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Arosa trotzt dem Klimawandel : Verzichten ist gar nicht so schwer

  • -Aktualisiert am

Ein weiteres Projekt, das für den kommenden Winter geplant ist, sorgt schon jetzt für Schlagzeilen: der Coaster. Es ist eine Art Monorail, deren Schienen auf Stelzen etwa drei Meter über dem Erdboden verlegt sind. Darauf laufen verglaste und geheizte Kabinen für sechs Personen, in die man an der Berg- und an der Talstation zusteigen kann wie in einen Lift. Die Konstruktion ist eine Weltneuheit, die erstmals in Arosa zum Einsatz kommen wird. Weil der Energieaufwand weitaus geringer ist als beim üblichen Lift - der abwärts fahrende Coaster erzeugt einen Teil seiner Energie für die Bergfahrt -, könnte das System auch anderswo eine Zukunft haben.

Fünfzehn Millionen Franken Investitionskosten

Ein weiterer Vorteil ist seine Schnelligkeit. Fünfzig Stundenkilometer sind geplant, der Coaster könnte aber bis zu achtzig Stundenkilometer erreichen. Bauen will die Bahn ein Hotel, dessen Gäste auf diese Weise zum nächsten Skilift befördert werden sollen. Allein das würde täglich hundert Fahrten eines Skibusses ersetzen. In Arosa kann man sich vorstellen, das neuartige Schienentaxi im gesamten Ort zu installieren. Die noch nicht ganz ausgereifte Technik und die hohen Investitionskosten verhindern das vorerst.

Wie in die betont umweltbewusste Haltung des Aroser Tourismus der entschiedene Wille zur Erweiterung des Skigebiets und zu einer Verbindung mit dem Skizentrum Lenzerheide passt, bleibt indes ein wenig rätselhaft. „Kein Widerspruch“, sagt Hans-Kaspar Schwarzenbach. Man müsse schließlich nur in einem benachbarten Hochtal zwei Lifte bauen, schon wäre die Anbindung an die Lenzerheide hergestellt und ein neues Superskigebiet in der Schweiz geboren. Fünfzehn Millionen Franken Investitionskosten und zwanzig Hektar neue Pistenfläche sind tatsächlich wenig, wenn man sie mit Erschließungsprojekten anderswo vergleicht. Aber es wäre dennoch ein Schritt zur Verbauung eines bislang unberührten Alpentales.

Ergebnis der Volksabstimmung nicht sicher

Muss das also sein? Ja, lautet die Antwort aus Arosa: Die Länge der theoretisch befahrbaren Pisten sei und bleibe ein entscheidendes Auswahlkriterium bei der Wahl des Urlaubsziels, auch wenn die meisten das große Angebot an Ort und Stelle dann gar nicht nutzten. Zwei erfolgreiche und finanziell gesunde Skigebiete sollten sich deshalb zusammentun, auf diese Weise ihr Angebot verbessern und damit einige der längst unrentablen und subventionierten Gebiete in der Schweiz ersetzen. Dass der Neubau an einer Stelle aber nicht automatisch die Schließung und den Rückbau anderswo zur Folge hat, dürfte jedem klar sein. Und damit sind wir wieder bei der Konkurrenz der Skiorte angelangt, die allesamt versuchen, ihren Hals aus der Klimaschlinge zu ziehen.

In Graubünden wird erst einmal die für dieses Jahr vorgesehene Volksabstimmung in der Lenzerheide abgewartet. Dort ist eine Zustimmung längst nicht sicher, weil man befürchtet, Besucher könnten das bessere Hotelangebot in Arosa nutzen und dann nur tagsüber zum Skifahren auf die vielseitigeren Pisten in der Lenzerheide kommen. Umweltschutz hin oder her - am Ende geht es dann doch immer ums Geschäft.

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