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Malediven : Edel und sauber soll der Tourismus der Zukunft sein

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Immer mehr Urlauber, immer mehr Hotels - diese Strategie wird im maledivischen Tourismus-Ministerium inzwischen kritisch gesehen. Lieber weniger Gäste, die aber sollen mehr zahlen.

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          Wenn der maledivische Tourismusminister Hassan Sobir auf seine Statistiken schaut, dann kann er zufrieden sein: Gut 400.000 Urlauber landen jedes Jahr auf der Flughafeninsel nahe der Hauptstadt Male, um von dort per Boot oder Wasserflugzeug zu einer der 87 Hotelinseln zu reisen. 13000 Gästebetten gibt es auf diesen Touristeninseln, und sehr zur Freude der Hoteliers sind diese auch zu 70 Prozent ausgelastet, in der Hauptsaison im Januar und Februar gar zu fast 90 Prozent.

          Und die Kurven weisen nach oben, noch gilt das offizielle Planziel: 20.000 Betten bis 2005, und die Gästezahlen sollen um die Hälfte steigen. Trotzdem denkt man im Ministerium jetzt darüber nach, die Ziele zurückzuschrauben und das Wachstum zu bremsen - zumindest quantitativ. Lieber Klasse als Masse, heißt das neue Motto. Hassan Sobir: "Wir wollen das weltweit edelste Reiseziel in der Kategorie der kleinen tropischen Inseln werden." Und dazu könnte auch gehören, die Zahl der neuen Resorts zu beschränken. Keine einfache Entscheidung nach fast 30 Ausbaujahren.

          Wirtschaft hängt am Tourismus

          Die Erfolgsstory des Tourismus auf den Malediven begann 1972 mit einem Camping-Platz auf Kuramathi im Rasdu-Atoll. In den folgenden Jahrzehnten krempelte die Reiseindustrie den Inselstaat von Grund auf um: Heute hängt die Wirtschaft des Landes fest am Tourismus. 70 Prozent aller Devisen werden von Urlaubern ins Land gebracht, 40 Prozent aller Staatseinnahmen und 20 Prozent des Bruttosozialprodukts kommen aus der Reiseindustrie. Allein die Bettensteuer, für jede Übernachtung zehn Dollar, bringt im Jahr 22 Millionen Dollar in die Staatskasse.

          Mit dem Geld kam der Fortschritt: 1977 lag die durchschnittliche Lebenserwartung bei 46 Jahren, heute sind es 74 Jahre. Die Malaria ist ausgerottet, Tuberkulose ebenso. Es gibt auf allen Inseln Schulen, jeder dritte Malediver ist in der Ausbildung. Der Tourismus braucht mehr Arbeitskräfte, als die Malediver stellen können - vor allem aus Sri Lanka wird zusätzliches Personal auf die Hotelinseln gebracht.

          Trend: Fünf Sterne statt drei

          Dennoch: Die fragile Umwelt und die Angst vor dem Massentourismus lassen die Verantwortlichen nachdenklich werden. "Harmonie mit der Natur" predigt der Tourismusminister: "Unsere Umwelt werden wir niemals opfern." Auch ihm ist klar, was das bedeutet: Die Zahl der Gäste darf nicht stetig weiter steigen. Um aber die Einnahmen nicht zu gefährden, sollen die dann mehr zahlen. Veredelung der bestehenden Touristeninseln, fünf statt drei Sterne - dorthin weist der Trend.

          Komfort, der nicht auf Kosten der Umwelt geht - das ist die Gratwanderung, auf der sich die maledivische Tourismuswirtschaft einlassen soll. Und die oft nicht aufzulösende Widersprüche birgt: Klimaanlage und Trinkwasserentsalzung zum Beispiel - in den meisten Resorts Standard - und funktionieren in den seltensten Fällen mit Sonnenenergie.

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