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Hohe Tauern : Bis ans Ende der Welt

  • -Aktualisiert am

Zu Besuch bei der „weltalten Majestät“: Wanderer am Großvenediger. Bild: Herbert Raffalt

Von Gletschern, Geiern und Werbemaßnahmen für den Nationalpark Hohe Tauern: Mit dem Ranger Emanuel Egger ins Innergschlöß, den schönsten Talschluss der Ostalpen.

          7 Min.

          Emanuel Egger braucht weder Kompass noch Karte. Der Weg von den Almhäusern des Innergschlöß hinauf zum Salzboden und weiter zum Gletscherschliff des Schlatenkees ist er schon Hunderte Male gegangen. Er kennt jede Stufe im Fels und weiß, wo sich Steine lockern oder die Haken ausbrechen, mit denen die Stahlseile im Fels verankert sind. Er freut sich, wenn er Geier über den Eisfeldern kreisen sieht, und hält vor dem Auge Gottes inne: So heißt der winzige See, in dem eine von Wollgras bewachsene Insel dahintreibt. „Die Szenerie ist fast kitschig schön.“ Emanuel Eggers blaue Augen blitzen, ein Lachen zieht über sein Gesicht. Solche Landmarken kann man nicht oft genug sehen, davon ist er überzeugt. Jede Wanderung offenbart neue Eindrücke und Impressionen: weil kein Tag wie der andere ist, weil sich Licht und Himmel ständig verändern und weil Winde und Stürme die Wolken auf tausenderlei Arten über die Bergspitzen jagen.

          Emanuel Egger ist seit fast dreißig Jahren Ranger im Nationalpark Hohe Tauern, einem Landstrich in den höchsten Gipfelregionen von Tirol, Salzburg und Kärnten. Sein Steckbrief ist imposant: über tausendachthundert Quadratkilometer unter Schutz gestellte Natur, mit fünfzehn- bis zwanzigtausend Tierarten, dreieinhalbtausend verschiedenen Pflanzen und viertausend Pilzen. Dazu 342 Gletscher, 279 Bäche, sechsundzwanzig Wasserfälle, 551 Seen und dreihundert Dreitausender. Der Großglockner ist der höchste unter ihnen. Oder eben über ihnen. Emanuel Egger aber steht mit beiden Beinen am harten Boden der Gebirge. Ein kräftiger Händedruck, das wache Interesse für sein Gegenüber: ein Mann mit gewinnender Ausstrahlung.

          Seinen Schreibtisch hat er im Nationalparkhaus in Matrei in Osttirol, lieber aber treibt er sich auf den Gipfeln und Gletschern rund ums Defereggen-, Virgen- und Kalsertal herum. Im Innergschlöß, am Fuß des Großvenedigers, schlägt sein Herz besonders heftig. Zwischen Juni und Oktober bricht er regelmäßig zum dortigen Gletscherweg auf, um Besucher bis knapp unter die Zunge des Schlatenkees zu führen.

          Abseits vom Fernsehklischee

          Emanuel brennt für das, was er tut. Aufgewachsen im Schatten von Großvenediger, Rainer Horn und Schwarzer Wand, hat er mit seinen Eltern die Zinnen, Zacken und Zinken der Hohen Tauern erkundet. Er bemerkt früh, wie eingesperrt er sich fühlt ohne diese Ausflüge und Touren. Als er das Abschlusszeugnis der Handelsschule in der Tasche hat, lässt er Buchhaltung, Tabellen und Wirtschaftsenglisch hinter sich. Im Oktober 1991 verabschiedet der Tiroler Landtag das Nationalparkgesetz. Ein paar Monate später sind vier Stellen für Ranger ausgeschrieben: Das könnte es sein, ist seine Hoffnung. Er bekommt eine der Stellen und ist mit dabei, als man ein Profil für den damals noch jungen Berufszweig entwirft. Ein spannender Prozess, richtungsweisend für die Zukunft und die Identität des Nationalparks.

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