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Malaysia in zwei Tagen : Wie der Blitz

14.30 Uhr. Plötzlicher Platzregen, Wassermassen stürzen vom Himmel. Flucht in die Moschee. Nora Kassim arbeitet darin, sie trägt Kopftuch und muss darauf achten, dass Touristen beim Betreten des Gotteshauses die Schuhe ausgezogen und ihre Haut angemessen bedeckt haben. Sie lädt zu Bananenchips an einen kleinen Tisch. Ob sie das wirklich nicht stört, dass gegenüber Schweinefleisch gegessen wird? „Wer hat Ihnen das gesagt?“, fragt sie, und zieht die Augenbrauen hoch. Dann sagt sie milde: „Das ist schon okay. Solange sie es im Laden essen und nicht auf der Straße.“

19 Uhr. Und jetzt nach Kuala Lumpur! Daniel Kaeflein kommt ursprünglich aus Heidelberg, seit einem Jahr ist er Manager im „Shangri-La“ in Kuala Lumpur, einem der größten Luxushotels der Stadt. Er hat die Besucher aus Deutschland zum Abendessen in das Gourmet-Restaurant seines Hotels geladen. Bald wird am Tisch wieder davon geschwärmt, wie tolerant doch die verschiedenen Kulturen in Malaysia miteinander umgingen. Schade, dass das in Deutschland mit den Flüchtlingen nicht funktioniere. Irgendwann kann man sich ein paar Zwischenfragen nicht mehr verkneifen: Es stimme doch, dass Homosexualität im ganzen Land strafbar ist? Und Muslime sich vor Scharia-Richtern verantworten müssen? Und zwischen Malaysia und Thailand eine Mauer gebaut werden soll? Betretenes Schweigen.

Changkat Avenue in Kuala Lumpur: Hier reiht sich eine vollgestopfte Bar an die nächste.

22.30 Uhr. Zwei deutsche Geschäftsmänner sitzen am Straßenrand vor einer Whiskeybar in der Changkat Avenue in Kuala Lumpur. Hier reiht sich eine vollgestopfte Bar an die nächste, die Bäume sind mit Lichterketten geschmückt, Sterne aus Papier hängen über der Straße, laute Gespräche, Gelächter, Musik. Kai Schaefer ist Chef einer Firma aus Rheinland-Pfalz, die eine Kalkfabrik in Malaysia hat. Was ihn auf die Changkat Avenue geführt hat? „Es gibt guten Whiskey, man sitzt draußen, hier sind viele junge Leute unterwegs – auch Einheimische. Und in der Nebenstraße gibt es super Essen.“ Eine Frage noch: Am Vortag hatte es auf dem Weg von Penang nach Kuala Lumpur plötzlich einen Schlag gegeben, und aus dem Busfenster sah man einen ganzen Hang samt Waldstück in die Tiefe rasen. War das ihre Firma? „Nein, das war bestimmt die Konkurrenz aus den Niederlanden.“ Großes Gelächter.

Mittwoch, 0.10 Uhr. Durch die „SkyBar“ im „Traders Hotel“ tanzen zwar keine Menschen, aber immerhin Lichtkegel. Sie spiegeln sich in einem Wasserbecken, das den ganzen Raum durchzieht. An den Scheiben sitzen die Gäste, trinken Cocktails, genießen den Blick auf das Wahrzeichen der Stadt: die beleuchteten Petronas Towers. Cocktail bestellen, Selfie machen, ab ins Hotel.

8.30 Uhr. Frühstück fällt aus, zu müde. Mit Apfel in den Bus. Man könnte sich jetzt Kuala Lumpur anschauen. Aber einen ganzen Tag für eine Stadt mit gerade mal acht Millionen Einwohnern? Zeitverschwendung. Also ab nach Putrajaya. Die Stadt wurde in den neunziger Jahren gegründet, seitdem sitzt dort die Regierung. Putrajaya sieht so aus, wie man sich eine am Reißbrett entworfene Stadt vorstellt. Eine breite Straße führt kerzengerade auf den Sitz des Premierministers zu, er arbeitet in einem riesigen Gebäude neben einem künstlich angelegten See und einer fast genauso großen Moschee. Fotos, Abfahrt, Nickerchen.

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