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Allgäu : Der Wanderer als Überflieger

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Ein Abenteuer mit ungewissem Ausgang ist das Ballontrekking nicht, denn im Allgäu geht so schnell niemand verloren - ein Nervenkitzel ist es aber schon. Bild: Lerchenmüller & Wosnitza

Das Oberallgäu kann man jetzt auf doppelte Weise erleben - erst schwebend, dann wandernd. Möglich macht das eine „Weltneuheit“: das Ballontrekking.

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          Zuerst ist alles grau in grau. Konturloses Grau nach oben, grenzenloses rundum und, am irritierendsten, bodenloses Grau nach unten, Hunderte Meter wattige feuchte Tiefe. Dass da ein Boden ist, weiß man nur, weil der Ballon dort eben abgehoben hat. Doch dann lichtet sich der Himmel, fünf Mann im Korb lassen den Schleier unter sich, und noch ehe sich das Auge an den plötzlichen weiten Blick gewöhnen kann, bricht die Sonne hinter dem Grünten hervor und lässt ein paar Wolkenschlieren und die fernen Bergketten aufschimmern wie gehämmertes Kupfer.

          Ein Ensemble aus Grasteppichen, Waldflecken und kleinen Dörfern breitet sich tief unten aus. Schräge Strahlenbündel tauchen die Silhouetten ferner Alleen in staubiges Licht und hüllen selbst Straßen und Stromleitungen in eine goldene Aura. Kein Zweifel, das ist die Toskana an einem späten Nachmittag. Das Bild senkrecht unter dem Korb, wo sich schwarzgrüne Tannenspitzen wie Scherenschnitte aus der zerwirbelnden und wieder zusammenballenden weißgrauen Masse schälen, entstammt einer Winterlandschaft in Japan. Auf der Palette von Grün schließlich - dem dunkel-verschlossenen der Waldstreifen, dem saftigen der Weiden, dem gelben frischgemähter Wiesen - sind alle Grüntöne philippinischer Reisfelder versammelt. Anmutungen aus der ganzen Welt, und doch ist das alles nur, weit und hügelig hingebreitet und gelassen in sich ruhend, das Allgäu. Eine verklärte Landschaft an einem frühen Spätsommermorgen. Es ist der Augenblick reinen Staunens, und selbst die alten Ballonhasen im Korb sperren wechselnd sprachlos Mund und Augen auf oder schwören wortreich, so etwas auch nach hundert Fahrten noch nicht gesehen zu haben.

          Ein roter Phönix

          Dann wird es Zeit für eine erste Orientierung: Im Nordosten breitet sich das schmale Handtuch des Niedersonthofner Sees über die Ebene. Im Südwesten reihen sich die Spitzen der Nagelfluhkette: Stuiben, Rindalphorn, Hochgrat und ein paar andere. Links davon, am Stadtrand von Immenstadt, schimmert wie eine offene Wunde der Bergsturz, der vor zwei Jahren ein paar Häuser, aber keine Menschen in Mitleidenschaft gezogen hat. Die schroffen, scharf konturierten Felsen dahinter, vor denen jetzt ein zweiter Ballon nach oben steigt wie ein roter Phoenix, sind die Gottesackerwände. Aus dem Tal des Großen Alpsees wälzt sich wie ein eisgrauer Gletscher der Nebel, aus dem der Ballon auf mittlerweile zweitausendvierhundert Meter Höhe gestiegen ist. Der Talwind wird ihn später Richtung Waltenhofen und Kempten treiben. Dieser Himmel wie Gold über einem Land wie ein Paradiesgarten ist der angemessene Rahmen für die Premiere einer "touristischen Weltneuheit", wie es ganz unbescheiden heißt: Hier im Oberallgäu findet heute das erste Ballontrekking aller Zeiten statt.

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