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Madagaskar : Natur zum Anfassen

  • -Aktualisiert am

Madagassische Katta-Lemuren beim Sonnenbad Bild: dpa

Jeder Tag in Ambohitsara bringt den Reisenden dem Paradies ein Stück näher. Tagsüber paddelt man im Mikrokosmos des Steinelefanten, abends tanzen die Glühwürmchen ihr Ballett.

          Ambohitsara, das ist eine Ansammlung von Holzhütten, ein malerischer Palmenwald, ein Gemeindehaus aus Wellblech und ein Schulhaus aus Lehmziegeln, davor ein gelbsandiger, wilder Strand und auf der anderen Dorfseite der Flusskanal. Vor etwa tausend Jahren - genau weiß man es nicht - wurde hier der Stamm der Antambahoaka sesshaft. In einem Tropen­garten neben dem Dorf liegen drei stilvolle Gästehütten mit Petroleumlicht und immerhin einer Kaltwasserleitung. Und nachts tanzen Glühwürmchen durch die Büsche. Das ist der ganze Kosmos. Er bedeutet schon Luxus für die Stammesgemeinschaft von rund 8000 Seelen.

          Es sind filigrane, schöne Menschen mit eindeutig asiatischen Gesichtszügen. Doch folgen sie ihrer eigenen Abstammungsgeschichte mit einem besonderen Heiligtum. Sie verehren eine kleine steinerne Skulptur, die einem Elefanten ähnlich ist. Einer ihrer Vorfahren soll ihn von einer Pilgerreise nach Mekka mitge­bracht haben. Deshalb beginnt ihre Geschichte mit diesem Ahnen und dem Elefanten als Symbol, dessen Geist immer unter den Lebenden anwesend ist.

          Die innere Ruhe im verlorenen Paradies

          Und was tun Fremde in Ambohitsara? Den Steinelefanten besichtigen, eine Strandwanderung machen, in Seitenarme des Kanals paddeln unter dem amüsierten Lachen von Frauen, die noch nie Vazaha in einem Einbaum gesehen haben. Und mit jedem Tag mehr stellt sich eine ganz besondere innere Ruhe ein. Dann ist es Zeit, an den Rand des Waldes zu paddeln.

          Bald stapft man an leuchtenden Reisfeldern vorbei, wo ein Mann an einer archaischen Zuckerrohrpresse arbeitet. Das Dickicht wird undurchdringlicher. Tamarinden und Schlingpflanzen bilden das Versteck für eine Halbaffenfamilie kleiner Lemuren, die nur herauskommen, wenn man sie mit Zuckerrohrstückchen und Bananen lockt. Unwahrscheinlich gewandt flitzen die kleinen, braunen Wesen über die Äste herbei und schnappen mit ihren sehr menschenähnlichen Händchen nach den Mitbringseln. Und wenn sie einen für Augenblicke mit ihren zartledernen Fingern und scharfen, spitzen Zähnen berühren, könnte man meinen, dem verlorenen Paradies wieder nahe gekommen zu sein.

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