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Myanmar : Im Land der Drachenkinder

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Das Pagodenfeld von Kakku mit 250 Stupas Bild: F.A.Z.-Martin H. Petrich

Früher war die Heimat der Pa-O im Nordosten Myanmars Sperrgebiet. Heute hat die Volksgruppe den Tourismus für sich entdeckt. Die Menschen spannen noch immer Ochsen vor den Karren, aber die Ingwer-Ernte ist für den Export bestimmt.

          Wie der Abkömmling eines Drachens sieht Nang Saw eigentlich nicht gerade aus. Die zierliche junge Frau vom Volk der Pa-O trägt eine schwarze Bluse und einen dunklen Wickelrock. Auf ihrem Kopf hat sie sich schwungvoll ein rotes Handtuch zu einem Turban gebunden. Von ihrer Schulter baumelt leger eine fransige Umhängetasche, die fast bis zum Boden reicht.

          Schon am frühen Morgen ist sie mit ihrer Touristengruppe vom Bergort Taunggyi in Richtung Süden gestartet. Behäbig schaukelt der betagte Reisebus über die schlechte Straße, um sich bei jedem Schlagloch ruckartig zu verneigen. Gelegentlich kommt ächzend ein Ochsenkarren entgegen, während es vorbei an bunten Gemüse- und saftiggrünen Reisfeldern geht.

          Handtücher auf dem Kopf

          Routiniert und selbstbewußt erklärt Nang Saw die Besonderheiten ihrer Volksgruppe im Nordosten von Myanmar: „Eine Legende besagt, daß wir Pa-O von einer Drachenmutter abstammen. Deshalb tragen wir mit Vorliebe eine rote Kopfbedeckung und schwarze Kleider.“ Von diesem originellen Modegeschmack können sich die Gäste wenig später ein genaueres Bild machen, als sie im Dorf Ham Si einen Markt besuchen, der alle fünf Tage abgehalten wird.

          Mit Handtuch auf dem Kopf: eine Pa-O-Frau

          Dort wimmelt es nur so von Pa-O-Frauen mit lässig gewickelten Handtüchern auf dem Kopf - als kämen sie gerade von einer kollektiven Haarwäsche. Meist sind sie rot, aber auch mal grün oder blau. An den Ständen begutachten die Frauen billige Kleider aus China, testen kritisch das Gemüse oder schlürfen die würzige Nudelsuppe „Mohinga“. Die Männer sitzen auf niedrigen Hockern und ziehen genüßlich an ihren Cheroots - fingerdicken Zigarren, bei denen der Tabak in grüne, herzförmige Blätter eingewickelt ist. Diese stammen vom „Thanaq hpeq“- Baum, der vorwiegend hier oben im Shan-Staat wächst.

          Gelbblühende Nigersaat

          An den Anblick begeistert knipsender Touristen haben sich die Einheimischen längst gewöhnt. Denn seit einigen Jahren schon ist das Siedlungsgebiet der Pa-O zwischen Taunggyi und Inle-See für Ausländer zugänglich. Davor war es - wie heute noch viele Regionen Myanmars - Sperrgebiet. Ohne Sondergenehmigung durfte es nicht besucht werden. Bis 1991 hatte die „Pa-O National Organisation“ (PNO) noch einen zermürbenden Guerrillakrieg gegen die Militärjunta geführt. Wie andere Befreiungsorganisationen im unruhigen Shan-Staat auch, wollte sie die Unabhängigkeit mit Gewalt erreichen.

          Doch seit ihr pragmatischer Anführer U Aung Kham Hti mit den Generälen in Yangon einen Waffenstillstand geschlossen hat, geht es in der Region wirtschaftlich unübersehbar aufwärts. Manche Familien bearbeiten ihre fruchtbaren Felder sogar mit Traktoren - ein seltener Anblick in einem Land, in dem der Arbeitsalltag noch vorwiegend von Ochsenkarren geprägt wird. Die meisten Agrarprodukte sind für den Export bestimmt, allen voran Ingwer und die gelbblühende Nigersaat, deren Kern zur Gewinnung von Öl verwendet wird oder als Futter in Vogelkäfigen landet.

