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Grafschaft Kent mit Kindern : Wie die Stoffente ins Prunkgemach kommt

  • -Aktualisiert am

Dass diese Schlösser so viel Platz zum Fußballspielen bieten, ist ihr größter Triumph. Bild: Stefanie Bisping

Schlösser sind zum Fußballspielen da: Die Grafschaft Kent im Südosten Englands ist mit ihren Parks und Burgen ein einziger großer Kindervergnügungsort. Nur vor schwarzen Schwänen wird gewarnt.

          The only place for happiness“, so beschrieb die Schriftstellerin Jane Austen, die selbst aus Hampshire stammte, die Grafschaft Kent: der einzige Ort zum Glücklichsein. Das klingt verlockend. Wir wollen aber nicht nur unser Glück finden, sondern auch Gärten, Burgen und ein Schlossgespenst besuchen und so viel Zeit wie möglich im Freien verbringen, immer mit dem Fußball im Gepäck, dessen Gebrauch für unseren siebenjährigen Sohn lebensnotwendig ist. Und so führt uns unser erster Tag im Grünen ins Heim der Familie Churchill. Ihr Garten hat ungefähr die Größe unseres Heimatorts: ein von zwei Hügeln eingefasstes Tal, auf dessen Rasenflächen Familien picknicken und Ball spielen, große Leute in den blauen Himmel träumen und Kinder sich die Hänge hinabrollen lassen. Churchill kaufte das Anwesen Chartwell 1922 - ohne Absprache mit seiner Frau Clementine. Sie war entsetzt: Das Haus war zu teuer, es würde sie ruinieren.

          Tatsächlich mussten die Churchills, die hier mit ihren vier Kindern einzogen, es im Lauf der folgenden vierzig Jahre zweimal zum Verkauf anbieten. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg, in dem Churchill sich als Retter Englands, wenn nicht der Welt erwies, wurde der Staatsmann, der auch Literaturnobelpreisträger war, durch seine Bücher reich. Da hatte eine Gruppe seiner Freunde das Haus bereits gekauft und den Churchills lebenslanges Wohnrecht gewährt. So erzählt Chartwell heute von ehelichen Unstimmigkeiten, loyalen Freunden und den Freuden des Landlebens. Das auf einem der beiden Hügel gelegene Haus, in dem Harry Truman, Charlie Chaplin, die Queen Mother, Lawrence von Arabien und viele andere illustre Persönlichkeiten zu Gast waren, wirkt wie eine Momentaufnahme aus den dreißiger Jahren. In diesem Haus wohnte der Mann, dem es gelang, im Zweiten Krieg die Bösen, die in Deutschland alles an sich gerissen und die halbe Welt zerstört hatten, zu besiegen. Das findet das Kind gut, und so gelingt es, den Fußball im Rucksack zu verstauen und den Knaben ins Haus zu locken.

          Dort weckt eine Vitrine mit allerhand Hüten von militärischen Kopfbedeckungen bis zum Tropenhelm sein Interesse. Ein Glaskasten, in dem Orden, Medaillen und Ehrungen versammelt sind, verdient ebenso einen Blick wie die recht schönen Bilder, die Churchill malte. Dann treibt der Knabe die Eltern zur Eile an. Draußen wartet der Garten: Lady Churchills ummauerter Rosengarten mit versteckten Wegen und geheimen Ecken, und unterhalb davon der Park. In der Talsohle liegt ein See. Das Kind rennt den Hang hinab, läuft über die Brücke und den gegenüberliegenden Hügel hinauf, den Ball am Fuß. Dies ist der wildere Teil von Churchills Park. Auf der Wiese ist Unkraut zugelassen, an den Ästen alter Bäume hängen Schaukeln. In einem Bombenkrater ist ein Kletterpark angelegt.

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