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Luckenbach, Texas : So groß, wie ein Herz nur sein kann

  • -Aktualisiert am

Gib mir ein F: Countrysession bei Bier und Wasser Bild: Jörn Klare

Ein paar alte Bretterbuden, ein Haufen guter Typen und überall Musik. Das ist Luckenbach. Nur beim Thema Politik kann es etwas schwierig werden. Sonst ist alles ganz wunderbar. Wer den Ort besucht, wird Texas lieben.

          7 Min.

          Ich wollte nicht in die Hölle. Ich wollte nach Texas. Gelandet bin ich in Luckenbach, einer Handvoll Häuser in den hügeligen Texas Hills achtzig Kilometer westlich der Hauptstadt Austin. Eine Punktlandung im Irgendwo, denn Luckenbach ist Texas und noch viel mehr. Sein Kern misst ziemlich genau sechzig Quadratmeter. Er hat einen Holzboden, ein Holzdach, eine Holztheke, und auch die Wände sind vermutlich aus Holz. Man kann es nicht erkennen, weil sie vollgehängt sind, vollgeklebt und vollgenagelt. Erst einmal sind da einige vergilbte Texas-Flaggen mit ihrem einsamen weißen Stern auf blauem Grund. Hin und wieder taucht auch eine angerissene Landkarte des Lone-Star-State auf, dazu, dazwischen und darüber die eine oder andere alte Gitarre, Cowboyhüte, ein paar Stiefel, ein alter Revolver, Fotos von Männern mit wilden Bärten, die meisten haben ein Instrument in der Hand. Auf anderen Fotos an den Wänden stehen und hocken Soldaten in einer afghanischen oder irakischen Wüste, meist etwas höher hängen mehr oder minder gut konservierte Schädel von Hirschen, Rehen oder Longhorn-Rindern, von denen die meisten einen Hut aufhaben. Einer der vielen Aufkleber behauptet, dass es besser sei, ein Zaunpfosten in Texas als ein König in Tennessee zu sein. Auf einem Brett über der Theke steht eingebrannt: „Luckenbach, Texas - established 1849“.

          „Auch ich entdecke hier jeden Tag noch was Neues“, sagt Rob Davis. Der Barkeeper muss es wissen, er steht so gut wie jeden Tag entweder hinter oder vor dem Tresen. Die Bierflasche, die er herüberreicht, ist so kalt, dass sie zum Schutz meiner Finger in einer Lederhülle steckt. Der tiefenentspannte Rob ist um die fünfzig Jahre alt, hat einen kleinen Bauch und einen großen Cowboyhut. Barkeeper in Luckenbach, sagt er, ist ein Traumjob. Auf einem Schild hinter ihm werden diejenigen, die trinken, um zu vergessen, aufgefordert, vorher zu bezahlen. Ein weiterer Hinweis klärt, dass alle, die an der Theke um Kredit bitten, kein Bier, sondern einen Job brauchen. Unübersehbar ist aber vor allem die Erklärung, dass hier Waffen wie in ganz Texas nur mit einer Lizenz und auch nur verdeckt getragen werden dürfen.

          Ein großer Hit

          „Wer nicht von hier ist“, beantwortet Rob meinen fragenden Blick, „kann nicht verstehen, was es bedeutet, eine Schusswaffe zu haben.“ Es geht hier nicht darum, ob jemand eine hat, sondern wie viele. Und er selbst hinter seiner Theke? Rob lächelt. „Ich bin geschützt, lass es mich so sagen. Wenn was passieren sollte, bin ich vorbereitet. Reicht dir das?“ Ja, danke Rob, reicht. Seine Haltung erinnert an die coolen Cowboys in den Filmen. Unklar ist, ob Rob das von denen oder die das von ihm haben. Abgesehen davon, sagt er, sind einfach schon zu viele Waffen im Umlauf, als dass man das Ganze zurückdrehen könnte.

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