsportfreunde hier zum ersten Wettrennen des Tages, flitzen Autos im Maßstab 1:32 und 1:24 über die Kunststoffbahn mit ihren Schikanen und langgezogenen Kurven, driften Mini-Boliden von Ferrari, McLaren-Mercedes, Sauber und BMW über die Randstreifen. "Bei uns wird jeden Tag ein Formel-1-Grand-Prix ausgefahren", sagt der Hotelier Franz Pirktl, der überzeugt ist, mit diesem Unterhaltungsangebot im Wettlauf gegen die Konkurrenz einen Pluspunkt gesammelt zu haben.

          In seiner Heimat, die die größte Dichte an Wellnesshotels in Europa zu bieten habe, sei es wichtig, sich "von der breiten Masse abzuheben". Seiner Herberge des gehobenen Standards würden "die Schlitzpistenflitzer" einen neuen Kundenmarkt eröffnen: Pirktl rechnet mit Modellbauklubs, Oldtimerfreaks und Motorsportfans, die, statt wie an diesem Sonntag zum Hockenheimring zu fahren, ihren Saisonabschluß künftig in seinem Haus begehen könnten, wo er ihnen Wettbewerbe mit Qualifying, Zeittraining, Videoaufzeichnung und Magnum-Champagnerflasche für den Sieger bietet. Nur Boxenluder gebe es keine.

          Frauen ins Spa, Männer an die Rennbahn

          Daß sich die Investition lohnt, steht für Pirktl außer Frage. Schließlich gäben Frauen, die im Schwarz zu den Hauptnutzern eines zweistöckigen Spas mit Beautybereich zählen, im Urlaub vor allem Geld aus, wenn sie sich wohl fühlten und, was noch viel wichtiger sei, sie ihre Gatten und Kinder bestens versorgt wüßten.
          Woran, wenn man in die Gesichter der vielen großen und kleinen Rennfahrer blickt, kein Zweifel besteht.

          Hotel Schwarz, A-6414 Mieming, Telefon 0043/5264/52120, www.schwarz.at, ab 124 Euro, Formel-1-Arrangements ab August.

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