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Brandenburg : Nah am Wasser

  • -Aktualisiert am

Mit diesem Blick auf den Scharmützelsee gehen die Gäste im Sukhavati ins Bett. Bild: Arezu Weitholz

Die einen beenden hier ein Buch, andere finden Pflege, Erholung oder beginnen ihre letzte Reise. Das „Sukhavati“ in Bad Saarow ist ein besonderer Ort.

          Es ist so still, man kann sich atmen hören. Draußen am Scharmützelsee geht die Sonne unter. Überdeutlich ragen filigrane Äste in ein Panorama aus Blau, Grün, Rosa und Nachtschwarz. Im Erdgeschoss könnte man meinen, man bewohne sein eigenes Haus am See, weiter oben hat man ein Baumhausgefühl. Hier leben sie. Hier meditieren sie. Hier sterben sie, vielleicht.

          Das Wort „Sukhavati“ stammt aus dem Sanskrit und bedeutet „Ort des Wohlbefindens“. Hier bezeichnet es – ja, was eigentlich? Geschäftsführer Tobias Röder hat das gleiche Problem. Der Ort lässt sich nicht mit einem Satz erklären: „Ich sage dann immer, was wir machen.“ Und das ist allerhand. Man kann wie ein Urlauber ein Zimmer mieten – etwa, wenn einem ein Kloster zu einsam und ein Hotel zu anstrengend ist, wenn man keine Wellnessbehandlung braucht, dafür aber Ruhe und vielleicht Anschluss an eine Gemeinschaft sucht. Manche kommen allein, andere reisen mit pflegebedürftigen Angehörigen. Die Pflege-WG im Erdgeschoss hat sich auf MS, Parkinson und Beatmungspflege spezialisiert und versorgt je nach Kapazität zusätzlich Gäste. Manche bereiten sich nach einem Krankenhausaufenthalt auf den Alltag vor, andere verbringen hier die letzten Tage ihres Lebens. Es gab Pärchen, die gemeinsam kamen, als einer im Sterben lag, für sie gibt es Apartments mit extragroßem Wohnzimmer. Verlangt wird die Zimmermiete, die Kasse zahlt die Pflege je nach Pflegegrad und Tarif.

          Andere Gäste besuchen Seminare zum Thema „Spiritual Care“. Das klingt neu, ist es aber nicht. Seit jeher ist die spirituelle Begleitung, unabhängig von der Konfession, eine der vier Säulen klassischer Hospizarbeit. Im „Sukhavati“ basiert sie auf dem „Tibetischen Buch vom Leben und vom Sterben“. Doch das Haus betont seine Überkonfessionalität. Es gibt buddhistische, evangelische und katholische und auch konfessionslose Mitarbeiter. Sie bieten Praktiken, Sprüche, geleitete Meditationen. Im Preis inbegriffen sind die Gebete nach dem Tod.

          Es muss am Wasser liegen

          Alles begann 2008 mit einer großzügigen Spende an eine buddhistische Stiftung. Einzige Bedingung: Das Zentrum sollte in Deutschland und am Wasser gebaut werden. In Bad Saarow fand sich das ideale Grundstück. Neun Millionen Euro später steht hier nun das von Architekt Karl Hufnagel entworfene Gebäude. Es erinnert an „Bauhaus meets Odyssee im Weltraum“. Von oben sieht es aus wie ein auf der Seite liegendes C. Alle Fenster gehen zum See. Es gibt Tage der offenen Tür. Offene Meditationen. Ein Bistro mit biovegetarischer Speisekarte. Eröffnet wurde es am 4. Mai 2016, die zwei GmbHs sind gemeinnützig, was heißt: Alle Gewinne werden investiert. Bisher wurden vierzig Arbeitsplätze, teilweise in Teilzeit, geschaffen.

          Alle Fenster gehen zum See

          Wir gehen durchs Haus. An den Türen ein rotes Zeichen, es ist die Silbe HRIH. Wenn man sie ausspricht, nähert man sich dem Buddha, der für Sukhavati zuständig ist. Im Seminarraum findet demnächst ein „Deep Listening“-Seminar statt, und tibetisches Yoga, das man auch im Rollstuhl machen kann. Neben dem Zen-Garten im Erdgeschoss beginnt gleich die Mittagsmeditation. Frauen sitzen vor einem Buddha. Eine Schweizerin leitet die Meditation, die anderen Damen stammen aus Düsseldorf, Köln, Hamburg, eine aus Frankreich. In diesem Raum gab es einmal eine Aussegnung, die von einer Pfarrerin vorgenommen wurde.

          Ein bisschen Bauhaus, ein bisschen Skandinavien

          Außer den acht Bewohnern der Pflege-WG wohnen hier momentan 17 Personen in Apartments von 30 bis 60 Quadratmetern. Alle Räume haben Eichenparkett, Waschbetondecken, sie wirken modern, doch warm, ein bisschen Bauhaus, ein bisschen Skandinavien. Wer sich dauerhaft einmieten möchte, wird Teil der Gemeinschaft. Dafür gibt es ein Bewerbungsverfahren. Doch Bad Saarow ist nichts für jeden. So idyllisch es auch klingt, manchen ist es zu einsam. Sie fahren die „Autobahn der Freiheit“ wieder zurück nach Berlin, wo es Theater gibt – und Krach.

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