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Balkan : Montenegro - seltene Vielfalt

  • -Aktualisiert am

Montenegro: Freudenfeier nach dem Referendum Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Mit der neuen staatlichen Souveränität Montenegros öffnen sich auch für den Reisenden neue Entdeckungen: Denn das kleine Land bietet mit schneebedeckten Bergen und mediterranem Flair eine seltene landschaftliche Vielfalt und balkanische Herzlichkeit.

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          Es war ein großes Brüderwerk: Die Eisenbahnstrecke von Belgrad nach Podgorica verband die Hauptstadt Jugoslawiens über die unwegsamen „schwarzen Berge“ und den berückend schönen Skutarisee hinweg mit der größten Stadt des kleinen, aber wichtigen Montenegro. Mit der soeben erfolgten Loslösung von Serbien gewinnt das Land, das nicht mehr als sechshundertfünfzigtausend Einwohner zählt, volle staatliche Souveränität. Eine knappe Mehrheit der Bürger hält die Chancen für größer als die Risiken, die mit der Eigenständigkeit verbunden sind. In den vergangenen Jahren war in Montenegro oft zu hören, daß man für das schlechte Ansehen Serbiens mitleiden müsse, ohne dafür verantwortlich zu sein.

          Eine völlig neue historische Erfahrung ist die Souveränität für Montenegro indessen nicht, denn das Fürstentum Montenegro wurde nach dem russisch-osmanischen Konflikt auf dem Berliner Kongreß von 1878 als souveräner Staat anerkannt. Die Hauptstadt Montenegros war zu jener Zeit Cetinje - Symbol ebenso für die osmanische Besatzung wie für den Widerstand der Fürsten von Montenegro. Ein letztes Mal verwüsteten die Türken im Jahr 1785 die Stadt, die 1792 wieder aufgebaut wurde. Cetinje liegt auf einer Hochebene und wirkt heute, als habe es in einem Dornröschenschlaf gelegen.

          Eine mittelmeerische Welt

          Überall stößt man auf die Vergangenheit einer Residenzstadt en miniature, die sich nicht zu Unrecht viel auf ihre Kultur- und Bildungsinstitutionen zugute hielt. Die Zentralbibliothek, das Nationalmuseum, aber auch das Krankenhaus und die Botschaftsresidenzen legen Zeugnis ab, wie wenig hinterwäldlerisch die Hauptstadt Montenegros war. Tatsächlich erlebte das Land in den Jahrzehnten bis zum Ersten Weltkrieg einen kulturellen und technischen Aufschwung.

          Die Diplomaten werden aber wohl kaum wieder dorthin ziehen, sondern allein schon wegen der besseren Verkehrsanbindung in Podgorica, dem früheren Titograd, residieren. Mit dem Referendum ist nun politisch nicht nur der letzte Rest Tito-Jugoslawiens verschwunden. Vielmehr ist mit dem neuen Montenegro auch für den Reisenden etwas Neues entstanden. Montenegro, das bereits den Euro als Währung besitzt, wird durch die jüngste Entscheidung deutlicher denn je ein europäisches Land.

          Herausgetreten aus dem Schatten der jüngsten Geschichte, wird Montenegro in seiner Eigenart sichtbar. Die natürlichen Gegebenheiten sind noch so, wie sie der Jugoslawien-Tourist von früher kennt, und insofern wird der Reisende dort Wieder- und Neuentdeckungen zugleich machen können. Auf kleinstem Raum bietet das Land von der Adria bis zu den schneebedeckten Bergen eine seltene landschaftliche Vielfalt. Und unter den geschmolzenen Eisplatten des Blocksystems, in dem auch die sogenannten „Blockfreien“ steckten, kommt nun wieder eine mittelmeerische Welt zum Vorschein, die italienisches Flair und balkanische Herzlichkeit miteinander verbindet.

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