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Marokko : Fantasias - Jahrhunderte alte Reiterspiele

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Fantasia vor den Toren Marrakeschs Bild: Bernd Leideritz / SRT

Früher überlebensnotwendig und heute, in Friedenszeiten, großangelegtes Spektakel für Touristen und Einheimische: Die Fantasias, bei denen sich die Reiter miteinander messen.

          Sie reiten wie die Teufel! Unter den Hufen der galoppierenden Pferde bebt die Erde. Eingehüllt in eine Wolke rötlichen Staubs rasen sie mit wehender Mähne über das weite Feld, kommen mit atemberaubendem Tempo näher. Mensch und Tier scheinen verschmolzen.

          Wild schwingen und drehen die Reiter die alten, verzierten Vorderlader über ihren Köpfen. Dann der Höhepunkt des Rennens: Kommandeur Hassan Bourass brüllt ein Kommando, und alle Reiter schießen gleichzeitig ihre altertümlichen Flinten ab. Ein ohrenbetäubender Knall lässt Brustkorb und Bauch der Zuschauer erbeben. Weiße Rauchwolken steigen aus den Gewehren auf.

          Nicht die Technik, sondern die Pracht zählt

          Einige hundert Zuschauer haben sich vor der Stadtmauer von Marrakesch direkt am Bab el Jedid, dem Neuen Tor, zusammengefunden, um einer Fantasia, einem Reiterspiel, beizuwohnen. Stolz erhobenen Hauptes, die Gewehre in die Hüften gestemmt, reiten Hassan und seine Leute gemächlich am Publikum vorbei zurück zum Ausgangspunkt des Rennens. Fantasias werden heute überall in Marokko anlässlich von Festen oder religiösen Feierlichkeiten abgehalten. Es ist ein Spektakel der besonderen Art, das viele Einheimische und Besucher anzieht.

          Nach der Fantasia erzählt Hassan Bourass in seinem Zelt, wie diese aufregenden Spiele entstanden sind. Es gibt Fantasias, seit die Stämme Nordafrikas Kriegszüge auf Pferden durchführten. In Friedenszeiten konnten sie so im spielerischen Wettkampf ihre Kräfte messen und ihre Schlagkraft erhalten. In den Reiterspielen simulieren die festlich gekleideten Reiter den unerschrockenen Angriff auf ihre Gegner. Überall im Maghreb sind die Ausstattung und der Schmuck von Pferd und Reiter maßgeblich für die Beurteilung durch die Jury, die aus Dorfältesten und hohen Würdenträgern besteht. Zu den großen Fantasias kommen Gruppen von mitunter über 1.000 Reitern.

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