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Mit dem Arzt durch Vietnam : Die dreierlei Wege, klug zu handeln

Sieht gut aus, schmeckt vermutlich auch gut – dennoch würde Frau Doktor de Bary nicht vorbehaltlos zum Verzehr raten: Gemüsehändlerinnen auf dem Markt von Hoi An. Bild: Freddy Langer

Konfuzius ist nicht der schlechteste Begleiter auf einer Reise durch Vietnam. Aber was tun, wenn in den Altstadtgassen von Hanoi die Nase läuft oder in der Bucht von Halong der Magen grummelt? Mit ärztlicher Begleitung auf Tour in einem Land zwischen Tradition und Moderne.

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          Ein bisschen lag es auch an Frau de Bary, dass ich mich Kiet so bedingungslos anvertraut hatte. Frau Doktor de Bary, um genau zu sein, praktische Ärztin aus Wangen im Allgäu, dieser Tage allerdings in Vietnam aktiv. Sie saß im Hotel und würde auf meinen Anruf warten. Im Notfall. So war es verabredet. Es war ihre Formulierung gewesen, und ich fühlte mich gut aufgehoben in dem Wissen, dass sich jemand um mich kümmern würde, wenn meine Knochen demnächst gleichmäßig über die Straßen von Hanoi verteilt lägen. Andererseits hatte ich sie in dem Glauben gelassen, ich ginge nur spazieren. Aber am Ende gab es den Notfall dann ohnedies nicht, obwohl sich Kiet alle Mühe gab, ihn herbeizuführen.

          Freddy Langer

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das „Reiseblatt“.

          Wusch, knapp zwischen den Außenspiegeln zweier Autos hindurch. Zzzz, streiften wir den Anhänger eines Gemüselasters. Wommm, drückte er einem Träger die Bambusstange zur Seite, an deren Ende ein Eimer hing. Grrr, wühlte sich Kiet einen Weg durch die Heerschar der anderen Mopedfahrer, die mit angezogenen Bremsen und aufheulenden Motoren an der roten Ampel standen, um beim Wechsel zu Grün, den eine Anzeige im Sekundentakt herunterzählte, allesamt, und zwar nie weniger als hundert, den Gashebel noch weiter aufzureißen und synchron loszubrausen, fast so, als seien sie miteinander verkettet oder verschraubt. Nur Kiet schoss aus der Masse hervor, mal als ihr Anführer, mal um links abzubiegen - stets Sekundenbruchteile bevor der Gegenverkehr die Mitte der Kreuzung erreicht hatte. Und auch sonst legte er sich gern so tief in die Kurven, dass mir der ausgeborgte Helm nach allen Seiten rutschte, manchmal nach vorne. Was genau genommen gut war. Denn irgendwann wollte ich gar nicht mehr sehen, worauf ich mich eingelassen hatte.

          Der wahnsinnige Mopedtaxifahrer

          Mehr als zweieinhalb Millionen Mopeds und Motorroller sind in Hanoi registriert. Kiet, so kam es mir vor, hat sie im Laufe unseres Ausflugs allesamt überholt. Die mit den alten Männern am Lenker, die mit den jungen Mädchen, die lässig während der Fahrt telefonierten, die mit den vierköpfigen Familien, die eng gequetscht auf den Sätteln saßen, und jene, die beladen waren mit toten Schweinen, Bündeln von Wasserrohren oder Kleiderschränken. Seinen Namen diktierte mir Kiet später in den Block. Da war unsere Tour zu Ende. Unterwegs hatte ich ihn immer nur Evil Knievel genannt.

          Kiet ist Taxifahrer in Hanoi. Mopedtaxifahrer. Nicht ich hatte ihn mir ausgesucht, sondern er sich mich. „Where?“, hatte er mir vom Straßenrand aus zugerufen, als ich einen Moment lang gegenüber dem Eingang des Wasserpuppentheaters unschlüssig vor mich hin geschaut hatte. Wohin? Ich wusste es ja selbst nicht. Noch keine Stunde war ich in der Stadt. Noch bestand sie nur aus Rätseln. Zum Beispiel stellte sich die Frage, weshalb alle Frauen dicke Stiefel trugen und dünne Daunenjacken oder weshalb man den Kindern Mützen aufgesetzt hatte, wie sie sonst nur in Grönland getragen werden. Es sei doch Winter, sagte man mir. Niemand wolle sich eine Grippe einfangen oder verschnupft zur Arbeit gehen. Auf der Straße waren es zwanzig Grad.

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