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Arosa trotzt dem Klimawandel : Verzichten ist gar nicht so schwer

  • -Aktualisiert am

Skifahrer und Wanderer treffen sich in Berghütten

Umweltprobleme kann der Augenschein in Arosa indes nicht entdecken. Vom Gipfel des 2653 Meter hohen Weißhorns aus erscheint die alpine Bergwelt noch vollkommen intakt - zumindest unter der winterlichen Schneedecke. Das Weißhorn ist einer der außergewöhnlichen Panoramaberge der Alpen, selbst nicht übermäßig hoch und dennoch ein perfekter Aussichtsturm. Man steht in der Mitte einer gewaltigen Alpenarena und hat einen vollkommenen Rundumblick auf verschneite Berge, Hänge und Täler, auf Gipfel, Spitzen, Felszacken und Hörner. Das Panorama umfasst im Norden den Säntis und die Churfirsten, im Westen die Berner Alpen, im Süden die Berninagruppe und im Osten die Silvretta. Außer den wenigen Aroser Liftanlagen sind weit und breit keinerlei Eingriffe des Menschen in die Natur zu sehen.

Dass sich auf diesem Gipfel Skifahrer und Wanderer treffen, ist auch eine Aroser Besonderheit: ein seltenes, aber schönes Bild. Denn Winterwandern ist hier keine Nische und kein Trend, sondern ein selbstverständlicher Teil des wintersportlichen Alltags. Die Hälfte aller Besucher kommt im Winter hauptsächlich zum Wandern nach Arosa, und dafür wird ihnen eine Menge geboten. Schon seit langem behandelt man sie nicht als Gäste zweiter Klasse, die in die Randlagen des Wintersportgeschehens abgedrängt werden. Vielmehr teilen sich Skifahrer und Winterwanderer dieselben baumfreien und sonnenbeschienenen Hänge am Weißhorn. Sie haben getrennte Wege und Pisten, die sich aber an einigen Stellen kreuzen und bei den Berghütten wieder zueinanderfinden.

Bahnhöfe im Bündner Bauernhausstil

Gemeinsame Ferien für Familien und Gruppen, in denen nicht jeder Ski fährt, stehen in Arosa deshalb nicht nur auf dem Papier. Man trifft sich in einer Hütte oder auf der Gipfelterrasse zum Mittagessen, und die Großeltern können beim Spaziergang die Enkel auf der Piste herumrutschen sehen. Und man versteht sich: Selbst an einigen heiklen Engstellen und Kreuzungen gibt es kein Geschrei und Gezänk, wenn Skifahrer und Snowboarder auf die Wanderer treffen, die allein oder in Pulks, manchmal auch mit Kinderwagen oder Hunden unterwegs sind.

Die vielen Wanderer sind nicht nur gut fürs Geschäft, sondern auch für die Umweltbilanz, die Tourismusdirektor Schwarzenbach nicht müde wird zu loben. So reist die Hälfte aller Gäste mit der Bahn an, weil die Verbindungen günstig sind. Der ICE aus Deutschland fährt ins nahe gelegene Chur, von dort hat man direkten Anschluss mit der Rhätischen Bahn nach Arosa. Im nächsten Jahr wird auch eine Anbindung mit dem TGV über Basel nach Paris eingerichtet. Die Trasse von Chur nach Arosa wurde schon bei ihrem Bau vor einem Jahrhundert ausgesprochen behutsam in die Landschaft gelegt, und selbst die Bahnhöfe passen sich in ihrem Bündner Bauernhausstil unauffällig in die Kulissen der winzigen Bergdörfer entlang der Strecke ein.

Weltneuheit Coaster geplant

In Arosa selbst liegen siebzig Prozent der Hotelbetten direkt am Ende einer Piste und eines Wanderweges. Der Stadtbus ist kostenlos und verkehrt während der Hauptsaison im Abstand von zehn Minuten. Man kann sein Auto also während des gesamten Urlaubs stehenlassen; das Nachtfahrverbot für Privatfahrzeuge tut allen gut und niemandem weh.

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