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Madrid ohne Männer : Die Stadt der starken Frauen

  • -Aktualisiert am
Madrid: Das Zentrum der Hauptstadt Spaniens.

Starke Frauen an der Spitze hat es in Madrid immer gegeben, das zeigt ein Blick in die Geschichte. Eine Führung durch das Madrid der Habsburger bringt die Vergangenheit zurück. An der Plaza de las Descalzas hören wir von Juana de Austria, Infantin von Spanien und Kronprinzessin von Portugal, die hier ein Klarissenstift gründete. Vor der Oper das Denkmal von Isabella II. von Bourbon, einer schillernden Figur und kein Kind von Traurigkeit, wie unsere Führerin versichert. Auch Margarita de Austria sei erwähnt, die schon um 1600 eine Antikorruptionskommission gründete, ebenso Isabell von Farnese, eine echte „Powerfrau“, die es verstand, ihre Kinder im Machtkampf der Dynastien heiratspolitisch höchst erfolgreich zu verschachern. Die City-Tour endet mit Goumet-Tapas im Mercado de San Miguel, belegt mit Stock- oder Thunfisch, das Stück für einen Euro. Die Spitzenköche der Stadt sind übrigens fast ausnahmslos Männer.

Ein Tanz wie Pistolenschüsse

Der Abend wird richtig spanisch. Im Corral de la Morería, auf einer der bekanntesten Tablao-Bühnen Madrids, steht Blanca del Rey persönlich an der Eingangstür. Blanca ist eine echte Flamenco-Größe, berühmt für ihre Soleá del Mantón, den Tanz mit Schal. Heute ist sie künstlerische Leiterin des Tablao. „Fühlt euch wie zu Hause“, begrüßt sie die Gäste und verteilt Küsschen. „Ihr sucht das weibliche Madrid? Versteh’ ich nicht, ist doch alles irgendwie weiblich“, sagt sie und erzählt: „Neben Madrid bringen vor allem Andalusien und Galicien großartige Frauen hervor. Das ist auffällig“ - eine These, die wir noch öfter hören werden. Dann gehen die Lichter aus. Und während an den Tischen gedämpfter Lachs um Aufmerksamkeit heischt, tanzen sich auf der Bühne junge Flamenco-Künstler die Seele aus dem Leib. Ein Stakkato der Rhythmen, mal krachend-derb mit Handschlag, dann provozierend-ironisch, mal heftig wie Pistolenschüsse, dann mit graziös-schmerzvoller Armarbeit, Braseos genannt. „Wir drücken mit dem Körper Dinge aus, die wir mit den Lippen nicht sagen können“, meint Blanca, während auf dem Podest die Volants wirbeln, Fransen fliegen und die Absätze wie ein Trommelwirbel aufschlagen, so dass dem geneigten Publikum schon mal die Gabel aus der Hand fällt.

Flamenco ist Seelenschmerz, Ausdruck von Tiefe und Melancholie. Aus seinem Gefühlsspektrum sind die Farben Pechschwarz und Blutrot nicht wegzudenken. Dagegen erstrahlt der Farbkosmos der Designerin Agatha Ruiz de la Prada wie eine bunte Lollipop-Welt. Seit den achtziger Jahren entwirft die Madriderin sehr erfolgreich Mode, vor allem für Frauen und Kinder. Ihre Modelle sind eine Hommage an den ewigen Frühling, sie schwelgen in Buntstiftfarben wie Himmelblau,

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