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Malaysia in zwei Tagen : Wie der Blitz

Moschee in Putrajaya: Die Stadt sieht so aus, wie man sich eine am Reißbrett entworfene Stadt vorstellt.

11.10 Uhr. Die Tour durch Kuala Lumpur beginnt am ehemaligen Königspalast. Obwohl das Staatsoberhaupt mittlerweile auch in Putrajaya residiert, kann man den Istana Negara (Nationalpalast) mit seinen goldenen Kuppeln nur aus der Ferne durch Gitterstäbe begutachten. Bewaffnete Wachmänner müssen stattdessen als Selfie-Beigabe herhalten. Ein Tourist nach dem anderen traut sich in das Wachhäuschen, skeptischer Blick auf das große Gewehr und in das teilnahmslose Gesicht, lächeln fürs Foto und wieder raus. Der Busfahrer wartet schon. Jeweils „zehn Minuten für Fotos“ gibt es am Nationaldenkmal für gefallene Soldaten und am Sultan Abdul Samad Building, in dem früher die britische Kolonialregierung saß. In Erinnerung bleiben vor allem die Straßenlaternen, sie sind geformt wie Hibiskuspflanzen.

12.45 Uhr. Essen im indischen Viertel. Das Zusammentreffen der Kulturen in Malaysia ist vor allem für die Küche ein unglaublicher Gewinn. Wo kann man sonst ganze Stadtviertel voller indischer, chinesischer und malaiischer Restaurants finden, in denen es fast immer sensationell gut schmeckt? Man muss sich nur vorher kurz versichern, ob jetzt mit Stäbchen (China), Löffel und Gabel (Malaysia – „Messer sind Waffen“) oder den Händen (Indien) gegessen wird. Im „Betel Leaf“ gibt es eine kurze Einführung, wie man die vielen scharfen Saucen am besten mit den Fingern isst. Der Trick: viel Reis, und immer schön kneten. Was zu empfehlen ist? Zum Beispiel Biryani Rice, Butter Chicken, Mutton Rogan Josh, Chicken Chettinad, Chicken Lollipops, Mutton Chukka, Cheese Naan, Garlic Naan. Oder anders gesagt: alles, was auf der Karte steht.

14 Uhr. Die Markthalle im Zentrum Kuala Lumpurs ist, wie Städte im ganzen Land, aufgeteilt in chinesische, indische und malaiische Straßen. In einem winzigen Shop sitzt eine Chinesin zwischen Bergen bestickter Handtaschen und bemalter Holzschuhe. Als man sie fragt, ob sie es nicht unfair finde, dass Muslime in Malaysia gesellschaftliche, soziale und politische Privilegien genießen, fängt sie an zu flüstern: „Nicht fair. Pssst.“ Sie redet leise weiter: „Für Muslime ist es jetzt sehr leicht, die Staatsbürgerschaft zu bekommen. Es werden immer mehr. Und für uns Chinesen wird es immer schwerer. Unsere Schulen wollen sie schließen, viele meiner Freunde haben das Land verlassen.“ Einen Rat hat sie noch: „Schreiben Sie nichts Kritisches über die Politik. Sonst kommen Sie ins Gefängnis.“ Kurze Stichprobe: Redet hier jeder Chinese, zumindest leise, über das schwierige Leben in einem immer strenger islamisch werdenden Land? Fünf Versuche, fünf Mal Schweigen. Taxi ins Hotel.

16 Uhr. Schönster Moment des Tages: Sprung in den Hotelpool. Kurz auf die Liege. Drumherum blicken die Hochhäuser gnädig auf einen herab. In welcher Stadt sie stehen? Vollkommen egal.

 Blick von den Petronas Towers, die Zwillingstürme ragen 452 Meter über Kuala Lumpur in die Höhe.

19 Uhr. Na gut, ein Programmpunkt geht noch. Warteschlange vor den Petronas Towers, die Zwillingstürme ragen 452 Meter über Kuala Lumpur in die Höhe. Bevor man in den Aufzug steigen darf, wird man durchleuchtet. Dann hebt man ab. Als sich die Aufzugtüren an der Brücke öffnen, die in 172 Meter Höhe von einem Turm zum anderen führen, geht gerade die Sonne unter. Perfektes Licht für Bilder von Hochhäusern, die weiter unten in goldenem Licht baden. Schnell weiter, ganz nach oben. Dort leider Ernüchterung: Die Aussicht ist phänomenal, aber man kann nur durch Scheiben fotografieren, die schmutzig sind und furchtbar spiegeln. Neidischer Blick auf den KL Tower, dort trennt Beobachter und Skyline keine schmutzige Scheibe.

21 Uhr. Der Rückweg zum Hotel ist ganz einfach, trotzdem verlaufen wir uns. Und freuen uns wenig später: In einer dunklen Seitengasse sitzen Malaien auf Plastikstühlen, neben ihnen wird unter Planen Essen gegart. Als der Teller mit Nudeln, Huhn, Ei und Gemüse auf dem Tisch steht und die erste Gabel gegessen ist, wird wieder klar: Man kann in Malaysia nichts Besseres machen, als zu essen. Am besten die ganze Nacht lang, wenn die Hitze nachlässt. Was wir sonst gelernt haben? Die schönsten Orte und die interessantesten Menschen entdeckt man, wenn man vor Regen flieht, sich verläuft, oder ziellos über den Markt schlendert – und nicht im Bus von A nach B rast.

Anreise: Qatar Airways fliegt via Doha (ab Frankfurt und München je zweimal täglich, ab Berlin einmal täglich) nach Kuala Lumpur. Preis ab 532 Euro in der Economy und ab 2335 Euro in der Business Class (qatarairways.com)

Unterkunft: Kuala Lumpur hat eine hervorragende Hotelinfrastruktur. Zimmer im luxuriösen „Shangri-La-Hotel“ ab 130 Euro (shangri-la.com)

Weitere Informationen beim Fremdenverkehrsamt unter malaysia.travel/de-de/de

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