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Monaco : Von ganz oben betrachtet

  • -Aktualisiert am

Wer keine Zeit, aber viel Geld hat, der kann mit so einer Cessna Citation Latitude wegfliegen. Vorausgesetzt, er ist fractional owner bei Netjets. Bild: Oliver-Maria Schmitt

Ab wie vielen Kissen ist eine Yacht super? Wie viel Privatjet braucht man? Macht es jünger, wenn man schockgefroren wird? Antworten aus Monaco.

          7 Min.

          Ich hatte von der VG Wort, der Gema der Autoren, eine ordentliche Bonusausschüttung erhalten, nun wollte ich es mal krachen lassen. Fragwürdige Freunde hatten mir geraten, in See zu stechen. Auf einer Yacht. Da könne man ungestört schreiben, und falls das Wetter mal schlecht sei, schippere man ihm einfach davon. Das klang einleuchtend. Also flog ich nach Süden, zur Monaco-Yacht-Show, der jährlich größten Zusammenballung von Superyachten in Europa.

          Natürlich reist man zum Yachtkauf nicht per Zug oder Billigflieger an, ebenso wenig wie man, einer Lebensweisheit Max Goldts folgend, zur Herzverpflanzung mit dem Bus fährt. Fünfzehn Minuten vor Abflug checkte ich am kleinen Privatjetterminal des Frankfurter Flughafens ein und lief rüber zu meinem Düsenflieger.

          Heute müsse man kein eigenes Flugzeug mehr erwerben, erklärte mir ein freundlicher Herr im tadellos geschnittenen Anzug, während die nagelneue Cessna Citation Latitude zur Startbahn rollte. Seine Firma Netjets habe sich auf das fractional ownership spezialisiert: Man erwerbe lediglich ein Flugzeugteileigentum und hätte so mit einer Voranmeldezeit von nur zehn Stunden Zugriff auf hundert Maschinen in Europa und siebenhundert weltweit. Mit diesem efficiency tool könne man sämtliche hard-to-reach-places in kürzester Zeit erreichen. In Sekundenschnelle hob die Citation ab, ich sank tief in den schweren Clubsessel. Schon bald waren wir auf 45 000 Fuß, weit über dem Wetter, so hoch dürfen nur Privatflugzeuge und Militärmaschinen fliegen.

          Champagner!

          Ja, das sei mir bekannt, sagte ich, während ich mir Champagner einschenken ließ, denn auch ich hätte mich bereits seit Jahren erfolgreich aufs fractional ownership verlegt, und zwar beim Automobil. Da ich mir kein eigenes Fahrzeug leisten könne, sei ich seit Längerem im fractional car sharing aktiv, und dank des von mir entdeckten „Super-Saver-Spartarifs“ stünde mir praktisch jederzeit eine unübersehbar große Flotte von hard-to-get-cars der Klasse Ford Fiesta, Śkoda Citigo und VW Lupo zur Verfügung. Dass ich nun aber nach einer Yacht Ausschau hielte, begrüßte der Herr, denn der Kundenkreis der Yachtbesitzer sei mit dem der Privatjetkunden praktisch deckungsgleich.

          So sieht Monaco, wer mit dem Helikopter einschwebt. Nirgendwo sonst auf der Welt darf ein Mensch mehr Leben erwarten als hier: Fast 90 Jahre.

          In Nizza verabschiedeten wir uns am winzigen Privatjetterminal, im noch winzigeren Duty-Free-Bereich wartete bereits die Veuve-Cliquot-Spezialabfüllung „Rich“ auf eine Kundschaft, der Diskretion noch nie Ehrensache war, und ich schritt hinüber zum Helikopter. Nach sechs Minuten Flug wurde ich im Reich der nie versiegenden Champagnerströme abgesetzt, im Sehnsuchtsort aller Frauenzeitschriftenleserinnen: in Alberts und Charlènes Fürstentum Monaco.

          Geld alleine ist unglücklich, es fühlt sich nur wohl in Gesellschaft von noch mehr Geld. Dazu braucht es sichere Häfen. Monaco ist einer. Das Fürstentum hat sich heute fein gemacht, die Spätseptembersonne spielte noch mal Sommer, über alle Finanzplätze, in den Straßen und Monegassen wehte ein lindes Lüftchen, die Stimmung war gut. Armut war per Dekret verboten, bei Zuwiderhandlungen wurden hohe Bußgelder kassiert. Doch Geld ist wahrlich nicht alles. Viel wichtiger ist, was es dafür zu kaufen gibt.

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