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Marokko : Marrakesch - Tor nach Afrika

  • -Aktualisiert am

Feierlaune auf der abendlichen Jemaa el Fna Bild: Bernd Leideritz / SRT

Die Stadt ist gekennzeichnet durch verwinkelte Souks und den Platz der Gaukler, der sich nachmittags in einen exotischen Jahrmarkt mit Märchenerzählern, Artisten und Wunderheilern verwandelt.

          Marrakesch, Perle des Südens. Marrakesch, Tor nach Afrika, die afrikanischste der Königsstädte Marokkos. Umgeben von grünen Palmenhainen, geschützt durch eine aus rotem Lehm erbaute, mit Zinnen und Scharten versehene, trutzige Stadtmauer beherbergt die Stadt die verwinkelten Souks, die mit reichen Ornamenten verzierte Medersa Ben Youssouf und natürlich den Platz der Gaukler, die Jemaa el Fna.

          Das alles überragende Minarett der Koutoubia-Moschee ist bereits von weitem zu sehen. Das viel gerühmte Wahrzeichen von Marrakesch ist mit seiner vollendeten Harmonie von Architektur und Bauornamentik Vorbild für die meisten Minarette des Landes. Nichtgläubigen ist der Zutritt zum Gebetsraum, in dem 25.000 Gläubige Platz finden, allerdings nicht gestattet.

          Die Jemaa el Fna - ein exotischer Jahrmarkt

          Anders als die anderen drei Königsstädte Marokkos besitzt Marrakesch einen riesigen öffentlichen Platz, die Jemaa el Fna. Auf der "Versammlung der Toten, der Gehenkten und der Geköpften" wurden auf Geheiß der Herrscher früher die Schädel der Hingerichteten zur Schau gestellt. Heute, da Marrakesch jährlich 400.000 Touristen anzieht, hat sich das Bild grundlegend gewandelt. Wo einst die Hingerichteten präsentiert wurden, herrscht nun lautstarkes und farbenfrohes Treiben.

          Allerdings hat die Jemaa el Fna zwei Gesichter: Während der heißen Mittagsstunden harren nur einige wackere Schlangenbeschwörer aus, sitzen unter ihren Sonnenschirmen und schwatzen träge. Sobald jedoch ein Bus mit Touristen aus dem nahen Küstenbadeort Agadir eintrifft, hallt der Klang ihrer Trommeln und Flöten über den Platz. Wehe denen, die vor dem Tanz der Kobras nicht den Preis ausgehandelt haben! Da werden mit Verweis auf die Zahl der anwesenden Künstler, deren Onkel, Tanten, Geschwister, Neffen und Nichten astronomische Summen verlangt. Egal, was der Zuschauer letztlich gibt - er wird immer ein mürrisch unzufriedenes Gesicht ernten.

          Zwischen Wunderheilern und Märchenerzählern

          Erst in den späten Nachmittagsstunden, wenn der Schatten kühle Flecken schafft, beginnt das Leben auf dem Platz zu pulsieren. Langsam füllt er sich mit Schaulustigen, Garküchen werden in Windeseile aufgebaut. Anders als vor zehn Jahren, als noch fröhliches Chaos herrschte, haben die Stadtoberen den Touristen zuliebe die Anarchie vergangener Tage verbannt. So stehen die Stände heute durchnummeriert in Reih und Glied. Doch immer noch trägt der Rauch Dutzender Feuerstellen den Duft von Gebratenem über den Platz, bevölkern Akrobaten, Musikanten, Wunderheiler, Märchenerzähler die riesige Bühne. Inmitten der Menge bilden sich große Menschentrauben. Hier ist es ein einzelner Erzähler, der gestikulierend die andächtig lauschenden Zuhörer in seinen Bann zieht, dort bringen ein Zauberer und sein Assistent mit gekonnten Tricks das Volk zum Staunen.

          Folkloregruppen inmitten vergangener Pracht

          Unweit des Königspalastes stehen die Ruinen des Palais de la Badia. Der von Sultan Ahmed el Mansour gegen Ende des 16. Jahrhunderts erbaute Palast hatte zu seiner Zeit den Ruf, das schönste Bauwerk seiner Art zu sein. Auch nach seiner Zerstörung durch Moulay Ismail, der die Schätze der Anlage nach Meknes verschleppen ließ, ist die Pracht des Bauwerks noch zu erahnen. Einmal im Jahr, zumeist im Juni, erwacht die Anlage anlässlich des Nationalen Volkskunst-Festivals zu neuem Leben. Vor dem Hintergrund der Ruinen treten dann Folkloregruppen aus allen Teilen des Landes auf.

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