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Madrid ohne Männer : Die Stadt der starken Frauen

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Kreativität ist die beste Krisenbewältigung

Wir treffen die Autorin in einem Hotel an der Calle Moratín. Natalia wirkt eher verträumt als entschlossen. Sie trägt ein Silberkreuz um den Hals und nimmt neben ihrer Agentin auf dem Sofa Platz. „Unser aktuelles Mann-Frau-Modell funktioniert nicht, man sollte es umbauen“, sagt sie und: „Der Feminismus zielt auf den beruflichen Erfolg der Frauen ab, das führt aber nicht zu einer gesellschaftlichen Verbesserung.“ Die Lösung nach Sanmartín? Steht im Buch: Wirtschaftlich gesehen, sollen kleine Betriebe für größtmögliche Selbstbestimmung sorgen. Und im privaten Sektor tue frau gut daran, die naturgegebene Ungleichheit zu akzeptieren. Damit nicht genug, halte frau sich an die Überlegenheit des Mannes und vertraue auf dessen Führung, so wie ihre Heldin Prudencia Prim es nach ihrem Erwachen, nach Vollendung ihrer inneren Wandlung tut. Sechzigtausend Exemplare von Sanmartíns 2013 erschienener Utopie sind bisher in Spanien verkauft worden, in siebzig Ländern ist der Band zu haben. Ein Erfolg, der wohl der Sehnsucht nach einem einfachen Leben geschuldet ist - und außerdem einer gutgeölten PR-Maschinerie. Doch auch wenn Sanmartín die Uhren gern zurückdrehen würde, eine echte Option bietet ihr gesellschaftskritischer Roman nicht.

Dann doch lieber der Blick nach vorne. Von einer aktuellen, neuen „movida madrileña“, einer kulturellen Aufbruchstimmung, wie es sie schon nach Zusammenbruch des Franco-Regimes 1975 gegeben hat, berichtet die Managerin Verónica García Castelo bei einem Rundgang durch ihr Hotel „Orfila“ mit seinen Marmorböden, Medaillonstühlen, Ölgemälden und Stilmöbeln aus dem 19. Jahrhundert. „Die Wiederauflage der ,movida‘ erscheint als Reflex auf die Krise“, so García, „sie zwingt die Menschen, kreativ zu werden.“

Keine Zeit für die Weibchenrolle

Auch María Langarita, weiblicher Part des Architektenbüros Langarita Navarro, spricht von neuen Möglichkeiten, die paradoxerweise die Wirtschaftskrise nach sich gezogen hat. Maria ist Mitte dreißig. Wir sitzen in einem Raum des von ihr gestalteten, preisgekrönten MediaLab-Prado. Dafür fügten die Architekten eine flexible Struktur aus Boxen in den skeletthaften Rahmen des früheren Industriebaus, der Serrería Belga. Statt die historischen Linien respektvoll aufzugreifen oder weiterzuführen, pflanzten die Architekten rotzfrech einen Turm aus gestapelten Boxen in das leere Gerüst, ironisch „La Cosa“ genannt, „das Ding“. Dieses Ding will ich auf gar nichts beziehen, niemandem Reverenz erweisen - außer dem momentanen Zweck, ein Zentrum der digitalen Kultur zu sein. Und anders als bei „Starchitects“ wie Frank Gehry, der mit seinem Guggenheim-Museum im dreihundert Kilometer entfernten Bilbao sowohl der Stadt als sich selbst ein Denkmal schuf, zeigt sich die neue Generation weit weniger egozentrisch: „Typisch für uns ist die Arbeitsweise, nicht die Form des Objekts“, sagt Maria.

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