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Brüssels Königliche Gärten : Paola gießt die Blumen nicht

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Das Volk darf auch mal gucken - aber nur drei Wochen im Jahr: die Königlichen Gewächshäuser in Brüssel. Bild: Elsemarie Maletzke

Nur für drei Wochen im Jahr darf in Brüssel der gewöhnliche Mensch die Königlichen Gewächshäuser besuchen. Jetzt ist es wieder so weit.

          Die Königlichen Gewächshäuser in Brüssel sind ein kleines botanisches Versailles, Paläste aus Glas und Gusseisen für Palmen, Pomeranzen und Kamelien. Ihre gerippten Kuppeln mit den eisernen Knäufen erheben sich am Stadtrand auf der Domäne von Laeken zwischen akkurat geschnittenen, dunklen Heckenbürsten und rosa schäumenden japanischen Kirschbäumen. Im neunzehnten Jahrhundert stellten sie die größte zusammenhängende Glaslandschaft für Zierpflanzen auf dem Kontinent dar, ausschweifender als Kew Gardens, kühn konstruiert wie der Eiffelturm - der Traum eines belgischen Königs, der glaubte, sich alles leisten zu können.

          Das Schloss von Laeken, in dem das Kronprinzenpaar wohnt, liegt nebenan und ist durch Galerien mit den Gewächshäusern verbunden. In der vom Regen aufgeweichten Auffahrt zur Schlossterrasse steht ein Polizist in orangefarbenem Warnanzug. Es ist der erste Tag eines dreiwöchigen Ausnahmezustands, in dem hunderttausend Menschen erwartet werden. Das Volk darf die Königlichen Gewächshäuser besichtigen; nicht ausschwärmend, sondern von Kordeln und aufmerksamen Mützenträgern über einen Parcours von der Orangerie zum Wintergarten, Kongo-Gewächshaus, durch den Park zum Palmen-Pavillon, durch Geranien-Galerien und das Spiegel-Gewächshaus wieder zurück geleitet. Entschlossenen Freunden der Botanik gelingt dennoch hier und da ein Schritt vom Weg, um sich den rosa Glocken der Medinilla Ma-gnifica auf Augenhöhe zu nähern, die Nase in eine schwül duftende Engelstrompete zu stecken oder einmal eine leichte Hand auf Monstera deliciosa zu legen, ein Fensterblatt groß wie ein Elefantenohr - oder fast.

          Wie ein königliches Ufo

          Verbunden ist das mehr als vier Hektar große wundersame Ensemble durch ein Netz glasgedeckter Wege und Tunnel, in denen Geranien an Fäden die Wände hochgehen und das Dach voller Fuchsien hängt. Farn und Hortensien umbuschen den Aufgang zu einer verschlossenen Tür. In der Azaleen-Galerie lodern rosafarbene und rote Blütenschwaden; in einer moosigen Grotte wurde Diana mit ihren Hunden zwischen den Baumfarnen im Lauf versteinert.

          Palmen unter Eisen: Die belgischen Monarchen schufen sich in Brüssel ein tropisches Refugium.

          König Leopold II. hat diese Stadt aus Glas und Eisen in den siebziger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts von dem belgischen Architekten Alphonse Balart erbauen lassen. Ihre Linien und ihre Ornamentik, die grünen Streben und rosafarbenen Scheiben scheinen den Jugendstil vorwegzunehmen; die zentrale Rotunde mit der filigranen Krone auf dem Kuppeldach weist noch weiter in die Zukunft. Sie sieht aus wie ein royales Ufo, das auf sechsunddreißig gebogenen Stelzen zwischen den Hügeln im Park gelandet ist.

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