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Love Locks - Liebesschlösser : Schloss mit lustig

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Was aber machen Liebende, die den Weg nach Heilbronn scheuen? Klarer Fall: Sie pilgern in den Harz. Dort wartet nämlich der einzige „Liebesbankweg“ Deutschlands. Und wer da glaubte, dieser Liebesbankweg sei ein Wanderweg wie jeder andere, den belehrt die Seite liebesbankweg.de eines Besseren: „Der Liebesbankweg ist kein Wanderweg wie jeder andere. Es sind zahlreiche Highlights eingefügt worden“, und die können wir hier gar nicht alle aufzählen, es sind einfach zu viele Highlights: „Tor der Liebe“, „Quelle der Liebe“, „Harzgondeln“, „Liebesschaukel“ und „Wassertretbecken“ müssen uns genügen. Doch obwohl dieser so an- wie aufregende Pfad konsequenterweise „als erster Premiumwanderweg im Harz und in Niedersachsen ausgezeichnet“ wurde - irgendwie kommt uns der komisch vor. Nein, dieser Weg wird kein geiler sein, ja er geht fehl und in die Irre! Liebende sind doch keine Bänker - sie wollen sich an romantischen Orten verewigen und nicht nach dem Liebesschaukeln Wasser treten.

Schließwütig

Was also würden Romeo und Julia heute tun, wenn sie nirgends was anschließen dürfen? Die Namen von Liebenden in Baumrinde zu ritzen, wie es gute Großväter-Sitte war, kann den Adoleszenten in Zeiten zunehmender Analphabetisierung (fast acht Millionen in Deutschland!) nicht mehr zugemutet werden. Ohnehin hat die Jugend keine Taschenmesser mehr dabei, höchstens Taschenmesser-Apps, außerdem haben die Bündnisgrünen den sogenannten Baumfrevel unter schwerste Schandstrafandrohung gestellt: Wer Bäume ritzt, muss mit einem Hausbesuch von Claudia Roth rechnen, und so weit will es nun wirklich niemand kommen lassen.

Die rettende Lösung kommt, wie so oft, aus den Vereinigten Staaten, dem Innovationsland schlechthin. An der Brooklyn Bridge, der wahrscheinlich längsten Liebesbrücke der Welt, gehen schon seit längerem regelmäßig bolzenschneiderbewehrte Vollernter die Geländergitter ab, um sie von Stahlschrott zu befreien. Inzwischen finden sich kaum noch Liebesschlösser, sondern ganz andere Sachen: festgezurrte Haargummis, Büstenhalter und Wollbeutel, auch Tampons und Kondome, und darüber hinaus und vor allem - Kopfhörer. Rote Kopfhörer. Auch sie ein Zeichen ewiglicher Verbundenheit in lautem Einklang und trauter Harmonie. Warum rote? Weil die roten Gratiskopfhörer, die man auf Stadtrundfahrten erhält, billiger sind als ein paar teure In-Ears von Bose. „Jetzt hängen die Leute einfach den Müll aus ihren Taschen dran“, ringt das Stadtmagazin „Time Out“ um Fassung, doch wir sehen freilich die romantische Komponente.

„Alles, worauf die Liebe wartet, ist die Gelegenheit“, wusste schon Miguel de Cervantes, und auch wir wissen jetzt, was das für uns und Deutschlands schönsten Bahnübergang bedeutet: Kölner Lover und Liebende des Planeten Erde! Befreit die Hohenzollernbrücke von tausend Tonnen Schlösserschrott und schafft Platz für neuen! Ja, lasst sie uns bauen im Namen der Liebe: die größte Kopfhörersammelstelle der Welt!

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