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Mecklenburgische Seenplatte : Der alte Mann und das Kind

Im Atlas mit den Wasserstraßen der Mecklenburgischen Seenplatte sieht es aus, als gebe es kaum Land. Bild: Freddy Langer

Kurzurlaub mit Boot und Tochter: Fünf Tage unterwegs als Freizeitkapitäne auf der Mecklenburgischen Seenplatte. Eine Seefahrt, die ist lustig!

          Von roten Lämpchen und schrillen Tönen war keine Rede gewesen in Andreas Marz’ dreistündiger Einführung in die Technik des Bootfahrens und das Wesen der Mecklenburgischen Seenplatte, in die Tücken der Schleusen, die Ethik am Steg sowie die erschreckend schnell durchschaubaren Geheimnisse beim Belegen einer Klampe, ehe wir seine kleine Marina bei Lärz mit einer gemieteten Yacht verließen und uns auf den Weg nach Waren machten, in die Kleinstadt am nördlichen Ende der Müritz mit ihrem wunderbaren Hafen, der herrlichen Promenade, der womöglich besten Eisdiele zwischen Oranienburg und Schwerin sowie einem spektakulär schönen Museum, das von sich behauptet, es verfüge über das größte Süßwasseraquarium Deutschlands, das aber bei den unmenschlichen achtunddreißig Grad Außentemperatur dieser Tage vielleicht nicht nur der vierzig Arten von Süßwasserfischen wegen besonders gut besucht war, sondern auch wegen seiner durch einen Betonkern auf fischfreundliche achtzehn Grad heruntergekühlten Ausstellungsräume.

          Freddy Langer

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das „Reiseblatt“.

          Das alles hatten wir hinter uns. Und nun dieses Piepsen und das Leuchten neben der Kühlwasseranzeige, das unmissverständlich auf einen Fehler im Betriebssystem hinwies. Die Nadel stand knapp unter hundert Grad. Das gibt auch Menschen ohne Ausbildung zum Mechaniker zu denken. Vorsichtshalber schaltete ich den Motor aus, und während wir, wie von einem letzten Schubser angetrieben, lautlos über das Wasser glitten, kamen mir Théodore Géricaults Monumentalgemälde „Das Floß der Medusa“ in den Sinn und Szenen aus dem Film „All is Lost“, in dem Robert Redford hilflos und allein in einem Schlauchboot auf dem Ozean treibt und während der gesamten hundertsechs Minuten des Films nur ein einziges, einsilbiges Wort von sich gibt, dies allerdings sehr laut und sehr in die Länge gezogen. Außerdem gingen mir einige Episoden aus dem Roman „Robinson Crusoe“ durch den Kopf.

          Morgengruß der aufgehenden Sonne – vor Anker in der Kleinen Müritz.

          Heute durfte ich das Steuer übernehmen, weil Papa dringend fotografieren musste. Natürlich hätte ja auch ich die Bilder machen können, aber so war es mir viel lieber. Das Bootfahren hat riesigen Spaß gemacht. Nur wenn uns Boote entgegenkamen, fiel es mir nicht so leicht.

          Aus Lottes Tagebuch

          Es war düster geworden. Zwielichtig, wenn man das sagen kann. Die Sonne kratzte bereits am Horizont. Wir trieben noch immer. Jetzt viel langsamer. Da fiel mir die Notfallnummer ein, die uns der Vermieter gegeben hatte. Das Handy zeigte auch jenseits von Häfen und Zivilisation fünf Striche für guten Empfang, und fast augenblicklich fragte am anderen Ende der Leitung ein junger Mann in solch beruhigendem Tonfall, wie er helfen könne, dass wir augenblicklich wussten: Alles wird gut. Eine halbe Stunde später legte er neben uns an, und weitere fünf Minuten später war klar, dass es mit einer Schnellreparatur nicht getan sein würde. „Macht’s euch gemütlich“, sagte der junge Mann. „Morgen bekommt ihr ein neues Boot.“

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