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Luftfahrt : Swiss gründet Billig-Fluggesellschaft

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Auf dem Boden der Tatsachen Bild: AP

Die angeschlagene Swissair-Nachfolgerin Swiss will ein separates Billigfluggeschäft unter dem Namen Swiss Express führen. Damit und mit Gehaltskürzungen will die Airline Kosten sparen.

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          Die angeschlagene Swissair-Nachfolgerin Swiss will ein separates Billigfluggeschäft unter dem Namen Swiss Express führen. Damit und mit Gehaltskürzungen will die Airline Kosten sparen.

          Die neue Gesellschaft werde mit Beginn des Flugplanes 2003/04 ihren Betrieb aufnehmenund für die Muttergesellschaft Swiss Zubringer- und Nischenflüge ausführen. Swiss selbst werde eine „Premium Airline“ bleiben, sagte Swiss-Verwaltungsratspräsident Pieter Bouw am Freitag auf einer Medienkonferenz in Basel. Das sei die einzige Form, die zur Schweiz und ihrem Image passe.

          Zugleich strebt Swiss Gehaltskürzungen an. Im Personalbereich müßten in diesem Jahr zehn Prozent eingespart werden, hieß es. Das Top-Management will dabei mit 14-prozentigem Gehaltsverzicht ein gutes Beispiel abgeben. Zuvor hatte die Schweizer Regierung als größter Swiss-Aktionär beschlossen, der Gesellschaft keine weiteren Finanzmittel mehr zur Verfügung zu stellen. Auch bei den Gläubigerbanken hat die Airline bisher keine Zahlungserleichterung erreicht.

          Den Marktbedingungen in Europa anpassen

          Mit der Gründung von Swiss Express reagiere Swiss auch auf die neuen Marktbedingungen mit Billigflugangeboten vor allem in Europa, teilte das Unternehmen weiter mit. Swiss-Chef Andre Dose hatte in einem am Dienstag veröffentlichten Zeitungsinterview erklärt, die Airline verliere wegen der durch die Lungenkrankheit SARS nochmals verschärften Krise der Luftfahrt-Branche derzeit jeden Monat 40 Millionen Schweizer Franken (26,5 Millionen Euro).

          Zugleich teilte Swiss mit, die liquiden Mittel hätten sich per Ende des ersten Quartals 2003 auf 861 Millionen sfr belaufen. Bis Ende Jahr rechne die Swiss auch ohne neuen Betriebskredit und ohne zusätzliche Massnahmen mit einer Liquidität von rund 500 Millionen Schweizer Franken. „Ein Grounding ist kein Thema, die Swiss hat ausreichend Liquidität“ so Bouw weiter.

          Flotte reduziert, beim Personal weiter sparen

          Swiss habe damit die ausreichende Liquidität, um ihren Betrieb fortzusetzen. Ihre Flotte habe Swiss seit Februar um 15 Prozent reduziert, es seien nun insgesamt 112 Flugzeuge in Betrieb, darunter 25 Langstreckenflugzeuge. Marktbeobachter sagten, die Probleme von Swiss lägen vor allem im Langstreckenbereich. Sieben Langstreckenflugzeuge würden für ein Land wie die Schweiz ausreichen.

          Im Februar dieses Jahres kündigte Swiss ein Sparprogramm an, das die Stilllegung von 20 von damals 130 Maschinen und den Abbau von 700 Stellen vorsah. Flugzeugkäufe wurden verschoben. Damit werde Swiss bis Jahresende eine halbe Milliarde sfr einsparen, wie der Verwaltungsratschef betonte. Das Management selbst wird sich die Löhne um 14 Prozent kürzen.

          Zurück zur alten Struktur

          Mit den nun vorgelegten Plänen geht Swiss wieder auf eine Struktur zurück, die bis zum Zusammenbruch der früheren Swissair galt. Diese hatte sich auf den Fernverkehr konzentriert und sich im Europageschäft weitgehend auf die damalige Basler Regionalfluggesellschaft Crossair und andere Fluglinien im angrenzenden Ausland abgestützt, an denen sich Swissair beteiligt hatte. Nach den Zusammenbruch der Swissair im Herbst 2001 wurde mit Milliardenhilfen des Bundes und der Banken aus der Crossair und Teilen der Swissair die Swiss gegründet.

          Die Swiss-Aktie zog an der Schweizer Börse um 0,64 Schweizer Franken auf 4,05 Schweizer Franken an; bis zum frühen Nachmittag wechselten knapp 70.000 Swiss-Aktien die Hand. Der im breiten Publikum liegende Aktienanteil der Swiss ist marginal. Die allermeisten Aktien werden vom Bund mit 20 Prozent und den Grossbanken gehalten, die durch Stillhalteabkommen gebunden sind.

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