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Berner Oberland : Ein Mysterien-Park für jedes Wetter

  • -Aktualisiert am

Der Mystery Park aus der Außerirdischenperspektive. Bild: Archiv

Wer in Interlaken steht und nach Süden schaut, sieht außer Eiger, Mönch und Jungfrau jetzt auch andere, künstliche Erhebungen: einen Turm, dessen runde Kuppel einem Ufo gleicht, eine Cheops-Pyramide und einen Maya-Tempel.

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          Einige Schweizer leiden unter Entzugserscheinungen, seitdem die Landesausstellung Expo im Herbst 2002 ihre Tore schloß, die künstliche Wolke in Yverdon also nicht mehr regnet und der Monolith von Jean Nouvel nicht mehr wie ein Traumgebilde auf dem Murtensee schwimmt. Doch es gibt ein neues Ereignis - dieses Mal nicht im Schweizer Flachland, sondern im Berner Oberland, einer Region, die eigentlich keine zusätzliche touristische Attraktion brauchte. Denn wer in Interlaken steht und nach Süden schaut, den schlagen die Viertausender Eiger, Mönch und Jungfrau in ihren Bann. Doch nun gibt es vor diesen Berner Riesen andere, künstliche Erhebungen: einen Turm, dessen runde Kuppel einem Ufo gleicht, eine Cheops-Pyramide und einen Maya-Tempel. Das sind die Wahrzeichen des "Mystery Park", der jetzt auf einem ehemaligen Militärflugplatz bei Interlaken und praktischerweise direkt neben der Autobahn eröffnet wurde. Wenn die Berner Gipfel also demnächst wegen Regens nicht zu sehen oder die Skipisten vereist sind, dann können Touristen hier über Megalithen staunen, Filme über Pyramiden anschauen oder Multivideoswhows über ungelöste Rätsel dieser Welt betrachten.

          Däniken erklärt die Rätsel der Welt

          Initiator dieses ungewöhnlichen und allwettertauglichen Erlebnisparks ist der Schweizer Schriftsteller Erich von Däniken. Anstatt ein weiteres Buch - es wäre die Nummer neunundzwanzig - über sein Lieblingsthema zu schreiben - die Besuche von Außerirdischen - wollte er sich dieses Mal mehr mit irdischen Besuchern befassen. Er bietet ihnen ein rätselvolles Erlebnis und hofft zusammen mit zwölftausend Kleinaktionären der Mystery Park AG auf ein gutes Geschäft. Der Eintritt kostet 32 Euro, was ein stolzer Preis ist für das Gebotene. Däniken profitiert nicht nur als Aktionär, seine Stiftung "Die großen Rätsel dieser Welt" ist auch Lizenzgeberin des Parks.

          Wegen seines Wahrzeichens könnte man denken, der Mystery Park sei ein Ufo-Ausstellungsgelände oder eine Ansammlung esoterischer Ideen. Doch Däniken, der außerhalb seiner Fan-Gemeinde als liebenswerter Spinner abgetan wird, hat seine Phantastie gebändigt. Er will die Menschen staunen machen und nicht nur mit seiner Phantasterei abspeisen. Dies gelingt ihm ganz gut, auch wenn einiges im Park etwas kitschig arrangiert ist und arg pädagogisch wirkt. Doch der 68 Jahre alte Däniken ist wie ein großer Junge, und seine stets begeisterte Stimme begleitet die Besucher im tragbaren Tonbandgerät. Während bei den Megalithen und der Stonehenge-Geschichte mit Lasereffekten und künstlichem Nebel gearbeitet wird, gibt es zum Nazca-Rätsel in Peru auf einer Riesenleinwand einen wunderbaren Dokumentarfilm, der ohne viele Worte die These Dänikens zu illustrieren versucht, daß die Nazca-Linien Landebahnen von Außerirdischen sein könnten.

          Pyramide mit Bierbar

          Weil der Mystery Park möglichst überall mystisch sein will, gleicht die Anlage einem Kreis, dem Sinnbild der Ewigkeit. Es gibt auch nicht acht oder neun Themen-Pavillons, sondern natürlich sieben, damit die Zahl symbolträchtig ist. Die Pavillons sind verbunden durch gläserne Gänge, die einen herrlichen Blick auf die Berge ringsum ermöglichen. Im Sommer können die Seitenwände hochgezogen werden, so daß man sich mitten in der Natur wähnt. Trotz aller Mysterien kommt der Kommerz im Park nicht zu kurz: Die Sponsoren verkaufen alles, was die Schweiz an Souvenirs bietet. Damit das Geschäftliche nicht allzu aufdringlich wirkt, wurde zum Beispiel eine Bier-Bar wie eine Pyramide gestaltet.

          Doch warum gerade in Interlaken? Das ist Zufall. Däniken, der aus Schaffhausen stammt, wohnt seit zehn Jahren in Beatenberg am Thuner See. Er bestreitet, daß die Idee für den Park eine touristische war. Das Berner Oberland scheint indes mit seinem Gruppen-Tourismus aus Asien und Amerika wie geschaffen für solch ein Projekt zu sein. Demnächst gibt es auch einen Bahnanschluß, damit man von Interlaken aus nicht nur hinauf zum 3500 Meter hohen Jungfrau-Joch fahren kann, sondern auch zum Mystery Park. Däniken sagt, die Idee für seinen Erlebnis- und Bildungspark habe er schon vor zwanzig Jahren gehabt. Doch nur im Berner Oberland habe es das nötige Engagement für das Projekt gegeben, das umgerechnet 56 Millionen Euro gekostet hat. Tatsächlich wurde in der übrigen Schweiz während der Bauphase etwas geschmunzelt über das Projekt, doch nun sind nicht allein die Berner stolz auf diesen ungewöhnlichen Erlebnispark. KONRAD MRUSEK

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