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Arosa trotzt dem Klimawandel : Verzichten ist gar nicht so schwer

  • -Aktualisiert am

Auf dem Weg zum Gipfel Bild: AP

Die ersten Anzeichen des Klimawandels sind auch in den Schweizer Alpen nicht mehr zu übersehen. Aber den Wintersportort Arosa entmutigt das nicht. Mit innovativen Konzepten will er dem Klimawandel trotzen.

          Wird es jetzt ernst in den Alpen? Die Bergstürze während des Sommers, die alarmierenden Daten der jüngsten OECD-Klimastudie und der beängstigend warme Winteranfang lassen Schlimmes befürchten. Sogar die notorisch optimistischen Tourismusverwalter und Bergbahnbesitzer reden nun gelegentlich von Klimawandel, Gletscherschmelze und den Gefahren durch das Auftauen des Permafrostbodens. Die ökologischen Veränderungen, an denen auch die Infrastruktur fürs Skifahren Schuld trägt, bedrohen in vielen Orten die Existenz des alpinen Wintertourismus.

          Aber den weiteren Ausbau scheint das vorerst nicht zu stoppen. Nach dem Motto „Rette sich, wer kann“ konkurrieren die Wintersportorte mit immer mehr Schneekanonen und mit immer schnelleren und komfortableren Liften ums Publikum. Auch höher hinaus geht es und weiter hinein in unberührte Natur, dort, wo es geographisch möglich und gesetzlich noch erlaubt ist.

          Klimazertifikat statt Willkommenscocktail

          Arosa im Schweizer Kanton Graubünden will nun ein Zeichen setzen. Unter dem Leitmotiv „klimaneutrale Winterferien“ bietet der Ort in dieser Wintersaison zum ersten Mal Pauschalaufenthalte an, bei denen der Gast seinen urlaubsbedingten Kohlendioxidverbrauch ausgleichen lässt. Die Rechnung ist einfach: Die Länge der Anreise und das benutzte Verkehrsmittel, Hotelkategorie und Aktivitäten während der Ferien werden nach einer vorgegebenen Tabelle in CO2-Werte umgerechnet. Wer mit dem Auto anreist, verbraucht mehr als der Bahnfahrer, in einer einfachen Pension nutzt man weniger Energie als im Luxushotel mit Schwimmbad, Winterwanderer verhalten sich klimaneutraler als Skifahrer, die auf das aufwendige Liftsystem angewiesen sind.

          Der Gast macht die notwendigen Angaben, das Touristenbüro rechnet den individuellen Kohlendioxidverbrauch aus und kauft Zertifikate zum Ausgleichen der entsprechenden Menge. Dies geschieht in Zusammenarbeit mit einer Biogasanlage in Deutschland, die nach den Vorgaben des Kyoto-Protokolls Treibhausgase abbaut. Den Gast kostet dies nichts, Arosa Tourismus bezahlt die Zertifikate, ohne sie auf die Preise umzulegen. „Anderswo gibt es einen Willkommenscocktail“, sagt Tourismusdirektor Hans-Kaspar Schwarzenbach, „wir bieten unseren Gästen ein Extra für ihr Umweltgewissen.“

          Grenzüberschreitendes Projekt für „sanfte Mobilität“

          Den Klimawandel, das weiß man auch in Arosa, wird dies vorerst nicht stoppen. „Aber irgendwo müssen auch wir einmal anfangen“, sagt der Tourismusdirektor. Dass hinter der Idee auch ein Marketingkonzept steht, will er gar nicht verheimlichen. Ein großer Teil der Gäste - das haben Umfragen ergeben - möchte sich in den Ferien umweltbewusst verhalten, und dazu bekommen sie nun die Möglichkeit. Umweltschutz, so heißt es in Arosa, müsse nicht im Verzicht enden, die Zeit der Verbote sei vorbei. Es komme in Zukunft vielmehr darauf an, den Menschen ökologisch vernünftige Urlaubsangebote zu unterbreiten.

          Der klimaneutrale Urlaub wird auch anderswo diskutiert und könnte in den kommenden Jahren in den Alpen zur Selbstverständlichkeit werden. Siebzehn Gemeinden aus Deutschland, Frankreich, Italien, Österreich und der Schweiz, darunter Arosa, Berchtesgaden und Interlaken, haben sich unter dem Titel „Alpine Pearls“ zusammengeschlossen und der „sanften Mobilität“ verschrieben. Während das länderübergreifende, anfangs von der Europäischen Union geförderte Projekt die Diskussionsphase noch nicht überwunden hat, ist Arosa mit seinem klimaneutralen Winterurlaub jetzt vorgeprescht. Andere Gemeinden aus dem Kreis der „Alpine Pearls“ wollen in der kommenden Saison nachziehen.

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