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Essen auf den Straßen von New York : Mittagspause mit Hummerbrötchen

  • -Aktualisiert am

Kosmopolitische Kulinarik: Auf den Bürgersteigen New Yorks kann man sich einmal um die Welt essen. Und in Taiwan zu beginnen, ist nicht die schlechteste Idee. Bild: Frank Rumpf

Ohne seine Straßenimbisse ist New York undenkbar. Doch die Zeiten, als man nur einen pappigen Hot Dog in die Hand gedrückt bekam, sind zum Glück vorbei. Heute regiert kulinarische Vielfalt auf dem Bürgersteig.

          Seit fast zehn Jahren halten die Halal Guys mit ihrem kleinen Wagen in Manhattans Midtown die Stellung und übernehmen die Mittagsversorgung der Büroangestellten. An der Kreuzung 6th Avenue und 53. Straße verkaufen sie, in zitronengelbe Pullover gekleidet, bei Regen, Schnee und Sonnenschein Salat und gegrilltes Lammfleisch, vor allem aber Hühnchen auf Reis mit scharfer weißer Sauce für gleichermaßen scharf kalkulierte sechs Dollar pro Alu-Teller. Auch abends werfen sie im Schatten des Hilton-Hotels ihre Kochplatten an und profitieren dann bis spät in die Nacht von Theaterbesuchern am Broadway. Oft sieht man Schlangen von dreißig, vierzig artig wartenden New Yorkern vor dem Stand, dabei ist die Stadt nicht gerade für geduldige Einwohner bekannt. Doch das Warten lohnt sich: Das Hähnchen ist fest im Fleisch, der Basmatireis angenehm körnig, die weiße Joghurtsauce säuerlich frisch mit pikanter Note. Zwiegespräche mit dem Chef oder eine Bleeching-Sitzung beim Zahnarzt sollte man anschließend allerdings vermeiden. Denn es herrscht Knoblauchalarm.

          Wer einen solchen Erfolg hat, bleibt nicht lange allein. Nur eine Ecke entfernt steht ein Nachahmer mit Hühnchen, Reis und weißer Sauce, schräg gegenüber noch einer, und an der 43. Straße gibt es die Trini Paki Boys, auch sie sind längst stadtweit bekannt - dank Hühnchen, Reis und weißer Sauce. Die knoblauchumwehten Halal-Wagen sind derzeit das auffälligste Phänomen auf den Straßen Manhattans. Ein Einzelfall sind sie keineswegs. Straßenküchen gehören zu New York wie Freiheitsstatue und Empire State Building. Für die New Yorker hat Street Food alles, was sie im Alltag lieben. Es ist schnell, unkompliziert und billig. Für fünf, sechs Dollar wird man satt. Für sechzehn Dollar kann man sich in der Mittagspause ein internationales Menü zusammenstellen: als Vorspeise für drei Dollar eine argentinische Empanada mit Rindshack, Kartoffeln und Oliven vom Nuchas-Stand, als Hauptgericht für neun Dollar ein scharfes Zitronengras-Seitan mit Cashew-Nüssen und Sichuan-Chilisauce auf getoastetem Baguette von Cinnamon Snail und für vier Dollar als Abschluss einen griechischen Joghurt mit Apfelstreusel vom Steel Cart am oberen Broadway. Das ist günstig in einer Stadt, in der nicht nur die Wolkenkratzer, sondern auch die Lebenshaltungskosten zu den höchsten der Welt gehören.

          Don’t you worry, take home some curry!

          Noch nie ist das Angebot so vielseitig gewesen wie heute. Allein an der Park Avenue kann man sich innerhalb einer Viertelstunde durch drei Großküchen Asiens probieren: erster Stopp an der Ecke 51. Straße am Wagen von Seoul-Food mit koreanisch inspiriertem Rindfleisch in einer Weizenmehltasche - Letztere eine etwas überraschende Übernahme aus der mexikanischen Küche, aber praktisch -, garniert mit orangefarbenem Kimchi, Römersalat und Aioli. Auf der anderen Seite parkt schief am Bordstein der himmelblaue Laster von Bian Dang. Hinter der hochgeklappten Luke zwei fröhliche junge Asiaten, auf der Speisekarte taiwanesische Snacks. Empfehlung des Tages: Tianbula, frittierter Fisch mit Koriander auf Jasminreis, als Beilage „Buddha’s Delight“, gebratener Tofu mit Gemüse. Von Taiwan nach Indien müssen keine 3400 Kilometer oder vier Stunden im Flugzeug überwunden werden, sondern lediglich 75 Meter zur 54. Straße. Hier wartet in einem weißen Anhänger ein gemütlicher Inder mit roter Kochschürze auf Kundschaft. Auf der Seite der Slogan „Don’t you worry, take home some curry!“ Wir nehmen Chicken Tikka Masala und sorgen uns kein bisschen.

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