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Legende Loreley : Die bezaubernde Blondine vom Mittelrhein

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„Zu Bacharach am Rheine wohnt eine Zauberin“: Clemens Brentano begründete den Kult der Loreley. Die Schiffer sind heute aber sicher. Bild: Volker Mehnert

Zwischen Mythos und Wirklichkeit, Felsen und Weinbergen: Aussichten und Einsichten im Bannkreis der Loreley, der berühmtesten Bewohnerin aller deutschen Flüsse.

          6 Min.

          Unser Weg zur Loreley ist steil, steinig und alles andere als geradlinig. In weitem Bogen klettern wir auf der neu angelegten „Loreley Extratour“ vom Rheinufer aus zunächst durch ehemalige, inzwischen verbuschte und verwilderte Weinbauterrassen. Bis zu drei Meter hohe Trockenmauern säumen den Pfad. Kunstvoll wurde hier einst das Schiefergestein aufgeschichtet und ineinander verzahnt, um die Erde am Steilhang festzuhalten und darauf Reben anzupflanzen. Doch das Werk von Generationen von Weinbauern droht nach und nach zu zerfallen. Welch großartige Weine könnten in diesen altbewährten Steillagen auch heute noch wachsen! Immerhin pflegen die rührigen Hobby- und Nebenerwerbswinzer der Winzergenossenschaft Loreley noch ihre Rebstöcke auf den klitzekleinen Parzellen der Lagen Loreley Edel, Rothenack und Burg Katz. An ausgewählten Stellen versuchen experimentierfreudige Jungwinzer sogar alte Lagen für den Weinbau zurückzugewinnen. Außerdem gibt es neuerdings einige Initiativen zur Erhaltung des Mauerwerks und zur Wiederbelebung der uralten Trockenbautechnik.

          Als wir aus dem steinernen Gewirr der Rebterrassen auftauchen, öffnen sich vor unseren Augen die Hochebenen und Höhenzüge von Westerwald und Hunsrück. Wiesen, Felder und Waldstücke bilden einen Teppich aus grünen Flecken und Schattierungen. Kurz darauf steigen wir wieder bergab in eines der typischen engen und steilen Seitentäler des Mittelrheins, von denen zwischen Rüdesheim und Koblenz mehr als hundert vom großen Strom abzweigen. Wir wandern jetzt durchs Forstbachtal, eine Art kleines Felsenmeer, auf dem sich dünne und durstende Eichen mit letzter Kraft gegen den kargen Boden und die ausgedehnten Trockenphasen in Zeiten des Klimawandels stemmen. Endlich kommt dann wieder der Rhein in Sicht, und von den spektakulär ins Tal hinausragenden Aussichtspunkten Felsenkanzel und Spitznack haben wir auch die Loreley direkt vor Augen. Nach einem Gang durch den Steilhang der Weinbergslage Rothenack und einer weiteren halben Stunde stehen wir schließlich selbst auf dem legendären Felsplateau.

          Magische Kräfte sind am Werk

          Die klassische Annäherung an die Loreley führte natürlich seit jeher über den Fluss. „Achtung Leute, jetzt wird es gefährlich“, warnten die Kapitäne ihre Schiffsmannschaften, wenn der tückische Felsen in Sicht kam. Weil der Fluss dort einen scharfen Bogen um den 132 Meter hohen Berg herum machen muss, entstanden gefährliche Strudel und Strömungen, es gab Riffe und Untiefen. Viele Schiffe waren hier gekentert, gesunken oder zerschellt. Und da von der Felswand ein seltsames Echo widerhallte, glaubten die Menschen, es seien magische Kräfte am Werk, die zu diesen Unglücken führten. Man hielt Zwerge, Berggeister oder andere Fabelwesen für die Übeltäter, die die Schiffe ins Verderben lotsten.

          Verhängnisvolle Schönheit: die Nixe Loreley als Statue auf der Mole des Loreley-Hafens.
          Verhängnisvolle Schönheit: die Nixe Loreley als Statue auf der Mole des Loreley-Hafens. : Bild: Picture-Alliance

          Nur zu gern wurden solche mystischen Vorstellungen übernommen von jenen Romantikern, die sich zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts von der Landschaft des Mittelrheins zwischen Mainz und Koblenz verzaubern ließen. Die Mischung aus malerischen Flussschleifen, schroffen Klippen, steilen Weinbergterrassen, beschaulichen Dörfern und verfallenen Ritterburgen erschien ihnen als ideale mittelalterliche Landschaft, die sie rückwärtsgewandt verklärten. Zahlreiche Dichter, Schriftsteller, Philosophen und Maler wie Clemens Brentano, Achim von Arnim, Friedrich Schlegel, Victor Hugo, Lord Byron und William Turner reisten durchs Rheintal und ließen sich von volkstümlichen Märchen und Mythen zu eigenen Werken inspirieren.

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