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Mazedonien : Die Sonne scheint am Ende nur für uns

  • -Aktualisiert am

Im Mazedonischen gibt es nur ein Wort für Schnee: Bora. Aber Bora gibt es massenhaft. Bild: Stefan Schanz

Im Sar-Planina-Gebirge haben Ski-Enthusiasten die erste Snowcat-Station Europas gegründet. Ein Pistenbully verspricht exklusiven Skigenuss in der Wildnis.

          6 Min.

          Reglos wie ein vergessener Skistock steht Nenad im tiefen Pulver und starrt konzentriert ins Ungefähre. Was unser Ski-Guide sieht, gefällt ihm nicht. Er schüttelt den Kopf, die Bommel auf seiner neongrünen Mütze wackelt im Takt: "Sorry guys, too dangerous." Der Himmel über Nenads Strickmütze und der Boden unter seinen Skischuhen sind zu einer dicken, weißen Milchsuppe geronnen. Oben? Unten? Links? Rechts? Das Auge findet in dichtem Nebel und tiefverschneiter Landschaft keinen Halt mehr, der Körper verliert jede Orientierung. "Whiteout" nennen Outdoor-Menschen diesen totalen Kontrastverlust. "Too dangerous" wird die weiße Einheitswelt für den Skifahrer besonders dann, wenn das Adrenalin über die Vernunft siegt.

          Beides in Einklang zu bringen ist Nenads Job. Für den kantigen Kroaten, der vor Jahren auch einmal Weltmeister im Basejumping war, ist das kein Problem. Er spricht wenig, aber deutlich. Und seine Skitruppe, zwei Österreicher und vier Deutsche, sind alle über vierzig Jahre alt und damit den wildesten Adrenalin-Jahren entwachsen. Gefährlich werden kann der Nebel aber auch für unser feuerrotes Spielmobil, eine für die Personenbeförderung umgebaute Pistenraupe. Die soll uns in den kommenden vier Tagen auf einsame mazedonische Gipfel und Hänge karren - aber nur, wenn sich der Nebel verzieht. Denn Sicht ist Pflicht bei Fahrten im wilden Mazedonien.

          Bei Nebel ist es „too dangerous“

          Mazedonien ist ein recht kleines, schlecht erreichbares und manchmal ziemlich nebliges Land. Es grenzt im Norden an das Kosovo, im Süden an Griechenland und ist bei uns im Westen nicht unbedingt für seine Skiregionen bekannt. Eigentlich kennt man es gar nicht. Und das ist gut so. Zumindest für Skigenießer, die von Liftschlangen, tausendfach missbrauchten Abfahrten und Bumbum-Hütten die Nase voll haben. Die Hauptstadt der Republik heißt Skopje und ist von Zürich oder Wien aus in knapp zwei Flugstunden erreichbar. Von deutschen Flughäfen dauert es deutlich länger, weil es keine Direktflüge gibt. Vom winzigen Hauptstadtflughafen in unser Skidorf Popovka Shapka braucht der Shuttlebus noch einmal neunzig Minuten inklusive zweier Stopps: einer zum Bargeldtanken für die Touristen, einer zum Ölnachfüllen für das alte Mercedes-Gefährt.

          Die Begrüßung auf etwa eintausendachthundert Meter Meereshöhe sieht nicht ganz so aus wie erhofft. Schnee liegt zwar reichlich in Popovka Shapka, aber der Skitraum in Weiß hat einen Haken: Eine fette Nebeldecke schmiegt sich lückenlos an die bis zu zweitausendachthundert Meter hohen Sar-Planina-Berge. Der Skiführer Nenad bläst den Sturm auf die umliegenden Gipfel daher erst einmal ab. "Too dangerous." Als Ausweichterrain präsentiert er uns einen Nordhang mit leichtem Baumflaum. Hier kann der Pistenbully auf einem alten Waldweg gefahrlos bergauf walzen, und wir Skifahrer finden dank der über den Hang verstreuten Fichten ein paar Orientierungspunkte. Dreihundert Höhenmeter, anfangs sanft geneigt, zwischen den Bäumen ein paar steile Rinnen und Kuhlen, am Ende abermals der Waldweg und eine im Balkankrieg zerbombte Berghütte. Hier sammelt uns die Schneekatze später wieder auf. Und auf diesem Hügel werden wir in den kommenden Tagen eine Menge Kalorien verpulvern.

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