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Auf Verdis Spuren : Das allergrößte italienische Seelengenie

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Bietet eine musikalisch-politische Biographie in 21 Stationen: die Villa Pallavicino in Busseto

Den besten Überblick über sein Leben und sein Werk bietet das erst 2009 eröffnete Museo Nazionale Giuseppe Verdi in der Renaissancevilla Pallavicino in Busseto. Die hohen Räume sind mit goldgemusterten Wandbezügen ausgeschlagen und mit Gemälden, Kostümen und gemalten Theaterkulissen zurückhaltend dekoriert. Jeder ist einer oder mehreren Opern gewidmet, und beim Eintritt erklingen Arien und Chöre daraus. Per Audioguide erfährt der Besucher, auch in Deutsch, aus welcher Lebenssituation des Komponisten heraus sie entstanden sind, ob sie erfolgreich oder ein Desaster waren und inwieweit sie mit der Geschichte der Zensur, der Freiheitskämpfe und der Unabhängigkeitsbewegung verwoben waren - eine musikalisch-politische Biographie in 21 Stationen.

Wurstplatten auf Verdis Tisch

In Busseto nahm der Kaufmann Antonio Barezzi Verdi unter seine Fittiche. Der Junge wohnte in der heutigen Casa Barezzi und wagte sich an erste Kompositionen, die er später allerdings alle verbrannte. Das Klavier, an dem er nachspielte, was er sich dank seines absoluten Gehörs zuvor ausgedacht hatte, steht im prächtig restaurierten Salon. In den Räumen nebenan findet sich eine der umfangreichsten Sammlungen von Verdi-Devotionalien: Der Meister in Bildern. Der Meister in Karikaturen. Briefe des Meisters. Theaterplakate. Dirigentenstäbe. Noten. Riccardo Napolitano, Beamter a.D. und selbstverständlich glühender Bewunderer, hat zu jedem einzelnen Stück Anekdoten und Legenden beizutragen. Und wenn er am Ende vor den Schlagzeilen des „Corriere“ aus dem Februar 1901 schildert, wie Verdi knapp vier Wochen nach seiner Beisetzung auf dem Monumentalfriedhof von Mailand in die Krypta der Casa di Riposo überführt wurde, wobei 300000 Menschen die Straßen säumten und ein Chor von 833 Sängern unter Leitung von Toscanini das berühmte „Va pensiero“ aus „Nabucco“ intonierte, wirkt er so gerührt, als könne er immer noch kaum fassen, was er schon so viele Male erzählt hat.

Die Stadt Busseto und der Komponist Verdi - das war freilich alles andere als eine Liebesbeziehung. Die gute Gesellschaft verzieh ihm nie, dass er unverheiratet mit der Sängerin Giuseppina Strepponi zusammenlebte, die drei uneheliche Kinder hatte, die zudem nicht einmal bei ihr aufwuchsen. Aber er war nun einmal ein Weltstar, und dessen klangvollen Namen wollte man sich nicht entgehen lassen. 1868 eröffnete die Stadt das Teatro G. Verdi, eine Mailänder Scala im Kleinformat für 300 Zuschauer, mit vergoldetem Zierat aus Pappmaché, der Akustik wegen. Immerhin kaufte der große Sohn großzügig eine der Logen für damals kaum glaubliche 10000 Lire. Doch weder zur Premiere noch später ließ er sich jemals persönlich blicken. „Was soll ich hier in Busseto?“, schrieb er in einem seiner Briefe. „Hier versauere ich nur.“

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