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Deutschland : Ich weiß nicht, was soll es bedeuten

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Auf dem unteren Deck der „Königsbacher“ fühlt man sich inmitten von Chiffonvorhängen, tropfenförmigen Lampen und psychedelisch gemusterten Sitzmöbeln ein wenig wie in den guten alten Zeiten. Den Gästen aus dem Fernen Osten scheint das Interieur zu gefallen, die Smartphones und Tablets sind im Dauereinsatz. Einige bestellen eigens ein Paar Bockwürstchen mit Kartoffelsalat von der im Gegensatz zur Getränkeliste kargen Speisekarte, um ein echtes deutsches Gericht auf Instagram hochladen zu können. Ein Kontrastprogramm bietet das obere Deck, das ebenfalls über eine Bar verfügt: schwarze Loungemöbel, sonnengelbe Wände und Laminat-Boden - dreißig Jahre in die Zukunft über ein paar Treppenstufen.

Auf der zweieinhalbstündigen Fahrt von Rüdesheim nach Boppard hört man zumindest ab und an auch die eigene Muttersprache. So konstatiert ein älterer Fahrgast noch vor Abfahrt in kölschem Dialekt: „Dominikanische Republik oder so was, so weit muss ich nicht. Das interessiert mich alles nicht mehr. Ich will jetzt mal was von Deutschland sehen.“

Selfies mit Chorgesang

Dass eine Rheinschifffahrt den Status des Besonderen hat, zeigen auch die vielen Festgesellschaften an Bord. Man feiert auf dem Rhein runde Geburtstage oder Hochzeitstage und trinkt dazu reichlich guten Rheinwein. Vielen genügt die vorbeiziehende Landschaft als Unterhaltung indes nicht. Nur müßig aus dem Fenster zu schauen ist fast schon ein Minderheitenprogramm. Die Köln-Düsseldorfer bietet deswegen neben den klassischen Fahrten wie der Loreley-Tour auf dem Mittelrhein auch „Dinnerfahrten mit Sterneköchen“ an, für die man mindestens siebzig Euro zahlt. Wer gar nicht stillsitzen kann, sollte eine „Party- oder Eventfahrt“ in Betracht ziehen. Es gibt die „Mallorca Party“, die „Express Ü 30 Party“, die „80er/90er Party“ oder Auftritte von verschiedenen Chören und Comedy-Acts an Bord. Der Fluss wird hier vom Protagonisten der Rheinschifffahrt zur extravaganten Kulisse für ein Publikum, das sich an Clubs und großstädtischen Eventlocations sattgefeiert hat.

So war es nicht immer. Als der Engländer James Watt Junior - der erste Flusskreuzfahrer auf dem Rhein - 1817 mit seinem Dampfschiff bis nach Koblenz fuhr, war der siebtlängste Fluss Europas noch der unumstrittene Star. 1825 wurde die Dampfschiffahrtsgesellschaft von Rhein und Main in Mainz gegründet. Ein Jahr später entstand die Preußisch-Rheinische Dampfschiffahrtsgesellschaft in Köln, kurz PRDG. Das erste deutsche Dampfschiff auf dem Rhein war fünfundvierzig Meter lang, fünf Meter breit und konnte zweihundertdreißig Passagiere sowie knapp sechzig Tonnen Fracht befördern. Mit einer Leistung von siebzig PS dauerte die Fahrt zwischen Köln und Mainz hin und zurück drei Tage. Heute gibt es zahlreiche Unternehmen, besonders am Mittelrhein, die sich auf Tagesfahrten beschränken, etwa die Bingen-Rüdesheimer Fähr- und Schiffahrtsgesellschaft oder die Rheinschifffahrt Hölzenbein aus Koblenz. Die PRDG ist bis heute unter dem Namen Köln-Düsseldorfer Marktführer.

Kurz bevor wir die Loreley erreichen, wird das Heine-Gedicht in der Vertonung von Friedrich Silcher eingespielt. Die deutsche Flagge auf dem Loreley-Felsen flattert wild im Wind, während sich das Schiff unter traurigem Chorgesang behäbig um die Kurve schiebt. Den Deutschen ist so viel Heimatromantik beinahe unangenehm. Die Japaner hingegen sind begeistert und stellen ihre Selfiekameras in den Lautsprecher-Videomodus, damit man Heinrich Heines Verse auch noch mitbekommt. Ein Jammer nur, dass sie nicht auf Japanisch rezitiert werden.

Informationen: Die Köln-Düsseldorfer bietet zweieinhalbstündige Fahrten von Rüdesheim nach Boppard und zurück für 28,40 Euro pro Person an. Daneben gibt es viele weitere Touren und spezielle Arrangements. Weitere Informationen unter www.kd-rheinschiffahrt.de.

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