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Madagaskar : Urwaldgeflüster

  • -Aktualisiert am

Die Säule in Antisirabe zeigt, welche Stämme auf Madagaskar leben Bild: dpa

Sanft fließt das Leben im Herzen Madagaskars dahin, dort wo Goldfrösche ihren Balzgesang quaken und die Waldführer dazu beim Mahl die Saiten der Valiha zupfen. Rauhe Töne kennen die Tanala nicht.

          Eine Reise durch das Herz Madagaskars kann zur fließenden Bewegung ohne Zeit und Raum werden. Ranomafana: ein riesiges Regenwaldgebiet 1000 Kilometer südlich der Hauptstadt. "Mure-Mure", eines der Lieblingswörter der Madagassen, scheint eine meditative Wirkung auszuüben, wenn man es nur oft genug vor sich hersagt.

          Und dann wird die Reise einfach eine Bewegung immer weiter hinein ins Grün. In eine verwucherte Berglandschaft mit Baumfarnen, Fächerpalmen, Stechpflanzen. Chamäleons spazieren im Straßengraben, Kinder schwirren aus armseligen Hütten am Wegrand. Irgendwann im Stockfinstern steigt man aus dem Überlandtaxi, dann ein Glimmen unter Blätterdächern, und im Schein von Taschenlampen geht es über steile, glitschige Natursteintreppen zu einer kleinen Blockhaussiedlung im Urwald: angekommen an einem anderen Ende der Welt.

          Cuisine malagash: Zeburagout und Vanillefisch

          Vor 30 Jahren tauchten Weiße in dieser Gegend auf, die mit schweren Tornistern voll technischem Gerät tagelang im Wald verschwanden. Dann kamen sie zurück und hatten eine neue Froschart, seltene Chamäleons und einen bisher nie gesehenen Lemuren entdeckt, den sie Goldenen Bambuslemur tauften. Und für das Volk der Tanala, die bis dahin mit Holzfällen und Honigsammeln eine bescheidene Existenz führten und es dabei zu großem Wissen in der Naturmedizin gebracht haben, war die Zeit des Nomadisierens vorbei.

          Jetzt verdingen sich einige als Waldführer für Touristen. Eine Großfamilie führt ein uriges Restaurant und serviert allabendlich feine "Cuisine malagash". Ragout vom Zebu, Fisch in Vanillerahm, karamellisierte Ananas und andere Köstlichkeiten. Und während ein paar der Waldführer zarte Lieder auf der Valiha, einem mit Saiten bespannten Bambusrohr spielen, ist es als lauschten sie gleichzeitig, was die Geister der Ahnen hinzuzufügen haben.

          Der Puls der Geister

          Bei langen Wanderungen durch den Regenwald, auf der Suche nach den sensationellen, großen Katta-Lemuren, nach Plattschwanzgeckos, Strahlenschildkröten und Goldfröschen, meint man vielleicht selbst, den leichten, flüchtigen Puls der Geisterwesen zu spüren. Und wenn nachts zu Kerzenschein und dem Trommeln der Regenkaskaden auf die Bananenblätter und Fächerpalmen vor der Hüttentür die Frösche ihren Balzgesang ins unaufhörliche Rasselgeräusch der Zikaden mischen, stellt sich ein Gefühl des völligen Aufgehobenseins ein. Unter einem Völkchen, das keine rauen Töne kennt.

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