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Moçambique : Die schlafwandelnde Insel

Moçambique hat 2800 Kilometer Küste und außerdem Inseln wie Benguerra, deren Ränder jeden Tag von den Gezeiten neu geschaffen werden. Bild: George Steinmetz/Agentur Focus

Benguerra im Bazaruto-Archipel vor der Küste Moçambiques ist von sirenenhafter Schönheit, im Wasser sollen Meerjungfrauen leben. Oder sind es doch nur Fische?

          7 Min.

          Sah das Meer je schöner aus als hier? War es je leiser? Leiser war es schon mal, denn der Lärm, den unser Hubschrauber machte, war höllisch, als wir aufstiegen vom Rollfeld in Vilankulo und über Kokospalmen auf einen Ozean zusteuerten, der aussah, als sei er dort nur hingemalt, ein Riesengemälde, ein abstraktes Aquarell, das von Blau zu Weiß verläuft, um schließlich türkis zu werden. Ein Meer, dessen Farbe und Form sich mit jeder Welle verändert - Ebbe und Flut malen hier, im Bazaruto-Archipel vor der Küste Moçambiques, die bizarrsten Linien in die östliche Abbruchkante des afrikanischen Kontinents.

          Barbara Liepert

          Verantwortlich für das Ressort „Reise“ in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Irgendwo da unten leben sie, die geheimnisvollen grauen Geschöpfe, die so mancher Seemann, gebeutelt vom Skorbut und der Tropensonne, für Meerjungfrauen gehalten hat. Auch Kolumbus notierte im Januar 1493 in seinem Logbuch, dass er in karibischen Gewässern, die er allerdings noch vor Indien vermutete, drei gesehen hat (und dass sie ihm nicht besonders schön vorkamen), ließ aber offen, was er vorher getrunken hatte. Historiker gehen davon aus, dass er Seekühe gesichtet hat. Dugong, wie diese Tiere vor der afrikanischen Küste genannt werden, kommt aus dem Malaiischen, es bedeutet „Frau aus dem Meer“. Hier soll es noch mehr als 250 geben, auch männliche Exemplare.

          „We often see them“, sagt der Pilot und deutet nach unten auf die dunklen Flecken im royalblauen Wasser: „Seegraswiesen, Hauptnahrungsmittel der Dugongs.“ Dann fragt er, ob es uns etwas ausmacht, wenn er noch schnell Eier im anderen Hotel vorbeibringe? „Mein Kollege, der zweite Pilot auf der Insel, der heute freihat, hat die gestern vergessen, und der Koch schimpft schon!“

          Am Ende der Safari

          „Gibt es denn keine Hühner auf der Insel?“ „Ich habe hier noch nie welche gesehen“, sagt der Pilot und setzt sanft auf dem Heliport des „Azura“ ab, wo der Kollege schnell 60 Eier vom Festland entlädt. Dann heben wir wieder ab und drehen zwei Runden über Rundhütten und trockene Buschlandschaft. Dann sind wir am Ziel, in der „Andbeyond Lodge“.

          Noch 250 Dugongs, Gabelschwanz-Seekühe, leben im Bazaruto-Archipel vor der Küste Moçambiques.
          Noch 250 Dugongs, Gabelschwanz-Seekühe, leben im Bazaruto-Archipel vor der Küste Moçambiques. : Bild: C. Schlamann

          Benguerra ist für viele Gäste der krönende Abschluss einer Safari im südlichen Afrika. Ein Badeurlaub im warmen Indischen Ozean, den man nicht vergisst, auch wenn man gerade eine unvergessliche Safari hinter sich hat. An ihren Riesenobjektiven, die sie auf Frangipaniblüten in der luftigen Lobby richten, erkennt man diese Art von Gästen. Am Dauerstrahlen die anderen: Honeymooner. Nachdem die Seychellen nach dem Bauboom der vergangenen Jahre als überlaufen gelten - die ersten Freunde von Freunden haben von den viel zu vielen Hotels und der fehlenden Einsamkeit berichtet -, sind neue Ziele in den Fokus der Trauminselreiseveranstalter gerückt, die mehr Einsamkeit versprechen: Neben den Quirimbas im Norden des Landes ist das vor allem der Bazaruto-Archipel, der von Johannesburg aus in weniger als zwei Flugstunden zu erreichen ist und aus fünf Inseln besteht. Die größte ist Bazaruto, und auch dort ist die Zahl der Betten übersichtlich: Die thailändische Anantara-Kette hat gerade das ehemalige „Indigo Bay Hotel“ übernommen und 44 Gästevillen geschaffen. Benguerra ist etwa halb so groß, zwei kleine Boutiquehotels empfangen hier betuchte Touristen, dazu kommen die drei noch kleineren Inseln Magaruque, Santa Carolina und Bangue.

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