https://www.faz.net/-gxh-p8lg

Mauritius : Ruhe!

Am Strand liegen, auf die Bucht blicken - so vergehen die Tage auf Mauritius Bild: Hotels Constance

Im Resort „Prince Maurice“ auf Mauritius herrscht überall Stille, selbst das Wasser in der Bucht plätschert nur träge. Dafür hat es jetzt seinen eigenen Soundtrack.

          4 Min.

          Die Klimaanlage sirrt, es ist noch nicht acht Uhr morgens. Vor dem Fenster zetert ein Vogel im Balkongebälk. Die Fenster sind blind, weil es draußen schon so früh am Tag derart dunstig warm ist, daß es einem die Sonnenbrille beschlägt, sobald man nur vor die Tür tritt. Um zum Beispiel an den Strand zu laufen, barfuß durch die Bungalows des "Prince Maurice" und entlang der Palmen, die leider nicht im Wind rauschen, ja nicht einmal wispern, weil es windstill ist. Weswegen auch das knietiefe Wasser der Bucht nur träge plätschert, statt aufzubranden.

          Tobias Rüther
          (tob), Feuilleton

          Es ist hier überall windstill. In der offenen Lobby des Resorts rauscht zwar Wasser, weil es rundherum fließt, aus Brunnenschalen und in Kanälen, die Auffahrt wie Eingangshalle umgeben. Aber niemand erhebt die Stimme, und so senkt man die eigene, durchaus ein wenig eingeschüchtert, auch von der stillen Größe des Concierge in seinem weißen, weichen Anzug, der fast flüstert, wenn er fragt oder antwortet, und der sacht auf eine unsichtbare Tastatur unter seinem Tisch tippt, in den eine Glasplatte eingelassen ist, damit wenigstens er sieht, was er da notiert. Auch die Kellner im Restaurant sprechen so leise, daß man "medium rare" sagt, als sie nach der Zimmernummer fragen (und nicht nach dem Steak). Einer dieser diskreten Kellner beugt sich dann über den Tisch, um die Kerze zu entzünden, und verbrennt sich an der aufflackernden Flamme seines Feuerzeugs, er haucht sein "Ah!" kaum hörbar. Selbst die Crepes beim Frühstück sind ohne Öl gebacken, weil das sonst wohl zu sehr zischte.

          „Tandela“ heißt „Warte!“ und „Hör zu!“

          Die Elektrofahrzeuge, in denen sich die Angestellten über das Resortgelände bewegen, rollen leise dahin. Nachts kommen sie einem fast lautlos entgegen, mit gelben Lichtern (die Insel war schließlich auch mal französisch), da weicht man aus. Ein Glück, Augen zu haben. Ohren braucht man hier jedenfalls keine. Denn es herrscht Windstille im "Prince Maurice", einem stillen Haus, das dafür seit kurzem seinen eigenen Soundtrack besitzt. Aufgenommen hat ihn eine Gruppe mauritischer Musiker um den Percussionisten Menwar, der auf der Insel einen ähnlichen Status besitzt wie Bob Marley auf Jamaika, aber deutlich längere Dreadlocks trägt. Als Menwar im "Le Prince Maurice" erscheint, um abends vor erlesenem Publikum - Hotelgästen und Honoratioren der Insel, der Kulturminister allerdings ist nicht gekommen, trotz höchster Sicherheitsmaßnahmen - mit den anderen Musikern der Band den Soundtrack zum Hotel vorzustellen, hat er, so heißt es, einigen Angestellten Autogramme gegeben. Heimlich natürlich, und sicher flüsternd. Denn auch Menwar spricht sehr leise.

          Percussionist Manwar: Status wie Bob Marley auf Jamaika
          Percussionist Manwar: Status wie Bob Marley auf Jamaika : Bild: Tandela/EMI

          "Tandela" heißt die Band, es sind zwölf Musiker und zwei Komponisten, die sich für dieses Projekt zusammengetan haben, sie kommen aus Europa und von der Insel. Weil es aber für mauritische Musiker nicht ohne weiteres möglich ist, eine CD auf den Markt zu bringen (und womöglich auch noch in Europa zu verbreiten), trat man auf die Familie zu, die "Le Prince Maurice" betreibt. Die waren angetan, und so kam eines zum anderen: Jetzt hat die Gruppe ihr Album - und das verschwiegene Hotel seinen eigenen Soundtrack. "Tandela" ist kreolisch und hat viele Bedeutungen, kann Ausdruck der Freude und des Ärgers sein, es heißt "Warte!" und, wie Menwar mit seiner leisen Stimme in exotisch-melodiösem Französisch erklärt, auch "Ecoutes!": Hör zu! Eine Aufforderung, der am Abend, als die Band im Innenhof des Hotels am anderen Rand des Swimmingpools zu spielen beginnt, nicht jeder nachkommen möchte. "NO! I DON'T CARE!" schreit ein Mann in Khakis und Polohemd in der Lobby zwei Concierges gleichzeitig an, die ihn zu beschwichtigen versuchen, der Mann aber schaut weg, dreht sich ab, teilt den beiden Angestellten mit der Sprache seines kräftigen Oberkörpers mit, daß ihn ihre Erklärungen, ihre Bitten nicht scheren.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Reger Betrieb: Wartende im Impfzentrum in der Frankfurter Festhalle

          7 Fragen, 7 Antworten : Was läuft schief beim Impfen?

          Wie viel Impfstoff wird weggeworfen? Wieso bekommen die einen sofort einen Termin, andere aber nicht? Wieso dürfen Privatärzte nicht impfen? Wir geben Antworten.
          Nicht alle zahlen hohe Steuern: Passanten gehen auf der Bahnhofstraße durch die Innenstadt von Hannover.

          IW-Studie : Wer trägt welche Steuerlast?

          Allen Steuertarifkorrekturen zum Trotz: Auf die unteren 70 Prozent entfallen 21 Prozent der Einkommensteuer – wie schon 1998. Damit zahlen 30 Prozent aller Haushalte in Deutschland fast 80 Prozent dieser Abgabe.

          So sieht die moderne Küche aus : Heiß und trendig

          Corona schickt die Menschen zurück an den Herd. Das hat zur Folge, dass viele ihre Küche neu einrichten. Die Nachfrage nach Geräten ist zurzeit enorm. Falls sie noch nicht bestellt haben: Wir helfen und zeigen Ihnen, was momentan in der Küche so angesagt ist.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.