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Zugfahrt durch Nordspanien : Nur die Pilger kommen noch langsamer voran

  • -Aktualisiert am

Glanz und Elend einer stolzen Stadt

Nächster Halt im hundert Kilometer entfernten Bilbao: Während der Einfahrt in die Stadt erhält man eine Lektion über Vergangenheit und Gegenwart des Industriereviers im spanischen Norden. In dessen Blütezeit während des frühen zwanzigsten Jahrhunderts mögen die Unternehmer mit kostspieligen Bauwerken ihren Reichtum demonstriert haben, dennoch waren die Städte verqualmt, verrußt, verschmutzt und abstoßend. Mit dem Niedergang der Industrie folgte dann auch ein erschreckender Verfall der städtischen Kulisse. In den Außenbezirken von Bilbao ist dieser Kollaps inzwischen vollendet. Kilometerweit sieht man nichts als verwilderte Freiflächen, leerstehende Lagerhäuser, verrottete Fabrikanlagen und die Gerippe trostloser Mietskasernen. Jede Hoffnung auf irgendeinen Aufschwung und die Wiederbelebung der urbanen Einöde scheint vergebens. Gnädig verschwindet der Zug in einem langen Tunnel.

Als er wieder auftaucht und im Bahnhof La Concordia einfährt, traut man seinen Augen nicht. Als erster Blickfang präsentiert sich das pompöse Teatro Arriaga, und von dort aus führt eine Uferpromenade zu beiden Seiten des Río Nervión durch eine wiedergeborene Stadt. Die Fassaden der Wohnhäuser brauchen sich nicht hinter denen eines Pariser Boulevards zu verstecken, und hinter der ersten Biegung strahlt dann auch schon die glänzende Haut aus Titan, Kalkstein und Glas, mit der Frank O. Gehry sein architektonisches Meisterwerk, das Guggenheim Museum, umhüllt hat. Dessen Eröffnung war 1997 das Fanal für eine ungeahnte Renaissance Bilbaos, an der sich mittlerweile weitere renommierte Architekten beteiligt haben. Santiago Calatravas weiße Brücke Zubizuri schwingt sich flott über den Fluss, nebenan markieren die dreiundachtzig Meter hohen Zwillingstürme von Arata Isozaki den Zugang zum Stadtviertel Abando, und die transparenten Eingänge zur Metro, von Norman Foster entworfen, sind bereits ein so selbstverständlicher Teil des Alltags, dass sie von den Einheimischen liebevoll als „Fosteritos“ bezeichnet werden.

Dekorativ gestalteter Containerstapel

Frische Perspektiven eröffnet jetzt auch das Gassenlabyrinth der angrenzenden Altstadt: Die Fassaden der Bürgerhäuser mit ihren schmiedeeisernen Balkonen, verglasten Veranden, hübschen Erkern und verspielten Ornamenten sind zum großen Teil renoviert und neu gestrichen. Der baufällige Mercado La Ribera wurde abgerissen und detailgetreu im vollen Glanz des frühen zwanzigsten Jahrhunderts wieder aufgebaut. So ist ein völlig neues Stadtgefühl entstanden. An die industrielle Vergangenheit erinnern im Zentrum von Bilbao nur noch ein knallrot gestrichener Hafenkran, ein dekorativ gestalteter Containerstapel und die Schleppkähne in den Trockendocks der ehemaligen Werft Euskalduna - ausgediente Maschinen und Gerätschaften, die zu Kunstwerken und Museumsstücken geworden sind.

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Unser Autor: Oliver Georgi

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