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Zugfahrt durch Nordspanien : Nur die Pilger kommen noch langsamer voran

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Ein Zug mit unendlich viel Muße: An Bord des Transcantábrico kann man den Rausch der Gemächlichkeit erleben. Bild: action press

Doch diese Gemächlichkeit ist ein großes Glück. Denn bei der Schienen-kreuzfahrt mit dem nostalgischen Hotelzug Transcantábrico erlebt man Galicien, Asturien, Kantabrien und das Baskenland mit genau der Gelassenheit, die Spaniens grünem Norden angemessen ist.

          Die spanischen Fahrgäste schauen gebannt aus dem Fenster. So saftig grün haben sie ihr Land noch nie gesehen. Es sind nicht die allseits bekannten Bilder eines Spaniens der verbrannten kastilischen Hochebenen oder der mediterranen Milde, die vor ihnen vorbeiziehen, sondern das ungewohnte Schauspiel der feuchten, fruchtbaren Landschaft am Golf von Biskaya: Eukalyptuswälder in Galicien, Streuobstwiesen in Asturien, Viehweiden in Kantabrien und Weingärten im Baskenland. Die Bahnlinie windet sich durch kaum berührte Urwälder oder schmiegt sich eine Weile an Flussläufe mit naturbelassenen Ufern. Das rollende Hotel des Transcantábrico durchquert Marschland und Wiesen, auf denen sich Kühe, Schafe und Ziegen manchmal noch vor ihm erschrecken. Der Zug fährt vorbei an unzähligen Kirchen und Kapellen, und er hält zwischendurch in Dörfern und kleinen Städten. Immer wieder überquert er die für Nordspanien typischen „rías“, Mündungstrichter kleiner Flüsse, die dem Gang der Gezeiten unterliegen und deshalb mal vom Brackwasser überschwemmt und mal trockengelegt sind. Sie entspringen in einer einsamen Bergwelt, die bis unmittelbar an die Küste vordringt, so dass man das Gefühl hat, als sei die Nordsee ans Voralpenland herangerückt.

          Immer wieder wird die Reise zum landschaftlichen Spektakel, vor allem wenn die Gleise direkt am Saum des Mar Cantábrico, wie der Golf von Biskaya in Spanien heißt, entlangführen. Man sieht kleine, von Felsen gesäumte Strände, und einmal fährt der Zug sogar über Klippen, die sich fünfzig Meter über der Brandung aufrichten. Besonders imposant ist die Strecke rund um Llanes in Asturien, wo die Bahnlinie eingezwängt zwischen dem Kantabrischen Gebirge und dem Meer verläuft. Gerade hat man noch die Gipfel der Picos de Europa, die bis ins späte Frühjahr verschneit sein können, im Blick gehabt, da bricht der Río Saja durch die letzten felsigen Ausläufer des Gebirges, und plötzlich taucht zwischen den Klippen ein malerischer Sandstrand auf.

          Ein Strand wie eine Theaterbühne

          Bei einem Abstecher an der Grenze zwischen Galicien und Asturien erreicht man den bizarrsten Abschnitt der spanischen Nordküste: eine Serie von fünf Stränden, die sich beim Städtchen Ribadeo zwischen steil aufragende Felsformationen quetschen. Hier hat die Brandung mächtige Gewölbe aus dem Gestein herausgespült und tiefe Höhlen in die Klippen gebohrt. Populäre Stadtstrände mit eleganten Promenaden wiederum findet man in Santander, Gijón und San Sebastián oder im Städtchen Llanes, in dem der sichelförmige Strand von Felsen und Bastionen eingerahmt ist und deshalb wie die Bühne eines Amphitheaters erscheint. Die angrenzenden Klippen stemmen sich kilometerlang als fast senkrechte, fünfzig Meter hohe Felswand dem Meer entgegen.

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