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Bremerhaven : Dubai an der Weser

  • -Aktualisiert am

Wir können auch Dubai sagen: Das „Atlantic Hotel Sail City” in Bremerhaven Bild: obs

Bremerhaven baut sich eine neue touristische Mitte am Wasser - und wächst auch sonst über sich hinaus. Das neue Hotel sieht aus wie der kleine Bruder des „Burj al Arab“ in Dubai City. Der private Investor ist allerdings in Bremen mit einer ähnlichen Idee baden gegangen.

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          Die alte Dame sitzt auf der grünen Holzbank neben der Strandhalle, wo man um diese Uhrzeit Marzipantorte und Kännchenkaffee bestellt. Auf der Holzbank, die so schön windgeschützt hinter dem Backsteinkiosk steht, dass man früh losgehen muss, will man noch einen Sitzplatz ergattern. Eine Hand am Gehstock, die Schlepper im Blick. Und die Fähre, die hinter der Geestemündung die Weser nach Blexen quert und die sie schon oft genommen hat, um in der Sonne in Niedersachsen ein Erdbeereis mit Sahne zu essen. Ein paar Kilometer weiter nördlich ist sie aufgewachsen, in Imsum, damals ein Dorf im Kaiserreich. Heute, fünf Deutschland später, legen ganz in der Nähe Schiffe wie die „Emma Mærsk“ an, in deren Zigtausenden Containern die halbe Welt unterkommt. Und hier am Deich, auf der anderen Seite des Backsteinkiosks, wird plötzlich gebaut. „Wissen Sie, das passt hier alles nicht so her“, sagt sie und wippt mit den Fußspitzen. „Da haben wir ja gar nicht das Hinterland für.“

          Man lässt den Blick jetzt nicht mehr nur über die Weser schweifen, die sich hier langsam zum Meer weitet, sondern schaut oft nach oben. Man schaut mit erhobenen Augenbrauen, gerunzelter Stirn, den Augen eines Kindes. Guck mal, wie hoch! Man zeigt mit dem Finger, diskutiert, was man aus der Zeitung erfahren hat, was man schlecht findet und was gut, und dreht sich im Weggehen noch einmal ungläubig um. „Wir Bremerhavener sind immer erst mal skeptisch“, sagt die alte Dame. Genauso war es mit dem Columbus Center gewesen, das der Stadt in den siebziger Jahren eine weltläufige Skyline aufgezwungen hatte. Oder als die Amerikaner kamen, nach dem Krieg. „Damals haben auch alle geschimpft, und als sie dann abzogen, waren die Leute untröstlich.“

          Aufgeblasenes Segel oder anmaßende Kopie

          78 Meter weiter oben, auf der Kommandobrücke des neuen „Atlantic Hotel Sail City“, pfeift der Wind durch die Metallstreben. Beugt man sich über die Reling und schaut nach unten, dann sieht man, wie hoch hinaus Bremerhaven in diesen Tagen will. Am Alten Hafen, wo die Stadt 1827 gegründet wurde, stehen die Baukräne. Ein neues touristisches Zentrum entsteht, im Dreieck zwischen Deutschem Schifffahrtsmuseum, Zoo am Meer und Deutschem Auswandererhaus. Mitten drin das Viersternehotel, mit seinen 120 Zimmern und neun Büroetagen, das an das rund 200 Meter höhere „Burj al Arab“ in Dubai City erinnert. Ein aufgeblasenes Segel, sagt der Architekt. Andere halten es für eine anmaßende Kopie. Jedenfalls ist es das höchste Gebäude weit und breit, zumindest wenn man den Mast mitzählt, dann ist es 147 Meter hoch.

          Schaut man auf flussabgewandter Seite hinunter, liegt dort das Stahlgerippe des „Klimahauses 8º Ost“, das im März nächsten Jahres eröffnen wird. Dem achten Längengrad folgend, werden Besucher hier um die Welt wandern, durch die Hitze der Sahelzone, die eisigen Winde der Antarktis oder die feuchtwarme Südsee. Und danach auf einen Espresso am Mittelmeer vorbeischauen, gleich nebenan, unter der Glaskuppel des neuen Einkaufszentrums Mediterraneo. So stellt es sich zumindest der private Investor vor, der hier auf 9000 Quadratmetern eine Konsumhalle mit Erlebniszwang baut. Petersdom und Zypressen an der Waterkant, hübsch. Ob man in Livorno auch auf die Idee käme, sich die Nordsee ins Stadtzentrum zu verpflanzen, oder ist man sich da selbst genug?

          Eine Light-Version in Bremerhaven

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