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Auf Verdis Spuren : Das allergrößte italienische Seelengenie

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Hier wird nicht geschnarcht! Die Casa di Riposo, ein Altersheim für Musiker, ist Giuseppe Verdis Vermächtnis. Bild: Franz Lerchenmüller

Zweihundert Jahre nach Giuseppe Verdis Geburt stößt man in seiner Heimat auf viele Spuren seines Lebens. Und die Menschen erzählen nur allzu gern, was sie von ihrem Nationalhelden halten.

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          Der „Club der 27“ war wieder am Werk. Wieder haben Nabucco, Ernani, Il Trovatore und die anderen in dem schlichten weißen Stübchen schweigend ihres Meisters gedacht und dann, wie immer, einen Strauß künstlicher roter Rosen auf den Strohsäcken des Bettes hinterlassen. Die Enthusiasten aus Parma gehören zu den Treuesten der Treuen: Jeder der 27 Männer trägt den Namen einer der 27 Opern von Giuseppe Verdi und vermag detailliert Auskunft über alle Hintergründe von der Entstehungs- bis zur Rezeptionsgeschichte zu geben. Neuaufnahmen im Club gibt es deshalb nur, wenn ein Mitglied stirbt.

          Hier, in der Casa Natale in El Roncole, sind die Herren sozusagen zurückgekehrt an den Punkt, an dem alles begann. Gerade eben wurde das gedrungene, rosafarbene Gasthaus, in dem Verdis Eltern Saatgut verkauften und durchreisende Händler beherbergten, noch einmal restauriert und frisch verputzt. Auf den neuen, alten Holztischen stehen Kerzenleuchter, Teller und ein Laib Brot. Und durch den kleinen Kamin im elterlichen Schlafzimmer pfeift immer noch der Wind - so wie an jenem 9. oder 10. Oktober 1813 vermutlich, als Sohn Josef, später Giuseppe, hier zur Welt kam. In dem Kirchlein, das man durchs Fenster sieht, durfte der Junge an der Orgel sein musikalisches Talent erproben. Mit neun Jahren kam er dann ins nahe Busseto und besuchte dort das Gymnasium.

          Präsent wie kein anderer Musiker

          Spuren von Verdi entdeckt man viele in der Po-Ebene: Wohnungen, Denkmäler, Museen, Theater. In Mantua erinnert eine Statue an den Narren Rigoletto, in Parma lassen sich im Museo dell’Opera historische Aufnahmen vergleichen. Und in den Schaufenstern von Bäckereien und Cafés muss der „Schwan von Busseto“ sein markiges Profil für Kekse, Früchtekuchen und Pralinen hinhalten. Viel eher aber erstaunt, wie lebendig der Komponist im Bewusstsein der Menschen geblieben ist. „Als ich damals meine Wohnung bezog, hörte ich als Erstes eine alte Dame, die eine Verdi-Arie sang“, erzählt der Deutsche Gaspar Borchardt, der sich vor 30 Jahren als Geigenbauer in Cremona niederließ. „Auf dem Domplatz kam ein Betrunkener vorbei und sang. Die Maurer, die ein Haus bauten - sie sangen. Und ich dachte: Mensch, das ist tatsächlich das Land der Musik.“

          Heute singen sie weniger. Aber Verdi ist im öffentlichen Gedächtnis immer noch präsent wie kein anderer Musiker - vor allem natürlich im Jahr seines zweihundertsten Geburtstages. Ob Krankenschwester, Schaffner, Anwältin oder Kellner - fast jeder hat eine Meinung zu Verdi. Und fast immer ist es dieselbe: Giuseppe Verdi ist unser nationales Genie. Er hat die italienische Seele verstanden wie kein Zweiter. Und er war einer der wichtigsten Vorkämpfer der italienischen Einheit. Mit seinen Liedern, heißt es, habe er mehr für die Einigung erreicht als Garibaldi mit seinen Schlachten. Ob es so war, darüber lässt sich streiten. Der Mythos jedenfalls lebt.

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