          Tourismus als Einnahmequelle

          Ende der neunziger Jahre entdeckten die Pa-O auch den Tourismus als lukrative Einnahmequelle. Als mit der wirtschaftlichen Öffnung des ehemaligen Birmas immer mehr Touristen an den nahegelegenen Inle-See reisten, baute die PNO mitten auf dem See mit den „Golden Island Cottages I und II“ zwei Urlauber-Resorts. Fast nur aus Holz und Bambus errichtet, wirken sie urgemütlich. Das Personal besteht aus jungen Leuten umliegender Dörfer, die zur Ausbildung in andere Hotels geschickt wurden.

          Offensichtlich mit Erfolg. „Professionalität und Geschäftssinn der Pa-O sind erstaunlich“, behauptet Laurent Kuenzle, erfahrener Leiter der Reiseagentur „Asian Trails“: „Der erwirtschaftete Gewinn landet nicht - wie so häufig - in den Taschen von wenigen, sondern kommt der breiten Bevölkerung zugute.“ Denn damit werden Brunnen, Krankenstationen und Schulen finanziert. So verwundert es nicht, daß der agile Schweizer besonders gern mit den Pa-O zusammenarbeitet. Für Naturfreunde bieten „Asian Trails“ ein- bis mehrtägige Trekkingtouren vom Inle-See in die weiter östlich gelegenen Berge an. Dies ist sicherlich die beste Art, das Leben der Pa-O kennenzulernen.

          Übernachtung im buddhistischen Kloster

          Die Gäste übernachten in privaten Hütten oder auch in buddhistischen Klöstern - zumal es hier keinerlei Pensionen gibt. Am wärmenden Feuer kommen sie mit den Bewohnern ins Gespräch. „Wer will, kann sich von einem Mönch in die Meditation einführen lassen und mit Bauern durch die Felder streifen“, erklärt Laurent Kuenzle. Oder einfach nur die traumhaft schöne Landschaft genießen. Denn unterwegs ergibt sich manch herrlicher Ausblick auf den Inle-See, der als bläuliche Oase zwischen den Höhenzügen schimmert.

          Ein architektonisches Juwel findet sich vierzig Kilometer südlich von Taunggyi: das Pagodenfeld von Kakku. Hier ragen über 2500 Stupas wie überdimensionale Nadeln in den Himmel - vor Jahrhunderten von Gläubigen errichtet zur Erinnerung an Buddhas Meditation im Wald. Nach Jahrzehnten des Verfalls wurden die meisten nun renoviert. Möglicherweise trifft man dort auch die charmante Reiseleiterin Nang Saw, wie sie genüßlich einen scharfen Papaya-Salat verzehrt und ein Auge auf das Schuhsammelsurium vor dem Eingang wirft. Denn da es sich hier um heiligen Boden handelt, dürfen ihre Touristen nur barfuß zwischen den Stupas umherstreifen. Auf die dort lauernden spitzen Steine und Dornen zu treten ist sicherlich die härteste Übung beim Besuch im Land der Drachenkinder.

          Anreise: Qatar Airways fliegen von Berlin, Frankfurt/Main und München über Doha nach Yangon. Thai Airways International fliegen von München und Frankfurt/Main über Bangkok nach Yangon. Preise ab 660 Euro inklusive Steuern.

          Einreise: Das Touristenvisum für einen bis zu vierwöchigen Aufenthalt wird von der „Embassy of the Union of Myanmar“, der Botschaft Myanmars, für 25 Euro ausgestellt. Kontakt: Thielallee 19, 14195 Berlin, Telefon 0 30/2 06 15 70.

          Pauschalreisen: Der Reiseveranstalter Dr. Tigges hat eine 18tägige Burma-Studienreise mit einem Tagestrip nach Kakku ab 2395 Euro in seinem Programm (Information unter Telefon 04 31/5 44 60 und www.drtigges.de).

          Trekking-Touren und klassische Rundreisen organisiert der Burma-Spezialist „Asian Trails“: 73 Pyay Road, Yangon, Myanmar, E-Mail: res@asiantrails.com.mm, www.asiantrails.info. Nähere Informationen zu den „Golden Island Cottages“ gibt es unter www.gicmyanmar.com.

          Literatur: Myanmar (Birma), Stefan-Loose-Travel-Handbücher, DuMont-Reiseverlag Ostfildern, 464 Seiten, 22,95 Euro.

          Weitere Informationen über Myanmar erteilt das Myanmar Tourist Office, c/o Indochina Services, Enzianstraße 4 a, 82319 Starnberg, Telefon 0 81 51/77 02 22, Fax 0 81 51/ 77 02 29, im Internet unter www.is-intl.com.

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