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Sternegucken in den Pyrenäen : Das Meer der Stille ist nur eine Armlänge weit entfernt

  • -Aktualisiert am

Mit der Seilbahn geht es hinauf zum Observatorium auf dem Pic du Midi. Und über die Milchstraße führt die Reise weiter ans Ende des Universums. Bild: dpa

Teleskope am Zaun und Zelte mit durchsichtigen Dächern: Wer nach den Sternen greifen will, kann sich in Frankreich einen Traum erfüllen. Eine Reise in die dunkelste Nacht.

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          Seine Holzbank neben dem alten Haus nennt Bruno Monflier „Bank der vergehenden Zeit“. Dort sitzt er oft nach Sonnenuntergang, schaut in den Sternenhimmel und versucht, „diesen dünnen Faden zu spüren, der sich durch unser Leben zieht“. Es ist kalt in dieser Nacht, und Bruno Monflier, siebzig Jahre alt, stellt seine Füße auf die Holzkante und zieht die Beine an die Brust, dann lehnt er sich zurück, schiebt den Kopf in den Nacken und hält stille Zwiesprache mit dem Firmament. Vielleicht ist das eine Art Meditation für ihn, um sich eins zu fühlen mit dem Universum und um die Gedanken in die Vorwelt zu richten. Was er beobachtet, nennt er sichtbar gewordene Vergangenheit. Und obwohl es doch jeder weiß und obwohl auch er es schon Hunderte von Malen gesagt hat, klingt er einigermaßen fassungslos bei seiner Erklärung, dass all die Lichtteilchen da droben Milliarden Jahre gereist sind, um auf der Erde zu erscheinen. „Um mir zuzuwinken“, sagt er.

          Auf dem Anwesen bei Mauroux wachsen Apfelbäume, Tomatenstauden und Himbeersträucher, und doch handelt es sich um keinen gewöhnlichen Garten – es ist ein astronomischer Park. Am Zaun stehen Teleskope in Reihe und weiter hinten ein kleines Observatorium, außerdem Zelte mit durchsichtiger Decke, damit Sternengucker, die im Bett liegen, die Wunder der Nacht nicht verpassen. Bruno Monflier spricht gerne über die Wunder der Nacht. Seine Anlage nennt er „La Ferme des Etoiles“, und dort erklärt der Hobbyastronom Sternbilder, Planeten und was dazugehört.

          Es ist mehr als dreißig Jahre her, dass der kleine Mann mit dem wachen Blick erkannte, als kaufmännischer Direktor vielleicht ein wenig zu fest auf dem Boden zu stehen, denn seine Gedanken schickte er nur allzu gern über die Wolken hinaus ins All. Und so fasste er den Entschluss, den gutbezahlten, doch wenig geliebten Beruf an den Nagel zu hängen, mit seiner Frau in Mauroux einen Hof zu kaufen und das Gelände nach seinen Vorstellungen umzubauen – samt Gästezimmern und den Zelten.

          Der Inbegriff von Schönheit

          Die Entscheidung für Mauroux im Département Gers war wohlüberlegt, denn es liegt auf der „kosmischen“ Route in den Midi-Pyrénées. Der Berg Pic du Midi de Bigorre mit seinem Observatorium wie auch das Weltallstädtchen Cité l’Espace bei Toulouse sind von dort aus schnell zu erreichen. Vor allem aber ist die Sicht in den Nachthimmel so gut, dass die astronomische Assoziation Frankreichs, „Ciel et Espace“, der Region Gers den Titel „Bester Himmel des französischen Festlands“ verliehen hat. „Man sagt, dass man in einer Stadt nachts ungefähr dreißig Sterne sehen kann“, erklärt Bruno Monflier. „Bei mir in Mauroux sind es dreitausend!“ „Nur?“, möchte man fragen. Und würde augenblicklich glauben, dass es hundertmal so viele sind – ach was, tausendmal so viele.

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