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Liparische Inseln : Stromboli - ein perfekter Vulkankegel

  • -Aktualisiert am

Vulkan-Wanderung auf den Stromboli Bild: srt

Der Vulkan beherrscht die Insel und läßt nur wenig Raum für Leben. Das Spektakel, das er täglich bietet, ist allerdings beeindruckend.

          2 Min.

          Schon lange bevor das Tragflächenboot auf Stromboli anlegt, kann man sich vom Anblick der Insel nicht mehr losreißen. Der Vulkankegel ragt wie ein mit dem Lineal gezogenes Dreieck aus dem Wasser. Die antike Insel "Strongyle" - die Runde - ist aufs Wesentliche reduziert, besteht nur aus dem Vulkan. Dabei ist nur ein Drittel des Kegels sichtbar, gut 2.000 Meter sind unter der Wasseroberfläche verborgen. Der Gipfel ist immer von einer weißen Haube gekrönt, einer Mischung aus Dunst, Wolken und vulkanischer Aktivität. Der Stromboli schläft nie, permanent macht er seinem Ruf, einer der aktivsten Vulkane der Welt zu sein, alle Ehre und schickt Rauschschwaden gen Himmel.

          Der Hauptort Stromoli ist ein langgezogenes Dorf und bis auf das winzige Ginostra der einzige Versuch von Menschen, auf der Insel Fuß zu fassen. Der alles beherrschende Vulkan duldet Bewohner nur auf einem schmalen Streifen zwischen Meer und Steilhang. Die verschiedenen Ortsteile von Stromboli - Ficogrande, San Vicenzo, Piscita und San Bartolo - gaukeln nicht vorhandene Größe vor. Denn gerade mal 400 Einwohner leben in den weiß gestrichenen, kubischen Häusern, zwischen denen verwinkelte Gassen hindurch führen. Irgendwie erinnert die Bauweise des Ortes an die griechischen Kykladen. Nur die eingestreuten Buchten und Klippen und die schwarzen Lavastrände, die auch das grellste Sonnenlicht verschlucken, lassen keinen Zweifel daran aufkommen, dass man auf einer jungen vulkanischen Insel steht, die vor gerade mal 40.000 Jahren aus den Tiefen des Mittelmeeres aufgetaucht ist.

          Glühende Lava und Schlackebrocken

          Dem aktivsten Vulkan Europas kann man auf zwei verschiedene Arten zu Leibe rücken: Entweder mit dem Boot oder zu Fuß. Jeden Abend starten von Ficogrande kleine Fischerboote zur Sciara del Fuoco - der Feuerrutsche. Über diese steile Bergflanke entledigt sich der Stromboli von allem Überflüssigen. Glühende Lava und Schlackebrocken kollern über den Steilhang vom Gipfel bis direkt ins Meer. Auf den Booten hat man einen Logenplatz bei dem sich ständig wiederholenden Schauspiel, wenn die rot glühenden Lavabrocken nach einer knapp 1.000 Meter langen Rutschpartie über die Sciara del Fuoco zischend und dampfend im Meer versinken.

          Die zweite Annäherung an den "Leuchtturm des Mittelmeeres" ist anstrengender und schweißtreibender, dafür erlebt man die Ausbrüche dann aber auch hautnah mit. Anfangs steigt man noch über gepflasterte Serpentinenwege, dann wird der Pfad durch die lose Vulkanasche immer steiler. Nach gut der Hälfte des Aufstieges nähert man sich zum ersten Mal dem Rand der Sciara del Fuoco und bekommt einen ersten Vorgeschmack auf die Urgewalten, die hier am Werk sind. Jetzt sind auch die Eruptionen deutlich als Donnergrollen wahrzunehmen. Während der letzten Höhenmeter auf den Gipfelgrat weiß man gar nicht, wohin man zuerst schauen soll. Auf den einsam aus dem Meer ragenden Felsen Strombolicchio mit seinem Leuchtturm oder auf die fernen Äolen im Abenddunst. Aber schlussendlich ziehen die vegetationslose Mondlandschaft und der dampfende Vulkanschlot unwiderstehlich wieder alle Aufmerksamkeit auf sich.

          Ein Stück über dem heute aktiven Vulkan ist noch der Rest eines älteren Kraters übrig geblieben. Er ist der beste Aussichtsplatz für dieses Höllenspektakel. Von hier aus kann man direkt in Hephaistos' Schmiede hineinschauen, der sich mächtig ins Zeug legt, um seine Besucher zu beeindrucken. Dagegen ist die kleine Insel Vulcano nur eine müde Zweigstelle des Feuergottes. Aber erst wenn es dunkel wird, erreicht das Schauspiel seinen Höhepunkt. Dann beginnen die Augen des Vulkans zu glühen. Die kleinen Schlote erlauben einen Blick in den rotglühenden Bauch der Erde. Zwei- bis dreimal pro Stunde spuckt der große Krater glühende Lava. Mit einem dumpfen Knall fliegen dann die Brocken durch die Luft und fließen anschließend als rote Bänder über den Kraterrand. Kurz darauf ist alles wieder rabenschwarz - bis zum nächsten Wutausbruch.

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