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Insel fehlen Urlauber : Mallorca in Zeiten der Opfer und des Schmerzes

Keine Fata Morgana, sondern Corona: der Strand von Port de Sóller. Bild: dpa

Corona hat Mallorca ins Mark getroffen und könnte es für immer verändern. Das hoffen viele, fürchten manche – und lässt niemanden kalt: Besuch auf einer verwundeten Insel.

          12 Min.

          Als der Ballermann wieder zum Balneario wurde, gehörte der Himmel den Vögeln, nicht den Flugzeugen. Es war ein Morgen Anfang Juli mitten in der höchsten Hochsaison, es waren siebenundzwanzig Grad, und die Playa de Palma teilten wir uns fast exklusiv mit Joggern, Rennradfahrern, Sonnenaufgangsschwimmern, die allermeisten von ihnen Mallorquiner. Plötzlich wirkten nicht mehr sie wie Exoten im eigenen Land, sondern jene jungen Kerle, die wie Irrläufer aus einer untergegangenen Epoche mit zwei Paletten Bierdosen rülpsend auf der Promenadenmauer saßen und mit T-Shirt-Sprüchen wie „Geh weg, du bist kein Bier“ das Land der Dichter und Denker repräsentierten.

          Jakob Strobel y Serra

          stellvertretender Leiter des Feuilletons.

          Sie waren die einzigen Frühschoppen-Krakeeler, ansonsten zwitscherten nur die Vögel. So andächtig wie bei der Frühmesse in Palmas Kathedrale war die Stille, und auch am Abend zuvor hatte uns die Playa de Palma eher an eine zweite Promenade des Anglais erinnert. Das ist kein Wunder, denn die Rambazamba-Sauflokale, Großraumdiskotheken und Oben-ohne-Schuppen sind noch geschlossen, in den Suffbedarf-Supermärkten, Tattoo-Studios und der Bude vom Currywurstkaiser ist tote Hose, und statt Bierkönigen in jedem Stadium des Deliriums treffen sich jetzt die Einheimischen zum Plausch auf der Promenade. Es ist eine wundersame, virologische Wandlung, die nicht nur den Ballermann wieder zum Balneario, sondern ganz Mallorca wieder zu einem Teil Spaniens gemacht – und die trotzdem kaum ein Mallorquiner herbeigesehnt hat.

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