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Love Locks - Liebesschlösser : Schloss mit lustig

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Auf dem Pont des Arts werden Anschlusssuchende indes nicht mehr glücklich werden. Im Sommer vor zwei Jahren war die Seinebrücke gesperrt worden, weil ein Geländer einstürzte. Das olle Gestänge sah sich nicht in der Lage, ein paar tausend Liebesschlösser für die Ewigkeit zu halten. „Wir werden in etwa eine Million Stück entfernen, rund 45 Tonnen“, sagte der stellvertretende Bürgermeister Bruno Juillard und nannte die amourösen Memorabilien „eine Verschandelung unseres Kulturguts“, ja „ein Sicherheitsrisiko für die Besucher“. Inzwischen wurden die Schlösser entfernt und das neue Geländer durch eine Plexiglasplatte versperrt. Klar, dass Sprayer sich eine solch klare, plane Fläche an prominentester Stelle nicht würden entgehen lassen - schon Tage später waren die Plexiplatten vollgesprüht.

Bild: Reuters

Inzwischen sind elf Pariser Brücken und diverse Denkmäler mit Schlössern verziert. „Die Leute hängen ihre Schlösser sogar an Mülleimer und Privathäuser“, ringt die Seite nolovelocks.com um Fassung, doch damit nicht genug: „Illegale Händler befestigen Fahrradschlösser an Brücken, damit auch diese noch vollgehängt werden können.“ Und auf change.org wurde die Petition „Verbietet Liebesschlösser in Paris! Schützt unsere historischen Orte!“ bereits über elftausend Mal unterzeichnet.

Bolzenschneiderpolitik

Der Liebesgott, der Eisen wachsen ließ, hat einen immer schwereren Stand. In Venedig zahlen Verliebte, die etwas an die Rialtobrücke schließen, dreitausend Euro Bußgeld. Die Tageszeitung „La Repubblica“ forderte als Dreingabe noch ein Jahr Gefängnis. In getrennten Zellen. Berlin macht’s wie immer billiger, dort kostet die Ordnungswidrigkeit nur 35 Euro, verboten ist die Liebesschlossanheftung aber generell. In Frankfurt wuchert der historische, aufwändig renovierte Eiserne Steg über den Main langsam und sicher zu. Gerade forderte eine Künstlervereinigung namens „Frankfurter Hauptschule“ die Bürger via Facebook dazu auf, die Schlösser vom Steg zu entwenden: „Für jedes Schloss zahlen wir einen Euro.“ Anschließend sollen die Liebeseisen eingeschmolzen und zu einem Kunstwerk verarbeitet werden. „Liebesschlösser sind ein Anschlag kleinbürgerlicher Ästhetik auf uns alle“, klagen die Hauptschüler und stellen fest: „Diese Schlösser sind moderne Keuschheitsgürtel. Hier geht es nicht um Liebe, sondern um Besitz.“ Auch in Nürnberg und Heidelberg geht regelmäßig der Bolzenschneider gegen korrodierende Liebesgehänge vor.

Den schließwütigen Liebenden des Landes dräut wahrlich ein schweres Los - sie müssen künftig nach Heilbronn. Die Käthchenstadt am Neckar nämlich „liebt die Liebesschlösser“, wie die „Südwest Presse“ nicht schlecht staunt: „Der 10. August gilt in Heilbronn neuerdings als ,Tag des Liebesschlosses‘“, dann wird gefeiert: „mit Piccolo-Sektfläschchen und Losaktionen“. Ach, wer da mitfeiern könnte!

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