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Urlaub mit Kindern : Keine Angst vorm bösen Wolf

  • -Aktualisiert am

Bild: Gisela Goppel

Canis lupus erobert Deutschland zurück. Wie er lebt und warum wir die stolzen Tiere dulden können, lernen Kinder im Wolfsurlaub.

          4 Min.

          Ein paar Förster und Jäger haben dichtgehalten und außerdem nicht geschossen. Im Sommer 1996 war das, da wurde in der Lausitz zuerst ein Wolf gesehen, zwei Jahre darauf ein Paar. Die Förster der Muskauer Heide entschieden, das geheim zu halten und die Ansiedlung zuzulassen. Im Sommer 2000 ist es da: das erste deutsche Wolfsrudel seit über einhundert Jahren.

          Heute leben etwa 70 in Deutschland. Die meisten in Brandenburg und Sachsen, neun in Niedersachsen. Ein einziges in Bayern, seit August erst, und schon redet der Agrarminister Helmut Brunner von einem Problem und fordert Abschussquoten.

          Die Angst vor den Wölfen hat Tradition. Rund 150 Jahre lang war Deutschland wolfsfrei, nicht zufällig, die stolzen Tiere wurden ausgerottet. In Westfalen steht ein Denkmal für den Gastwirt, der im Januar 1835 dort den letzten Wolf erschoss. Ähnliche Denkmäler, manchmal heißen sie „Wolfssäulen“, stehen an etlichen Stellen der Republik. Rotkäppchen ist nicht die einzige Deutsche, die ein Problem mit dem bösen Wolf hat, bis heute. Doch seit der Wende ist der Wolf in ganz Deutschland geschützt.

          Bloß ist das nicht in jedem Jägerkopf angekommen. Immer wieder kam es zu illegalen Abschüssen, bis heute. Erst im vergangenen Winter wurde ein Brandenburger Wolf von einem Unbekannten geköpft und gut sichtbar in einem Naturschutzgebiet am Oberspreewald abgelegt. Gerade erst wurde am Schluchsee im Hochschwarzwald ein Wolf geschossen, obwohl das verboten ist. Die Forensik untersucht gerade die Kugel, um den Jäger oder Wilderer zu stellen. Das Tier kam aus der Heide, war 700 Kilometer gewandert auf der Suche nach einem Partner.

          Mit dem Wolfsberater auf Wolfwanderung

          Das alles erklärt Kenny Kenner. Und seine Gäste, alle zwischen acht und elf Jahre alt, lauschen gebannt. Kenner sieht aus wie ein Förster, mit Gummistiefeln, wetterfester Kleidung und einem tiefbraunen, breitkrempigen Hut. Er ist aber „Wolfsberater“ des Landes Niedersachsen. Ein Ehrenamt. Eines, das man mit Verve erfüllen kann. Oft ist Kenner schon frühmorgens im Wald. „Mein Mann ist wieder auf Wolfswanderung“, sagt Barbara Kenner dann, sie leitet mit ihm seit 19 Jahren das gemeinsame Hotel. Ein hübsches, gemütliches Biohotel. Aber erst durch eine Besonderheit wurde es ein wenig berühmt: Wolfswochen für Kinder.

          An einer solchen nehmen wir gerade teil. Kenner steht still und aufmerksam auf einem der langen geraden Wege, die die Göhrde durchziehen, den größten Mischwald Norddeutschlands. „Der Wind steht günstig für uns“, erklärt Kenner. „Wäre das anders, würden die Tiere uns auf Hunderte Meter sofort wittern und fliehen. Der Wolf will mit dem Menschen nichts zu tun haben.“ Kenner schaut durch sein Fernglas. Es war aber nur ein Baumstumpf. Dass wir keine Wölfe sehen würden, war zu erwarten. Manchmal passiert es trotzdem. „Schade“, stöhnt mein Sohn. Aber sein Gesicht zeigt freudige Erregung. Er ist aufmerksam wie die anderen Kinder und stellt beim Weiterwandern immer neue Fragen. Kenner beantwortet alles geduldig, als redete mit Erwachsenen. Die wissen meist genauso wenig über den neuen wilden Vierbeiner.

          Die Wolfswoche im Hotel „Kenners Landlust“, die auch beim ambitionierten Kinderreisen-Veranstalter Vamos angeboten wird, ist nicht der einzige Wolfsurlaub, den es neuerdings im Lande gibt. Der Wildpark Schorfheide veranstaltet bei Vollmond Wolfsnächte. Dabei werden die Gäste zu den Wölfen im Gehege geführt und füttern diese sogar. Der Wildpark Lüneburger Heide bietet Wolfswanderungen und kooperiert mit einer Pension. Und im Wolfscenter in Dörverden an der Weser kann man in einem Baumhaus über den Wölfen der Gegend übernachten. Kenners Programm ist also nur ein Teil einer ganzen Welle touristischer Angebote, die das neue Interesse am Wolf bedienen, aber es ist vielleicht das aufregendste. Denn da stapft einer mit Leidenschaft durch den Wald.

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