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Osteuropa in New York : Unter Marx und Engels zur Arbeit an die Wall Street

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Das russisch-ukrainische Erbe kennt in Little Odessa auf Coney Island und im East Village keine Schranken. Bild: Franz Lerchenmüller

Einwanderer aus aller Welt haben New York zu dem gemacht, was es heute ist. Vor allem die Spuren der Osteuropäer sind bis heute überall in der Stadt sichtbar.

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          Wer New York nur aus den einschlägigen Filmen, Romanen und Songs kennt, könnte leicht auf die Idee kommen, die Stadt sei von italienischen Gangstern, irischen Polizisten, einer Handvoll chinesischer Wäschereibesitzer und ein paar jüdischen Melancholikern geschaffen worden. Doch das ist nur ein kleiner Teil der Wahrheit. In Wirklichkeit war alles viel gewaltiger und umfassender. Hände und Köpfe aus mehr als hundert Ländern waren am Aufbau der Stadt beteiligt, ein großer Teil davon aus Osteuropa – und sie sind es immer noch. Jenseits der Glitzerwelt von Times Square, Guggenheim Museum und Empire State Building kann man ihre Spuren bis heute finden, auch wenn jede Suche nach ihnen, den Einwanderern, natürlich auf Ellis Island beginnen muss, der Insel, auf der zwischen 1892 und 1954 zwölf Millionen Menschen die Einwanderungsprozedur durchliefen.

          Inmitten der riesigen, gekachelten Registrierhalle mit den Rundbogenfenstern kann man sich immer noch das babylonische Stimmengewirr, das Gebrüll der Beamten und die Ausdünstungen von Tausenden Menschen vorstellen. Dicht gedrängt warteten sie auf den Bänken darauf, aufgerufen zu werden, um vor den gestrengen Torhütern des Landes zu bestehen. Für viele von ihnen und schon für unzählige zuvor war Manhattans Lower East Side der erste Anlaufpunkt in der Stadt. Hier entstanden in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts die Tenements, enge, dunkle Mietskasernen mit vielen Wohnungen. „Rookeries“ nannten die Alteingesessenen sie naserümpfend, Krähennester. Eines von ihnen hat man an der Orchard Street rekonstruiert. Über ausgetretene Stufen in einem fast lichtlosen Flur geht es hinauf in die drei kleinen Räume, die Familie Gumpertz aus Preußen von 1870 bis 1883 bewohnte. Der Brottopf steht auf dem Tisch, Wäsche hängt zum Trocknen über dem Herd, und die fröhliche Führerin mit chinesischen Wurzeln schildert lebhaft, wie die Kinder damals das Wasser in Eimern von unten hochschleppten und wie Nathalie Gumpertz sich als Schneiderin durchschlug, nachdem Gatte Julius, ein Schuhmacher, sie vier Jahre nach der Heirat mit vier Kindern sitzengelassen hatte.

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