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Malaysische Insel Penang : Im Zauberwald von Südostasien

Streedfood und Streetart in der Altstadt von George Town Bild: Sebastian Eder

Auf der Insel Penang ist die kulturelle Vielfalt so aufregend wie der Dschungel vor den Toren der Stadt. Lernen können Besucher einiges – auch über den ganzen Touri-Quatsch.

          4 Min.

          Auf dem Weg vom Flughafen Penang nach George Town fühlt es sich kurz so an, als wäre man nicht in Malaysia, sondern auf der Autobahn bei Jena: Wie Pilze sprießen die gleichen Hochhäuser aus dem Boden, in denen sich Abgehängte auf der ganzen Welt sammeln.

          Sebastian Eder

          Redakteur im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Chandara Segaran, der als Reiseführer im Bus sitzt, lebt seit 25 Jahren in einem dieser Hochhäuser auf Penang. Aufgewachsen ist der 63-Jährige in einem Dorf auf der Insel an der Straße von Malakka. Sein Vater hatte 50 Milchkühe. „Das Dorf ist weg. Die Natur ist weg. Die Insel wird immer voller und teurer, deswegen müssen wir in die Hochhäuser ziehen“, wird er später in einem ruhigen Moment sagen, ehe er schnell wieder in den Reiseführermodus wechselt: „Ein paar schöne Orte gibt es aber noch zu entdecken.“

          Zu diesen schönen Orten, für die Penang schließlich berühmt ist, gehört die Altstadt von George Town, Hauptstadt des Bundesstaates Penang, der hauptsächlich aus der Insel besteht. Rund 230 Jahre alt ist der Ortskern, 2008 wurde er von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt. Was ihn so einzigartig macht, ist auf dem Weg vom Flughafen zu erahnen: Am Straßenrand stehen direkt nebeneinander eine Moschee, ein buddhistischer Tempel, ein Hindu-Tempel und eine christliche Kirche. Auf Penang vermischen sich die Kulturen, und das tägliche Nebeneinander funktioniert gut. In einem Land, in dem der radikale Islam zunimmt, in dem Inder und Chinesen politisch als Bürger zweiter Klasse behandelt und Oppositionelle und Homosexuelle ins Gefängnis gesteckt werden, ist das beachtlich.

          Penang wird im Gegensatz zum Rest des Landes nicht von den muslimischen Malaien dominiert: 55 Prozent der rund 750.000 Inselbewohner haben chinesische Wurzeln, die meisten davon seien Buddhisten, erklärt Segaran. Das merkt man in George Town. Während viele der Malaien und Inder in den Hochhäusern am Stadtrand wohnen, sieht man in den geschützten Straßen der Altstadt fast nur chinesische Schriftzeichen, chinesische Garküchen, chinesische Tempel – und Chinesen. Wenn man fragt, ob das hier das Chinatown von George Town sei, bekommt man zu hören: „Ganz George Town ist Chinatown.“

          Eines der berühmtesten Kunstwerke auf den Straßen von Penang

          Das ist dann doch übertrieben. Dafür haben schon alleine die britischen Kolonialherren gesorgt, die vor bald zweihundert Jahren im Zentrum eine große christliche Kirche errichteten. Läuft man an der St. George's Church vorbei, bekommt man auf sechshundert Metern die ganze kulturelle Vielfalt Malaysias geboten: Zuerst tummeln sich Hindu-Götter auf dem Vordach des Arulmigu-Sri-Mahamariamman-Tempels, dahinter laufen Muslime barfuß in die Kapitan-Keling-Moschee, und dazwischen verschwindet ein Chinese im buddhistischen Kuan-Yin-Tempel. Er betet, dann zündet er in der Mittagshitze ein Bündel Joss Sticks an und steckt sie in den Sand. Ein paar Minuten bleiben seinen Wünschen, um mit dem Rauch gen Himmel zu steigen, dann sammelt ein alter Mann die Räucherstäbchen ein, läuft gebückt zu einem großen Ofen und feuert sie hinein. 32 Grad zeigt das Thermometer im Schatten. Jetzt wird es noch ein paar Grad heißer.

          Zur Abkühlung kann man sich in einem kleinen chinesischen Laden in einer Seitenstraße ein Durian-Eis kaufen. Die Durian-Frucht müssen deutsche Dschungelcamp-Kandidaten manchmal essen, die Moderatoren nennen sie dann: „Kotzfrucht“. Öffnet man sie, stinkt sie so bestialisch, dass in Hotels in George Town Schilder hängen, die auf das Verbot hinweisen, die Stinkfrucht mit ins Zimmer zu nehmen. Das Eis schmeckt zuerst nur leicht faulig, richtig eklig wird es für den westlichen Gaumen aber, wenn sich Minuten später der Nachgeschmack entfaltet. Zum Glück gibt es an jeder Ecke in George Town unglaublich gutes Street Food, um gegenzusteuern: Laksa zum Beispiel, eine Fischsuppe, die auf Penang mit Kokosmilch, Ananas, Minzblättern, Gurken, Zwiebeln, Chilis, Glasnudeln, Garnelenpaste und rosafarbenem Fackelingwer gekocht wird und einen die Durian schnell vergessen lässt.

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