https://www.faz.net/-gxh-2z57

Madagaskar : Reise durchs Ende der Welt

  • -Aktualisiert am

Einkaufen auf dem Land Bild: dpa

In Madagaskar gibt es Flecken, die liegen hinter dem Ende der Welt. Die Reise dorthin jedoch ist magisch und führt durch staunenswerte Landschaften und Szenarien in eine Welt, die anders tickt.

          Ambohitsara ist eines jener Dörfer, die nicht am Ende der Welt liegen, sondern man muss dorthin - wie es in einer Reportage zu lesen war - durch das Ende der Welt hindurch reisen. Von der Hauptstadt Antananarivo mit ihrem Meer aus kleinen Holzhäusern, die über sieben Hügel und zwischen Reisterrassen in einem endlosen Gewirr verteilt sind, nimmt ein kleines Propellerflugzeug Kurs über das zentrale Hochland. Wollig grünes Dickicht hat sich über die Millionen Jahre alten Falten der Berge geschlungen. Braune Flussmäander durchziehen die Knicke der Falten. So urgewaltig und einsam ist die Landschaft, dass es scheint, kein Mensch könne es mit ihr aufnehmen.

          Erst wenn das Flugzeug zur Landung im östlichen Küstenort Mananjáry ansetzt, öffnet sich der Blick vor der Weite des Indischen Ozeans auf kultiviertes Bauernland. Rikschafahrer traben über die einzige, zerlöcherte Asphaltstraße, die das Städtchen durchschneidet. Mandeläugige, schlanke Schönheiten mit schwarzafrikanischem Teint schlendern über einen staubigen Marktflecken. Die asiatischen und afrikanischen Wurzeln ihrer Vorfahren stehen ihnen ins Gesicht geschrieben.

          Vier Stunden in die Vergangenheit

          Von hier verläuft parallel zur Küste ein insgesamt 650 Kilometer langer Flusskanal. Ein altes Holzboot, das mit einem Außenbordmotor prahlen kann, dient ab jetzt den Reisenden als Fähre durchs Ende der Welt. Die Bootsbesitzerin Irmgard Manambelona stammt aus Deutschland und hat sich vor 30 Jahren mit einem Mann aus Ambohitsara verheiratet. Sie öffnet kleinen Reisegruppen den Weg ins Dorf ihres Mannes und bringt damit bescheidenen Wohlstand in diese abgelegene Welt.

          Die vier Stunden Fahrt auf dem Kanal führen weit weg von jeglicher Spur des kolonialisierten Madagaskar. Gewaltige Uferstauden, die Elefantenohr genannt werden, begleiten die Reise. An kleinen Stränden winken Wäscherinnen, jauchzen badende Kinder in glänzender brauner Nacktheit. Archaische Einbäume, überladen mit riesigen Kanistern voll Zuckerrohrmost, mit Bastpflanzen, Bananenstauden oder Brennholz, werden lautlos zu Marktorten gepaddelt. Mit Zeitlupenbewegungen waten Speerfischer im seichten Uferwasser. Auslegerboote mit primitiven Lateinersegeln treiben elegisch unter der Sonne, als hätten sie kein Ziel. Bilder wie aus ethnologischen Studien.

          Stillstand der Zeit

          Der Flusskanal ist eine natürliche Verkehrsader, auf dem die paar Knoten Geschwindigkeit des altersschwachen Bootes und seine sanfte Bugwelle schon das Gleichgewicht stören. Und bei der Ankunft in Ambohitsara sind auch die "Vazaha" - wie Fremde genannt werden - über die grün-blauen Ewigkeit des Kanals in einen angenehmen Stillstand der Zeit geraten.

          Weitere Themen

          Papa kommt mit

          Südafrika : Papa kommt mit

          Obwohl er schwer dement ist, reist eine Tochter noch einmal mit dem Vater um den halben Globus – zum Glück!

          Alles, nur nicht bremsen! Video-Seite öffnen

          Reisen mit dem Rad : Alles, nur nicht bremsen!

          Elektrisch durch die Fjorde, stehend durchs Gelände – und für den guten Zweck über Inseln: Fahrradsommerreisen in Norwegen, Österreich und Griechenland.

          Die Melancholie des Maisfelds

          Fotografie : Die Melancholie des Maisfelds

          Eine Fotoausstellung in Burghausen dokumentiert ein unbekanntes Bayern abseits der Klischees. Sie zeigt ein rauheres, einsameres, skurriles, ja manchmal auch hässliches Land.

          Topmeldungen

          Liveblog zu Wahl in Straßburg : „Es lebe Europa!“

          EVP-Fraktion will von der Leyen geschlossen wählen +++ Kandidatin spricht über Klimakrise, Migration und Gleichberechtigung +++ Am Abend stellt sich CDU-Politikerin zur Wahl +++ Mindestens 374 von 747 Stimmen nötig +++ Verfolgen Sie alle Entwicklungen im Liveblog.
          Der Eingriff in die bundesweite Verteilung von Krankenhäusern muss mit chirurgischer Präzision ausgeführt werden – sonst leidet die Versorgungssicherheit vor allem auf dem Land schnell.

          Zu viele Hospitale : Der Patient Deutschland

          Die Deutschen lieben ihr Krankenhaus in direkter Nähe – mag es auch noch so schlecht ausgestattet sein. Daher hat auch die Politik kein Interesse an einem großflächigen Abbau der Hospitäler. Vernünftig ist das nicht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.