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Angelurlaub : Eine Sache mit Haken

  • -Aktualisiert am

Den Fisch beherzt an der Schwanzwurzel fassen

Aber was heißt eigentlich „entspannend“, wenn sich urplötzlich die Rute bis ins Handgelenk biegt, die Rolle jaulend Schnur freigibt und zwanzig Meter weiter ein tobender Fisch aus dem Wasser springt? Dann schießt Adrenalin schubweise durch die Adern. Dann erlebt man einen positiven Stress, wie ihn vermutlich schon unsere Vorfahren in der Steinzeit erlebt haben. Großer Lachs am Haken, aber ein dünnes Vorfach, also die Schnur vom Haken zur Hauptschnur, dazu Strömung und Stromschnellen, überall weißes, rauschendes Wasser: Jetzt muss man Ruhe bewahren. Falls der Lachs mit wilden Sprüngen in die Strömung zieht, schüttelt er - peng! - den Haken womöglich wieder ab. In solchen Momenten kann es passieren, dass selbst stocksteife schottische Lords sich in fluchende Naturburschen verwandeln.

Aber angenommen, der Haken hält, angenommen, der Lachs ist irgendwann müde und lässt sich ans Ufer bugsieren - genau dann sollte man einen guten Kescher dabeihaben. Oder man packt den Fisch beherzt an seiner relativ dünnen Schwanzwurzel und zieht ihn kopfüber aus dem Wasser. Diese Methode hat den zusätzlichen Vorteil, dass sie sehr gut aussieht (aber nur, wenn man sie beherrscht).

Uralte menschliche Fähigkeiten werden reaktiviert

Andere Fische sollte man lieber nicht mit der Hand landen. Der Flussbarsch beispielsweise gehört zu den sogenannten Stachelflossern, seine Rückenflossen sind mit pieksenden Stachelstrahlen ausgerüstet. Auch einem großen Hecht fasst man nur im Notfall hinter die Kiemen, es sei denn, man besitzt reichlich Erfahrung oder Heftpflaster. Andererseits zählen Hecht und Barsch in Deutschland zu den beliebtesten Angelfischen. Beide Räuber sind weit verbreitet, und sie lassen sich mit ganz verschiedenen Angelmethoden fangen.

Viel einfacher als das Flugangeln ist etwa das Spinnfischen: Dabei knüpft man an eine leichte Schnur relativ schwere Blinker oder Wobbler, die sich gut auswerfen lassen. Diese Kunstköder werden beispielsweise entlang einer Schilfkante spielerisch wieder herangekurbelt und bewegen sich dabei ähnlich wie ein kleiner Fisch. Immer gilt: Fische wollen überlistet werden, sie besitzen Abwehr- und Schutzmechanismen, und diese versucht der Angler mit verschiedenen Mitteln zu unterlaufen. So einfach ist das. Theoretisch. In der Praxis ist neben der Ausrüstung auch etwas Jagd- und Angelinstinkt sehr nützlich. Uralte menschliche Fähigkeiten werden am Fischwasser nach und nach reaktiviert. Angeln ist eine gesunde Mischung aus Ruhe, Erwartung und plötzlicher Aufregung.

Am Ufer eines grandiosen Lachsflusses

Es muss ja nicht immer Lachs am Polarkreis sein: Auch wer mit Freunden für ein Wochenende zum Hechtfischen an die Müritz fährt, kehrt am Montag entspannt an den Schreibtisch zurück. Nicht nur in den Vereinigten Staaten, auch in Skandinavien sind solche Ausflüge gang und gäbe: Bei den Amerikanern ist der gemeinsame Ausflug von Vater und Sohn eine Legende.

Die Schweden sind geradezu verrückt nach Forellen und Lachsen. Spinnfischen, Schleppangeln vom Boot, Flugangeln - schon in Südschweden warten erstklassige Reviere. Komfortable Jachten fahren zum sogenannten „Trolling“ auf die großen Seen, wie den Vänern- oder Vätternsee. Bekannt ist auch die lachsreiche Hanöbucht vor Karlshamn in der Ostsee, wo sogar schon fünfzigpfündige Riesenlachse beim Schleppen gefangen wurden. Gleich um die Ecke wartet die Mörrum, Schwedens berühmtester Lachsfluss. Hier sind nicht nur Fliegenfischer, sondern an bestimmten Strecken auch Spinnfischer zugelassen. Die Mörrum ist ein Tipp, den sich gerade Anfänger merken sollten: ausgezeichneter Fischbestand, herrliche Natur und alles nur zwei Autostunden von Trelleborg entfernt.

Zum Lake Creek in Alaska ist es schon etwas weiter: Neun Stunden Flug von Frankfurt nach Anchorage, dann eine Dreiviertelstunde mit dem Wasserflugzeug bis zur King Point Lodge, einer Ansammlung von Blockhäusern und Hütten am Ufer eines grandiosen Lachsflusses inmitten der phantastischen Natur. Jedes Jahr ziehen Unzählige von Rot-, Silber-, Buckel-, Königs- und Hundslachsen den Lake Creek und seine Nebengewässer hinauf. Hier fängt jeder etwas, ob nun mit Fliegen- oder Spinnrute. Natürlich hat das Abenteuer seinen Preis: 3000 bis 4000 Euro muss man investieren, um eine derartige Angelreise zu buchen. Denn selbstgefangener Fisch ist nie der billigste.

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